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Den inneren Dialogen zuhören
Die eigene Selbstkenntnis führt auch zu einem besseren Verständnis des Gegenübers, sagt Autor und Coach Urs R. Bärtschi. © AdobeStock/iana_kolesnikova
Interviews

Den inneren Dialogen zuhören

Der Autor und Coach Urs R. Bärtschi spricht im top eins-Interview über Selbsterkenntnis und wie diese hilft, sich und andere besser zu verstehen.

Datum: 12.02.2021

Seit 1992 ist der Schweizer Urs R. Bärtschi als Coach und Berater tätig sowie als Dozent an der Akademie für Individualpsychologie in Kloten (Schweiz). Sein 2014 erstmals veröffentlichtes Buch „Ich bin mein eigener Coach“ ist im vergangenen Jahr in dritter, überarbeiteter Auflage erschienen.

Herr Bärtschi, an wen richtet sich Ihr Buch?

An Leserinnen und Leser, die sich selbst besser einschätzen können möchten. Gerade die Beschreibungen der vier Prota­gonisten auf der eigenen, inneren Bühne geben einen amüsanten Aufschluss über die eigene Persönlichkeit. „Susi Geschäftig“, „Alex Konsequent“, „Ga­briela Freundlich“ und „Stefan Gemütlich“ verkörpern in meinem Buch auf sympathische Art und Weise die vier Grundrichtungen, die jeder Mensch als Eigenschaften und Möglichkeiten in sich trägt. Das Buch ermutigt, sich selbst in allen Selbstkompetenzen wahrzunehmen und diese zu fördern. Der ressourcenorientierte Blick auf die eigenen Stärken bietet eine sehr nutzbare Hilfestellung, sich selbst unverkrampft gegenüberzutreten und fast spielerisch die eigene Person „von außen“ zu betrachten.

Wie kann das Modell für den beruflichen Lebensweg hilfreich sein?

Gutes Selbstmanagement bedeutet, sein eigener Coach zu sein. Mut und Selbsterkenntnis sind dabei die Schlüssel. Die eigene Selbstkenntnis führt dabei immer auch zu einem besseren Verständnis des Gegenübers, ob Mitarbeitende oder Vorgesetzte. Gelungenes Selbstcoaching führt zu Autonomie und sicherem Handeln. Eigene Zielsetzungen werden Schritt für Schritt erreicht, wenn der Mensch sich selbst gut kennt.

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Urs R. Bärtschi ist Autor, Coach, Berater und Dozent an der Akademie für Individualpsychologie in Kloten (Schweiz). © Beautyshooting

Wie wenden Leserinnen und Leser das gewonnene Wissen auf sich selbst an und werden zu ihrem eigenen Coach?

Indem sie ihren inneren Dialogen gut zuhören. Achten Sie dabei besonders gut auf die „Darsteller“ – jene Stimmen, die sich im Trubel des Lebens starkmachen und in den Vordergrund spielen, und auf jene, die in den Hintergrund gedrängt werden: „Nur keine Langeweile! Schnell! Das schaffst du noch heute!“, ruft der Geschäftige. „Alles oder nichts! Punktgenau! Sicherheit!“, fordert der Konsequente. „Harmonie! Rücksichtnahme auf alle!“, erbittet der Freundliche. „Zeit! Und bitte ohne Druck und Stress!“, ist der Anspruch des Gemütlichen. Alle vier stehen als Ressource und zur Selbst­lenkung in unterschiedlichen Ausprägungen zur Verfügung. Die einzelnen Typen habe ich bewusst griffig beschrieben, damit sie einen hohen Erkennungswert haben. Das Buch leitet an, mit sich selbst in den Dialog zu treten und mit den „inneren Stimmen“ konstruktiv umzugehen.

Veröffentlich von: Jörn Käsebier