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Flexible Arbeitszeiten für besseren Schlaf nutzen
Im Homeoffice ist Entgrenzung ein wichtiges Thema. In der Unternehmenskultur sollte das Einhalten von Ruhezeiten und Wochenenden verankert sein. © GettyImages/MoyoStudio
Gesund bleiben

Flexible Arbeitszeiten für besseren Schlaf nutzen

Lerche oder Eule? Wenn Beschäftigte die Arbeitszeiten an ihren persönlichen Schlafrhythmus anpassen können, ist das gut für die Gesundheit.

Datum: 13.04.2022

Gut ausgeschlafen startet es sich gleich viel besser in den Tag. Aber was passiert, wenn die Arbeitszeiten nicht zu den eigenen Schlafbedürfnissen passen? Welche Folgen Schlafmangel haben kann und wie flexible Arbeitszeiten dazu beitragen können, individuelle Schlafbedürfnisse zu berücksichtigen, darüber spricht Dr. Sylvia Rabstein, Wissenschaftlerin am Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV.

Dr. Sylvia Rabstein, Wissenschaftlerin am Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV
Dr. Sylvia Rabstein, Wissenschaftlerin am Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV © DGUV

Auch wenn gerade durch die Corona-Pandemie unsere Arbeitszeiten und -orte viel flexibler geworden sind, herrscht vielerorts noch ein starres Nine-to-five-Dogma. Sind diese festen Arbeitszeitmodelle abträglich für einen gesunden Schlaf?

Ein fester Rhythmus ist grundsätzlich erstmal nicht schlecht für gesunden Schlaf. Erst wenn die Taktung der Schlaf- und Wachzeiten stark von unserem körpereigenen Rhythmus abweicht, kann dies zu Schlafdefiziten führen. Ist das Zeitfenster für den Schlaf beispielsweise durch frühen Arbeitsbeginn an Wochentagen oder durch abendliche private Feiern am Wochenende verkürzt, spricht man in der Chronobiologie vom „sozialen“ Jetlag.

Ein temporäres Schlafdefizit kann wieder aufgeholt werden, wenn dem Körper ausreichend Zeit zum Ausschlafen gegeben wird. Schläft man allerdings dauerhaft zu kurz, kann dies die Gesundheit beeinträchtigen.

Was sind die Folgen, wenn ich dauerhaft zu wenig schlafe?

Neben einem erhöhten Fehler- und Unfallrisiko kann eine dauerhaft veränderte Schlafdauer mit einer Reihe von gesundheitlichen Auswirkungen verbunden sein. So kann zum Beispiel das Risiko für einen Schlaganfall, Übergewicht oder Diabetes steigen. Kognitive Leistungseinschränkungen, erhöhte Fehlerraten und Stimmungsschwankungen können Motivation und Zufriedenheit beeinflussen. Auch haben Studien gezeigt, dass das Risiko für psychische Erkrankungen erhöht sein kann.

Sind flexible Arbeitszeiten und Homeoffice die Lösung?

Flexible Arbeitszeiten können vorteilhaft sein, wenn dies dazu führt, dass Beschäftigte ihre Arbeitszeiten besser an ihren Schlafrhythmus anpassen können. Arbeit im Homeoffice könnte beispielsweise den Mittagsschlaf ermöglichen. Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice sind jedoch grundsätzlich zwei unterschiedliche Dinge. Klar ist, dass es ganz viele Berufe gibt, bei denen Arbeit im Homeoffice nicht möglich ist. Ich denke da an die Beschäftigten in der Pflege, in Großküchen, im Transportwesen etc. Vergleichende Untersuchungen zwischen Branchen und Berufen zeigen, dass es sehr große Unterschiede in der Häufigkeit von Schlafstörungen gibt.

Bei der Diskussion um das Homeoffice sollte man auch mögliche negative Aspekte nicht außer Acht lassen. Dazu gehört eine mögliche Abnahme der körperlichen Aktivität. Fehlende direkte soziale Interaktion kann die Zusammenarbeit erschweren und psychische Belastungen verstärken. In der Ausgestaltung des Homeoffice können Entgrenzung oder die sogenannte Selbstausbeutung von Bedeutung sein. Die Möglichkeiten und Grenzen der Nutzung digitaler Medien sollten ebenfalls berücksichtigt werden.

