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Beschäftigten mit psychischen Leiden helfen
Ein verändertes Sozialverhalten oder eine verminderte Arbeitsdisziplin können auf psychische Erkrankungen hinweisen. Führungskräfte können ihren Beschäftigten wertvolle Hilfe vermitteln. © AdobeStock/koldunova anna
Gesund bleiben

Beschäftigten mit psychischen Leiden helfen

Diagnosen psychischer Erkrankungen häufen sich. Damit es nicht so weit kommt, ist es wichtig, sich anbahnende Probleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Datum: 16.12.2021

Der Anteil der Krankschreibungen aufgrund von psychischen Diagnosen macht mittlerweile rund 20 Prozent aus. Das legen Berichte der Gesundheitskassen AOK und DAK nahe. Seit drei Jahren in Folge sei das der höchste Anteil krankheitsbedingter Fehlzeiten am Arbeitsplatz – noch vor Rückenbeschwerden und Erkältungskrankheiten.

Die Corona-Pandemie empfanden zudem viele Menschen als besonders belastend: Laut NAKO Gesundheitsstudie fühlten sich Personen aller Altersgruppen und Geschlechter häufiger gestresst. Bei den unter 60-Jährigen sind junge Frauen von Symptomen von Angst und Depressionen besonders stark betroffen.

Psychisches Leiden in Zahlen

  • 71 Prozent der Teilnehmenden der repräsentativen Umfrage Deutschland Barometer Depression gaben an, dass sie die Corona-Situation als emotional ­bedrückend empfinden. (Quelle: Stiftung Deutsche Depressionshilfe, 2021)
  • 9,9 Millionen Menschen waren 2019 an Angststörungen erkrankt. An affektiven Störungen wie Depressionen litten 6,3 Millionen.
  • 28 Prozent der Deutschen sind im Schnitt jährlich von psychischen ­Erkrankungen betroffen. (Quelle: Report Psychotherapie, 2020)

Was Führungskräfte tun können

Entsprechend hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Beschäftigte aufgrund psychischer Probleme krank werden und ausfallen. Führungskräfte sollten sich daher ihrer Verantwortung bewusst sein, der Fürsorgepflicht für ihre Mitarbeitenden nachzukommen.

Die gute Nachricht: Psychischen Belastungen am Arbeitsplatz lässt sich präventiv entgegenwirken. Etwa durch Verbesserungen der Arbeitsorganisation oder durch Fortbildungsangebote. Recht neu sind betriebliche Sprechstunden für Beschäftigte mit externen psychologisch geschulten Fachkräften.

Prävention und akute Hilfe

Neben dem Angebot präventiver Maßnahmen müssen Vorgesetzte frühzeitig eingreifen können, wenn Beschäftigte Tendenzen zu psychischen Problemen aufweisen.

„Gute Führungskräfte kennen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und sind mit ihnen im regelmäßigen Dialog. Das ermöglicht ihnen, frühzeitig Verhaltensveränderungen zu erkennen und einzuordnen“, sagt Dr. Fritzi Wiessmann, Arbeits- und Organisationspsychologin der Berufsgenossenschaft Verkehr (BG Verkehr).

Diagnosen Fachleuten überlassen

Es müsse unterschieden werden zwischen psychischen Eigenheiten, psychischen Beeinträchtigungen und psychischen Störungen. Unter den psychischen Eigenheiten verstehen Fachleute charakterliche Merkmale. Darunter könnten schnelles Aufgebrachtsein, ein rauer Tonfall oder auch Einzelgängertum fallen.

Psychische Beeinträchtigungen machten sich durch Verhaltensänderungen bemerkbar. Als Ursachen kommen berufliche Überforderung oder private Probleme infrage. Von psychischen Störungen sprechen Expertinnen und Experten, wenn sich psychische Beeinträchtigungen manifestiert haben und als Erkrankung diagnostiziert werden können.

Checkliste

Mögliche 
Verhaltensänderungen
bei psychischen 
Beeinträchtigungen:

Arbeitsdisziplin:

  • Unpünktlichkeit
  • Unentschuldigtes Fehlen
  • Verspätete Abgabe von Krankmeldungen
  • Arbeit bleibt liegen


Leistungsverhalten:

  • 
Auffällige Leistungsminderung und -schwankung
  • Hohe Fehlerquote
  • Häufiges Nachfragen 
trotz langjähriger Arbeits­erfahrung
  • Ständige Kontrolle der 
ausgeführten Aufgaben
  • Vermeiden von bestimmten Tätigkeiten

Sozialverhalten:

  • Meiden von ­Kolleginnen und Kollegen sowie ­Vorgesetzten
  • Unangemessenes Verhalten wie Aggressivität
  • Übersteigerte Reaktionen gegenüber Kritik
  • Auffallende
Unzuverlässigkeit

Weitere Merkmale:

  • 
Außergewöhnliche Unruhe, Angespanntheit
  • Andauernde ­Traurigkeit und/oder Nieder­geschlagenheit
  • Selbstgespräche
  • Verändertes Essverhalten
  • Ungepflegte Kleidung, 
vernachlässigte Körperpflege
  • Zunehmender Suchtmittelgebrauch

Begriebsinterne und -externe Hilfe vermitteln

„Teamverantwortliche sollten auffällige Personen ansprechen, wenn die Qualität der Arbeit oder das Teamklima darunter leiden“, sagt Wiessmann. „In einem Vieraugengespräch kann geklärt werden, was die Ursachen sind.“ Selbst eine Diagnose zu stellen, sei dabei aber nicht Aufgabe von Führungskräften. Stattdessen sollten diese verständnisvoll sein und Betroffenen Hilfsangebote offerieren.

„Führungskräfte können an Betriebsärztinnen und -ärzte, soziale Beratungsstellen im Unternehmen, die Personalabteilung oder die Personalvertretung verweisen.“ Extern können sich Betroffene an Psychotherapeuten oder Fachärztinnen wenden oder sich stationär in Fachkliniken behandeln lassen. „Auch externe Beratungsstellen kommen infrage“, so Dr. Fritzi Wiessmann.

Tipp zum Weiterlesen

Einen Handlungsleitfaden für Führungskräfte, wie sie mit psychisch beeinträchtigten Beschäftigten umgehen sollten, bietet die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung. Die Publikation steht online zum Download bereit.

Veröffentlicht von: Fabian Paffendorf