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Sommer, Sonne, UV- und Hitzeschutz
© iStock/Getty Images Plus/blyjak
Interviews

Sommer, Sonne, UV- und Hitzeschutz

Nach dem Winter die Frühlingssonne so richtig genießen – dieses Verlangen ist verständlich. Doch auch im Frühling ist Hautschutz schon Thema. Denn die gesundheitsschädlichen UV-Strahlen kommen nicht erst mit der Sommersonne.

Datum: 04.04.2019

Bei blauem Himmel beneiden die Beschäftigten in Büro und Lager diejenigen, die das schöne Wetter draußen genießen können. Doch wer an der frischen Luft arbeitet, braucht besonderen Schutz. Ohne ihn können UV-Strahlen die Gesundheit schädigen, etwa zu hellem Hautkrebs und Augenschäden führen. Im Sommer kommt noch die Belastung durch Hitze hinzu. Auch hier sind spezielle Schutzmaßnahmen nötig, um Erkrankungen wie etwa einem Hitzschlag vorzubeugen.

Das Regelwerk

Für Arbeitsplätze im Freien ist der Schutz vor Witterungseinflüssen in der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV, Anhang 5.1) vorgeschrieben. Welche Maßnahmen am jeweiligen Arbeitsplatz erforderlich sind, gehört auch in die Gefährdungsbeurteilung. Arbeitgebende müssen die Arbeitnehmenden zudem zu Schutzmaßnahmen vor Hitze und UV-Strahlung unterweisen.

Die Maßnahmen

Arbeitgebende sind verpflichtet, Schutzmaßnahmen umzusetzen. Hier haben die technischen Lösungen Priorität. Sind diese ausgeschöpft, folgen organisatorische und zum Schluss personenbezogene Maßnahmen. Hier eine Checkliste für die verschiedenen Möglichkeiten, die sich natürlich auch kombinieren lassen:

Technische Maßnahmen

  • Schattige Plätze einrichten, etwa für die Pause
  • Arbeitsplätze vor direkter Sonne schützen, zum ­Beispiel mit Überdachungen, Sonnenschirmen ­und Sonnensegeln
  • Für gute Belüftung sorgen
  • Fahrzeuge mit Klimaanlagen ausrüsten

Organisatorische Maßnahmen

  • Anstrengende Tätigkeiten in die kühlen Morgen­stunden oder den frühen Abend legen
  • Schichtbeginn und -ende ggf. anpassen, denn die UV-Strahlung ist am frühen Morgen und in den Abendstunden geringer als zur Mittagszeit
  • Ausreichend Getränke, Sonnenschutzmittel etc. zur Verfügung stellen

Personenbezogene Maßnahmen

  • Schützende, aber luftdurchlässige Kleidung: lange Hosen, langärmlige Oberteile, Kopfbedeckung (ggf. mit Nackenschutz) – je nach Gefährdungsbeurteilung Persönliche Schutzausrüstung (PSA)
  • Schweißfester Sonnenschutz mit hohem (=30) oder sehr hohem (50+) Lichtschutzfaktor an Körperstellen, die sich durch Kleidung nicht schützen lassen, zum Beispiel das Gesicht
  • Sonnenbrille mit Tönung und UV-Schutz, die nach DIN EN 166 beziehungsweise DIN EN 172 gefertigt und für den gewerblichen Bereich geeignet ist
    Regelmäßig trinken

Der Notfall

Trotz Schutzmaßnahmen kann es vorkommen, dass Beschäftigte eine Hitzeerkrankung erleiden. Kopfschmerzen und Übelkeit zählen zu den Anzeichen dafür. Kommt ein steifer Nacken hinzu, deutet das auf einen Sonnenstich hin. Gepaart mit starkem Schwitzen und blasser Haut kommt eine Hitzeerschöpfung in Frage. Bei einem Hitzschlag zählen trockene, gerötete Haut und Verwirrtheit zu den typischen Symptomen.

In jedem Fall ist schnelle Hilfe durch­ Vorgesetzte und Mitarbeitende nötig:

  • Rettungsdienst rufen (Notruf 112)
  • Betroffene Person in den Schatten bringen
  • Kopf leicht erhöht lagern (bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage)
  • mit feuchten Tüchern kühlen
  • schwere Kleidung entfernen
  • bei Atemstillstand Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen, bis der Rettungsdienst eintrifft

Individuell angepasste Schutzmaßnahmen

Portraitbild von Marc Wittlich
Dr. Marc Wittlich, IFA © PR DGUV

Dr. Marc Wittlich untersucht im Projekt GENESIS-UV Berufe mit besonders hoher Belastung.

Herr Dr. Wittlich, welche Berufsgruppen sind denn von UV-Strahlung besonders betroffen?

Beschäftigte etwa im Fassadenbau, im Straßenbau sowie im Dachdeckerhandwerk sind besonders viel UV-Strahlung ausgesetzt. Auch bei Mauerarbeiten, in der Stahlbaumontage sowie für Schäferinnen und Schäfer zeigten sich bei den Messungen hohe UV-Werte. An der Spitze liegen derzeit übrigens die Beschäftigten in der landwirtschaftlichen Versuchstechnik. Seit Beginn des Projekts 2014 haben etwa 1.000 Arbeitnehmende teilgenommen. So konnten wir bislang gut 240 verschiedene Berufe und Tätigkeitsgruppen untersuchen.

Sie leiten das Forschungsprojekt GENESIS-UV am Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA). Worum geht es dabei?

Wir untersuchen die tatsächliche UV-Belastung von Beschäftigten während ihrer Tätigkeit im Freien. Dazu tragen die Arbeitnehmenden für die Dauer der jeweiligen Messkampagne von April bis Oktober ein Messgerät am Arm, das Daten sammelt, während sie ihrer normalen Arbeit nachgehen. Wir erfahren dadurch, welcher UV-Belastung Beschäftigte in verschiedenen Berufen und Tätigkeitsgruppen wirklich ausgesetzt sind, und können so effektivere, individuell angepasste Schutzmaßnahmen entwickeln.

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt GENESIS-UV

Autorin: Yvonne Millar

Veröffentlicht von: Redaktion