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Dem Rücken etwas Gutes tun
Sportliche Übungen wie Planking stärken die Rücken- und Rumpfmuskulatur. Sie sind gut geeignet, um die Bandscheibe zu entlasten © Getty Images/FatCamera

Gesund bleiben : Dem Rücken etwas Gutes tun

Was Führungskräfte tun können, um das Risiko für Bandscheibenvorfälle in der Belegschaft zu mindern.

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für einen Bandscheibenvorfall. Aber auch Beschäftigte bestimmter Berufe sind besonders gefährdet. Was Führungskräfte für ihre Belegschaft tun können, verrät Dr. Patrick Schuss, Direktor der Klinik für Neurochirurgie am BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin.

Priv.-Doz. Dr. Patrick Schuss, Direktor der Klinik für Neurochirurgie am BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin © BG Kliniken

Herr Dr. Schuss, was genau versteht man unter einem Bandscheiben­vorfall?

Man kann sich die Bandscheiben wie weiche Puffer vorstellen, die zwischen den einzelnen Wirbelkörpern liegen. Sie sind zwiebelartig aufgebaut, bestehen aus Bindegewebe und verleihen der Wirbelsäule Flexibilität. Mit zunehmendem Alter und aufgrund von körperlicher Belastung nutzen sich Bandscheiben jedoch ab und trocknen aus.

Dann kann es passieren, dass der äußere Ring der Bandscheibe reißt, das Innere hinausrutscht und dabei die abgehenden Nervenwurzeln in dem Bereich einklemmt. Am häufigsten tritt dies im Bereich der Lendenwirbelsäule auf.

Wie fühlt sich ein Bandscheiben­vorfall an?

Typisch sind ausstrahlende Schmerzen, meistens bis in die Beine oder Füße. Da sich der Schmerz entlang eines Nervs ausbreitet, können Betroffene meist ganz genau bestimmen, wo sie ihn spüren. Nach dem Schmerz folgt häufig auch ein Taubheitsgefühl. Betroffene beschreiben es als Kribbeln, in etwa so, wie wenn ein Arm oder ein Bein eingeschlafen ist. Ein weiteres Symptom ist Kraftverlust.

Wann ist ärztlicher Rat gefragt?

Falsche Haltung am Schreibtisch oder einfach schlecht geschlafen: Jeder Mensch verspürt mal Rückenschmerzen. Oft verschwinden diese von allein wieder. Wenn nicht, sollten Beschäftigte sich ärztlich untersuchen lassen – insbesondere dann, wenn sie die für einen Bandscheibenvorfall typischen ausstrahlenden Schmerzen in Armen oder Beinen spüren.

Ärztliche Hilfe sollten sie unbedingt auch bei neurologischen Ausfällen suchen und wenn sich neben dem Schmerz noch Taubheit oder Kraftverlust einstellen. Das können Anzeichen dafür sein, dass der Nerv aufgrund eines Bandscheibenvorfalls geschädigt ist.

Was kann einen Bandscheibenvorfall verursachen?

Bandscheibenvorfälle gehören zu den degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen. Der Hauptfaktor ist fortschreitendes Alter. Der zweite entscheidende Faktor ist eine zu starke einseitige Belastung der Wirbelsäule. In bestimmten Berufsgruppen gibt es daher ein erhöhtes Risiko für Bandscheibenvorfälle.

Klassische Beispiele sind Beschäftigte, die Bus oder Lkw fahren, weil sie regelmäßig Erschütterungen und Vibrationen ausgesetzt sind. Ebenfalls betroffen sind Beschäftigte auf Baustellen, die häufig schwere Lasten tragen, oder Büroangestellte, die den ganzen Tag in einer falschen Haltung vor dem Computer sitzen. Das bedeutet nicht, dass diese Berufsgruppen in jedem Fall einen Bandscheibenvorfall bekommen. Aber es besteht eben ein gewisses Risiko.

Der Rücken ist beim Anheben von schweren Lasten gerade zu halten. Noch rückenschonender sind Hebehilfen © Getty Images/ Bogdanhoda

Was können Führungskräfte tun, um dieses Risiko für ihre Beschäftigten zu minimieren?

Sie können das Arbeitsumfeld anpassen, um die Belastungen für die Mitarbeitenden zu verringern. Je nach Berufsgruppe sind unterschiedliche Maßnahmen denkbar: ergonomische Schreibtischstühle in Büros, gefederte Sitze in Lkw und Bussen, Hebehilfen im Bau oder höhenverstellbare Betten in der Pflege, damit Pflegekräfte rückenschonend mit den Patientinnen und Patienten arbeiten können.

Sicherlich sind auch Schulungen sinnvoll, bei denen Beschäftigte lernen, wie sie Belastungen für die Wirbelsäule vermeiden. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass entsprechende Lerninhalte im Berufsalltag häufig vernachlässigt werden. Man kennt das von zu Hause: Inzwischen weiß jeder, dass man beim Anheben eines schweren Wasserkastens in die Hocke gehen und den Rücken dabei gerade machen sollte. Trotzdem halten sich viele nicht daran – ich ja auch nicht immer.

Der Belegschaft sportliche Angebote zu unterbreiten, ist eine weitere gute Möglichkeit. Grundsätzlich ist dabei alles empfehlenswert, was die Rücken- und Rumpfmuskulatur stärkt und damit die Bandscheibe als bewegliches Pufferelement entlastet.

Welche Sportarten sind besonders geeignet?

Zunächst einmal ist zu klären, ob jemand bereits Rückenbeschwerden hat oder nicht. Was Bandscheibengeschädigte zum Beispiel vermeiden sollten, sind Sportarten mit schnellen und harten Bewegungswechseln. Dazu zählen etwa Tennis, Skifahren und Fußball.

Sehr zu empfehlen sind hingegen Aktivitäten wie Joggen, Fahrradfahren, Yoga oder Schwimmen. Auch ein strukturiertes Krafttraining kann sehr sinnvoll für Bandscheibengeschädtigte sein.

Tipp zum Weiterlesen

Beschäftigte können durch Bewegung, Heben von Lasten oder bestimmten Körperhaltungen ihr Muskel-Skelett-System belasten. Die DGUV Information Muskel-Skelett-Belastungen – erkennen und beurteilen hilft Führungskräften dabei, die richtigen Maßnahmen einzuleiten, um den Rücken am Arbeitsplatz zu schonen.

Was raten Sie Unternehmen und Or­ganisationen, die ihren Beschäftigten kein umfangreiches Sportangebot er­ möglichen können?

Es muss nicht gleich ein voll ausgestatteter Fitnessraum eingerichtet werden. Oft genügt es, einen Rahmen zu schaffen, in dem die Beschäftigten einmal pro Woche nach der Arbeit gemeinsam joggen oder Fahrrad fahren.

Damit schlagen Arbeitgebende auch gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe, denn Sportangebote stärken den Zusammenhalt unter den Mitarbeitenden und schaffen eine Identifikation mit der Organisation. Und ganz nebenbei fördert der Arbeitgeber auf diese Weise eben auch die Gesundheit.