DIN ISO 45001
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Arbeitsschutzmanagementsysteme

DIN ISO 45001: Chancen sehen und fördern

Das Management von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit ist in Deutschland schon lange umfassend geregelt, insbesondere durch ein Gütesiegel der UV-Träger. Warum dann eine extra Norm? fragte beim DGUV-Experten Uwe Marx nach, welche Vorzüge die DIN ISO 45001 für Unternehmen und Institutionen bietet.

Herr Marx, warum sollte ich mich als Führungskraft mit der DIN ISO 45001 befassen?

Die weltweite Norm regelt die Anforderungen an ein systematisches Management für Sicherheit und Gesund­heit bei der Arbeit (SGA-MS). Eine Zertifizierung nach ISO 45001 ist besonders im Hinblick auf die Teilnahme an internationalen Ausschreibungen ein Wettbewerbsvorteil. Aber auch bei der Suche nach Fachkräften können zertifizierte Unternehmen punkten.

Die Norm ist seit einem Jahr in Kraft – hat sich das auf den Einsatz und/oder die Zertifizierung von Managementsystemen ausgewirkt?

Die Anfragen auf Zertifizierung von SGA-MS sind deutlich gestiegen – vor allem im Zusammenhang mit der Zertifizierung von Managementsystemen für Qualität (DIN EN ISO 9001) und Umweltschutz (DIN EN ISO 14001). Grund dafür ist die gemeinsame standardisierte Struktur dieser Normen, die sogenannte High Level Structure (HLS). Diese bietet Synergieeffekte bei der Anwendung verschiedener Managementsysteme in einem Unternehmen.

Wodurch entstehen diese Synergieeffekte?

Die HLS gibt den Aufbau und den Rahmen von Managementsystem-Normen vor. Bei allen drei der vorgenannten Normen sind die Verantwortlichkeiten und Rollen der Führungskräfte klar festzulegen. Auch die stärkere Beteiligung der Beschäftigten wird durch die HLS gefördert. Dies führt nicht nur zu besserer Arbeitsqualität und mehr Sicherheit und Gesundheit im Betrieb. Die Anwendung und Zertifizierung mehrerer verschiedener Managementsysteme wird auch einfacher und weniger aufwendig.

Gibt es denn generell positive Effekte von Arbeitsschutzmanagementsystemen?

Ja sicherlich – vor allem in puncto Personal, wie eingangs erwähnt. Die UV-Träger haben ja eine langjährige Erfahrung in der Beratung und Begutachtung von Unternehmen, etwa im Rahmen des Gütesiegels „Sicher mit System“. In Betrieben mit systematischem Management der Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit sind die Krankenstände häufig niedriger und die Zufriedenheit der Beschäftigten ist hoch: Stichwort Work-Life-Balance. Das macht Unternehmen für Arbeitskräfte attraktiver. Beschäftigte binden sich stärker ans Unternehmen und weitere – vor allem jüngere – Fachkräfte werden angezogen.

Die ISO 45001 stellt höhere Anforderungen an das Topmanagement – welche sind das genau?

Die oberste Führungsebene ist oft weit vom Arbeits­schutz entfernt. Die ISO 45001 ändert das: Die Struktur gibt vor, dass Führungskräfte direkt in die Arbeitsschutzprozesse eingebunden sind, etwa durch die Teilnahme an den Sitzungen des Arbeitsschutzausschusses (ASA), und vor allem bei der Gefährdungsbeurteilung. Hier ist das Management gefragt, nicht nur die Risiken, sondern auch die Chancen im Bereich Sicherheit und Gesundheit zu ermitteln und zu bewerten. Dazu können Führungskräfte den ASA als Forum für die ebenfalls klar zu regelnde – deutlich stärkere – Beteiligung und Konsultation der Beschäftigten nutzen. 

Arbeitsschutz zielte bislang sehr auf das Verhalten der Beschäftigten – betrachtet die neue Norm nun auch stärker die Verhältnisse im Betrieb? 

Beides ist adressiert. Neu und wichtig ist, dass die ­ISO 45001 über eine reine Schadensvermeidung hinausgeht. Statt um die Frage „was kann alles Schreckliches passieren?“, die eher „klassische“ Arbeitsschutzmaßnahmen zur Folge hat, geht es nun auch darum, welche positiven Nebeneffekte Maßnahmen für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit eröffnen. Etwa im Hinblick auf den demografischen Wandel: Wenn die Arbeitsbedingungen auch für ältere Menschen geeignet sind, bleiben Beschäftigte nicht nur länger leistungsfähig und leistungsbereit, sondern auch länger im Betrieb. Unternehmen können so dem Verlust von Know-how und dem Fachkräftemangel entgegenwirken. 

Welche Vorteile können Betriebe von einer Zertifizierung nach DIN ISO 45001 erwarten?

Wer im Bereich Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit ohnehin schon eine Kultur der Prävention lebt, die Gefährdungsbeurteilung durchführt und Beschäftigte daran beteiligt, wird sich leichttun, die Anforderungen der Norm zu erfüllen. Ein weiterer Vorteil ist, dass in der Zertifizierung nach DIN ISO 45001 das Betriebliche Gesundheitsmanagement enthalten ist. Aus ökonomischer Sicht verspricht die Zertifizierung sicherlich klare Wettbewerbsvorteile und nicht zuletzt einen Imagezuwachs.
 

Interview: Manuela Müller

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