Link to header
Intelligente PSA ist sicher und smart
Leuchtende Schutzkleidung kann sich beispielsweise automatisch einschalten. © Uvex Safety Group/Thomas Riese
Arbeiten 4.0

Intelligente PSA ist sicher und smart

Die Persönliche Schutzausrüstung sorgt für Sicherheit und rettet Leben. Digitale Technik erhöht den Schutz stetig weiter. Wo steht die Entwicklung?

Datum: 09.11.2021

Seit Langem schreitet die Entwicklung Persönlicher Schutzausrüstung (PSA) voran. Der wichtigste Antrieb heute ist die Digitalisierung. Das Ziel: mithilfe elektronischer Elemente sowie neuartiger Materialien den Schutz erhöhen und die Ausrüstung komfortabler machen. Ein Beispiel ist intelligente Feuerwehrschutzbekleidung, die ort- und zeitgerecht Informationen bereitstellt.

„Verbaute Sensoren überwachen die Vitalfunktionen des Tragenden und erkennen frühzeitig mögliche Belastungen. Parallel kann die Leitstelle weitere Einsatzparameter wie zum Beispiel den Atemluftvorrat der Einsatzkräfte im Blick behalten“, beschreibt Prof. Frank Werner, Leiter des Fachbereichs Persönliche Schutzausrüstungen bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).

Smarte PSA schützt und dokumentiert

Auch das Baugewerbe testet derzeit smarte PSA und setzt sie zum Teil schon ein. So gibt es Schutzwesten mit integriertem Airbag, zum Beispiel für Tätigkeiten auf Leitern. Bei einem Sturz öffnet sich der Airbag und schützt so vor schweren Verletzungen.

„Auf einer Baustelle in München kamen smarte Schutzhelme und -brillen zum Einsatz, um zu kontrollieren, ob die Beschäftigten die richtige Schutzkleidung trugen. Nur wenn dies zutraf, bekamen sie Zugang zur Baustelle“, berichtet Werner. Zudem konnten die Wartungsintervalle der PSA und die Unterweisungen der Beschäftigten elektronisch erfasst werden.

Herausfordernd ist die Zertifizierung smarter PSA

Was toll klingt, ist in der Herstellung noch ziemlich kompliziert. Denn Elektronik spielte bei PSA bisher eine eher kleine Rolle. Alle Beteiligten wie Anwendende, Hersteller, aber auch Prüfstellen und Behörden stehen vor der Aufgabe, „Elektronik zu lernen“. Denn smarte PSA muss alle relevanten Anforderungen der europäischen PSA-Verordnung erfüllen.

„Es ist nicht einfach damit getan, eine zertifizierte Schutzjacke mit zertifizierten elektronischen Bauteilen zu kombinieren. Die smarte PSA als Kombination aller Bestandteile muss bewertet und geprüft werden“, erklärt Werner.

Smarte PSA und Datenschutz?

Smarte PSA interagieren mit der Umgebung und der nutzenden Person. Dazu verarbeiten sie Daten. Doch was passiert mit ihnen und wer darf sie einsehen? Antworten liefert die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Diese besagt, dass Daten nur zweckgebunden zu verarbeiten sind. Zudem haben Mitarbeitende das Recht auf Auskunft über und Korrektur von Daten und können verlangen, dass sie gelöscht werden.

Damit diese Persönlichkeitsrechte gewahrt werden, muss die Datenverarbeitung von smarten PSA mit der DSGVO konform sein, zum Beispiel durch datenschutzfreundliche Voreinstellungen und Anonymisierung. Datenschutzbeauftragte sollten hier eingebunden werden.

Erwerb von intelligenter PSA

Führungskräfte, die smarte PSA für ihre Belegschaft erwerben wollen, sollten im Vorfeld die Mitarbeitenden einbeziehen. „Auch bei intelligenter PSA gilt: Nur wenn diese passgenau sitzt, bietet sie den besten Schutz“, betont Werner. Erste Informationen für den Erwerb von intelligenter PSA lieferten die Hersteller: „Sie informieren auf ihren Webseiten, in der Fachpresse, aber auch auf Messen über ihre Produkte.“

Smarte PSA kann die Einsatzleitung automatisch informieren, wenn die Atemluft in Atemschutzgeräten auszugehen droht. © Adobe Stock/benjaminnolte

Künftig informiert smarte PSA über Arbeitsschutz

Werners Zukunftsprognose ist eindeutig – er geht von einer langen, aber stetigen Entwicklung aus. „Es wird sukzessive vorangehen. Irgendwann werden smarte PSA wie selbstverständlich zum Alltag gehören und das nicht nur in der Arbeitswelt. Wichtig ist nur, dass sie auch einen Mehrwert für Anwendende haben“, sagt Werner.

Schutzbrillen seien da ein einfaches, aber gutes Beispiel: „Man stelle sich vor, in einer großen Industrieanlage muss ein Absperrschieber gewechselt werden. Die für die Montage zuständige Person bekommt vor Ort alle relevanten Informationen über die notwendigen Arbeiten, die benötigten Werkzeuge, die Gefährdungen und auch zu den festgelegten Schutzmaßnahmen über die Schutzbrille bereitgestellt.“

Checkliste

Mitunter ist es für Führungskräfte nicht leicht, die richtige Persönliche Schutzausrüstung für die Beschäftigten auszuwählen. Anhaltspunkte liefert die Checkliste der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

Veröffentlicht von: Florian Jung