Link to header
ErgoKiTa: Erforscht, erprobt, mustergültig
Angesichts von Forschungsdefiziten zu Muskel-Skelett-Belastungen in Kitas sowie gesundheitlichen Auswirkungen der vermehrten Betreuung von unter Dreijährigen entstand das Projekt „ErgoKiTa“. © DGUV
Gesund bleiben

ErgoKiTa: Erforscht, erprobt, mustergültig

Mit ihren Beiträgen finanzieren Arbeitgebende auch die Forschung der gesetzlichen Unfallversicherung. Ein Projekt ist die ErgoKiTa.

Datum: 06.06.2019

Erzieherinnen und Erzieher in Kindertagesstätten (Kitas) müssen in ihrem Arbeitsalltag zahlreiche komplexe Aufgaben bewältigen, die ihre Gesundheit belasten können: „Sitzen auf zu kleinen Stühlen und an zu kleinen Tischen, häufiges Bücken, fehlende Rückzugsmöglichkeiten – all dies kann auf Dauer das Muskel-Skelett-System belasten.“

Das weiß Prof. Rolf Ellegast, stellvertretender Leiter des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA). Diese Belastungen haben sich insbesondere durch die steigende Zahl der unter Dreijährigen in den Kindertageseinrichtungen weiter erhöht.

Forschungslücke: Ergonomie in der Kita

Vor diesem Hintergrund ermittelte das IFA gemeinsam mit Fachleuten verschiedener Unfallversicherungsträger und Universitäten Anfang der 2010er Jahre den aktuellen Kenntnisstand zur Ergonomie in Kitas.

ngesichts von Forschungsdefiziten zu Muskel-Skelett-Belastungen in Kitas sowie gesundheitlichen Auswirkungen der vermehrten Betreuung von unter Dreijährigen entstand das Projekt „ErgoKiTa“. Neun Kindertageseinrichtungen nahmen daran teil – untersucht, konzipiert und evaluiert wurden:

  • Die typische Belastungssituation für pädagogisches Fachpersonal
  • Gestaltung gesunder Arbeitsbedingungen (Verhältnisprävention)
  • Empfehlungen zur gesundheitsschonenden Arbeitsweise (Verhaltensprävention)

Das empfiehlt die Wissenschaft

Für die Gesundheit von Beschäftigten einer Kita sorgen an erster Stelle die Arbeitsbedingungen. Bei der Verhältnisprävention sind diese Punkte zu beachten:

  • Ergonomisches Mobiliar, wie höhenverstellbare Stühle oder Podeste als Ankleidehilfe
  • Lärmschutz durch spezielle Vorrichtungen an der Decke sowie trittschallarme Bodenbeläge
  • Ruhebereiche, in denen das Personal sich während der Arbeitspause entspannen kann
  • Beleuchtung: auf die verschiedenen Tätigkeiten individuell abgestimmtes Licht
  • Ein ausgewogenes Raumklima

Diese und viele andere Aspekte lassen sich im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung überprüfen, die an allen Arbeitsplätzen durchgeführt werden muss. Checklisten dafür erhalten Kitas bei ihrem Unfallversicherungsträger.

Zudem ist eine ergonomische Arbeitsweise, etwa beim Heben und Ankleiden der Kinder oder beim Essenausteilen, das A und O der Verhaltensprävention. „Das Bewusstsein für rückengerechtes Arbeiten muss so früh wie möglich vermittelt werden. Hier gibt es bislang ein Defizit“, so Prof. Ellegast.

Aus der Forschung in die Berufspraxis

Mit dem Folgeprojekt „MusterKiTa“ übertrugen IFA und die Unfallkasse Rheinland-Pfalz die Erkenntnisse aus der Forschung in die Praxis: Die Kita Kinderplanet in Neuwied wurde auf Basis der ErgoKiTa-Ergebnisse saniert und erweitert. Das gesamte Kita-Team wurde in Workshops für belastende Arbeitssituationen sensibilisiert, und es entwickelte selbst Lösungen, um die Arbeitsorganisation und das Arbeitsverhalten gesundheitsförderlicher zu gestalten.

Anhand umfangreicher Messungen der Muskel-Skelett- sowie der Lärmbelastungen und einer Befragung der Beschäftigten ließ sich die Wirksamkeit der ergriffenen Maßnahmen im Vorher-nachher-Vergleich ermitteln.

Verbesserungen kommen älteren und jüngeren Beschäftigten zugute

Die körperlichen, aber auch psychischen Belastungen waren für das pädagogische Fachpersonal nach den durchgeführten Maßnahmen deutlich geringer als zuvor. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels zeigt die MusterKiTa einen Weg auf, wie ältere Erzieherinnen und Erzieher länger gesund und mit Freude in ihrem Beruf bleiben können.

Zudem macht die neue Wohlfühlatmosphäre in der MusterKiTa die Arbeit in Kindertageseinrichtungen auch für jüngere Fachkräfte deutlich attraktiver.

Autorin: Manuela Müller

Veröffentlicht von: Redaktion