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Interview: Die wichtigste Eigenschaft der Führungskraft 4.0
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Arbeiten 4.0 : Interview: Die wichtigste Eigenschaft der Führungskraft 4.0

Tilman Süss, Unternehmensberater und Lehrbeauftragter, beschäftigt sich mit den Chancen und Herausforderungen von Arbeiten 4.0.

Herr Süss, arbeiten die Pioniere des Arbeitens 4.0 anders als etablierte Betriebe und Verwaltungen?

Ja, sie entwickeln neue Produkte und digitalisieren etablierte Ansätze. Dabei sind sie die größten Nutzer ihrer eigenen Werkzeuge und brechen viele Konventionen. Großen Einfluss auf den Erfolg hat der Stellenwert, den der Einzelne seiner Arbeit einräumt. Die Selbstbestimmung des Individuums zählt zu den großen Chancen der Industrie 4.0. Wir leben die modernen Formen der Zusammenarbeit. Jeder fühlt sich mitverantwortlich, jeder möchte effizient sein.

Sie sagten einmal, dass in der Start-up-Szene die individuelle Freiheit wichtiger sei als Sicherheit. Zugleich haben Sie vor potenzieller Überforderung gewarnt. Wie schätzen Sie das inzwischen ein?

Ein Großteil der Generation Y stellt heute Selbstbestimmung und Lebensqualität vor die Jobsicherheit. Die beruflichen Chancen von sehr vielen gut ausgebildeten Menschen sind so positiv, dass kaum noch Ängste vor der Arbeitslosigkeit bestehen. Dies wird eine immer größere Herausforderung für alle Arbeitgebenden werden.

Was ist die wichtigste Eigenschaft einer Führungskraft 4.0?

Empathie. Wer die Generationen Y und Z führen will, muss die eigenen Konventionen hinterfragen und sich in andere Menschen hineinversetzen können.

Portraitbild von Tilman Suess
Tilman Süss hat vor acht Jahren die BerlinerStrategen gegründet. Als Unternehmensberater und Lehrbeauftragter beschäftigt er sich mit den Chancen der Industrie 4.0. © privat

Wie gelingt etablierten Führungskräften der Wandel?

Neben der eben genannten mit einer generellen Managementeigenschaft: sich nicht in Details verlieren, sondern Systeme von außen steuern. Nur wer Ziele setzt und zugleich Gestaltungsspielräume lässt, kann erfolgreich ein heterogenes Team führen und halten.

Sollten Führungskräfte bei sich selbst in fachliche Kompetenz investieren oder eher an ihren emotionalen Fähigkeiten arbeiten?

Sich als Mensch weiterzuentwickeln, war und ist immer wichtig. Nur wer neugierig ist, bleibt erfolgreich. Die „aktuelle“ Generation wird die Digitalisierung fachlich nicht mehr voll beherrschen können. Um die Denkweise von jungen Beschäftigten, von Digital Natives zu verstehen, ist es eine gute Idee, sich auf einem digitalen Gebiet fachlich fit zu machen, das einem persönlich liegt, und dann im Austausch zu bleiben. Ich kenne beispielsweise einen etablierten Verleger, der sich regelmäßig mit einem jungen Start-up-Manager zum Mittagessen trifft. Das ist für beide Seiten ein Kompetenzgewinn.

Autorin: Miriam Becker

Generationsfrage?

Generation Y: geboren zwischen 1980 und 2000, auch „Millennials“ genannt, bilden diejenigen, die den Internetboom und die Globalisierung von Beginn an miterleben. Sie zeichnen sich im Gegensatz zu den Vorgängergenerationen durch ein hohes Bildungsniveau aus. Der Buchstabe Y wird englisch „Why?“ („Warum?“) ausgesprochen. Damit soll die für diese Generation als charakteristisch beschriebene Neigung zum Hinterfragen ausgedrückt werden.

Generation Z: geboren zwischen 1995 und 2010, auch „Generation YouTube“ genannt, bilden diejenigen, die die Digitalisierung des Alltags bereits komplett in ihr Leben integriert haben. Entscheidungen (Berufswahl, Konsumentscheidungen etc.) werden meist basierend auf Informationen aus dem Netz und aus (Online-)Communities getroffen.

Beide Bezeichnungen sind natürlich Typisierungen.