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Die Corona-Pandemie hat das Arbeiten im Homeoffice ja geradezu beflügelt. Hat sich in der Pandemie auch unser Schlafverhalten verändert?

Während der Corona-Pandemie hat man in einer Reihe von Studien beobachtet, dass Beschäftigte später ins Bett gegangen sind, der Schlaf also später stattfand. Der Schluss liegt nahe, dass sich der Schlaf durch Lockdowns und Homeoffice verbessert hat, denn in der Chronobiologie wird schon lange davon berichtet, dass das gesellschaftliche Leben für viele von uns zu früh am Tag beginnt.

In der Pandemie wurde jedoch auch beobachtet, dass der Schlaf insgesamt schlechter ist als in Vor-Pandemiezeiten. So haben laut einer umfassenden Auswertung von Studien aus über vierzig Ländern insgesamt 40 Prozent der Weltbevölkerung in der Pandemie einen gestörten Schlaf.

Wenn wir noch einmal auf die Arbeitszeiten schauen: Wäre es nicht wünschenswert, dass der Job zu den eigenen Schlafgewohnheiten passt?

Ja, das wäre es. Ein später Chronotyp – also ein Mensch dessen innere biologische Uhr eher spät getaktet ist – ist im Bäckerberuf vielleicht nicht so gut aufgehoben. Wir vermuten auch bei Schichtarbeit, dass Berufsanfänger es recht schnell merken, wenn sie mit den Arbeitszeiten nicht zurechtkommen und den Beruf wechseln. Für die Schlafdauer und Schlafqualität spielen noch eine Reihe von anderen Faktoren eine Rolle, zum Beispiel Pendelzeiten, familiäre Verpflichtungen, Arbeitsanforderungen und auch Arbeitsaufgaben.

Hinsichtlich des Schlafs ist bekannt, dass es Branchenunterschiede gibt. Einige Studien zeigen beispielsweise ein geringeres Schlafdefizit bei akademischen Berufen. Ein weiterer wichtiger Faktor hinsichtlich des Schlafs sind Überstunden. Um bessere Aussagen zum Einfluss der unterschiedlichen beruflichen Faktoren auf Schlaf zu erhalten, würde man allerdings eine bessere Datenbasis benötigen. So wäre es auch wünschenswert, das Ausmaß circadianer Störungen – also Störungen im biologischen Tagesrhythmus – durch Beruf und Freizeit im Detail zu untersuchen.

Welche Möglichkeiten haben Führungskräfte, für gesunden Schlaf bei ihren Mitarbeitenden zu sorgen?

Dort wo Schichtarbeit notwendig ist, stehen vorhersehbare und möglichst ergonomische Schichtsysteme im Vordergrund, die ausreichende Erholungszeiten beinhalten. Auch wenn in der Arbeitszeitplanung auf individuelle Wünsche eingegangen werden kann, ist dies sicherlich vorteilhaft. Neuere Ansätze hierzu werden schon erprobt, wie Schichtsysteme in Gleitzeit. Einige wenige Studien haben auch den Chronotyp für die Arbeitszeitplanung berücksichtigt, mit gemischten Ergebnissen. Hier ist große Vorsicht geboten, damit bestimmte Chronotypen nicht benachteiligt werden.

Bei Arbeit im Homeoffice ist Entgrenzung ein sehr wichtiges Thema. Die Unternehmenskultur sollte sich daran orientieren, dass Ruhezeiten und Wochenenden eingehalten werden. Das Festhalten von klaren Zeiten der Erreichbarkeit ist ein wichtiger Baustein. Gesundheitliche Aspekte wie Bewegung oder der Aufenthalt im Freien, die sich nachweislich positiv auf den Schlaf auswirken, sollten im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements thematisiert werden. Im Idealfall wird die Arbeit produktiver und motivierter, wenn Beschäftigte, dort wo es möglich ist, ihr optimales Zeitfenster für die Arbeit wählen könnten.

Veröffentlicht von: Redaktion