Hausmeisterin Conny Glosse Weihnachten
©Thomas Walloch
Glosse

Alle Jahre wieder...

Bestseller-Autorin Constanze Kleis schlüpft für topeins in die Rolle von Hausmeisterin Conny. Sie betrachtet alltägliche Dinge der Arbeitswelt aus einem ganz speziellen Blickwinkel.

Zu den letzten Rätseln der Menschheit gehört sicher: Was tun eigentlich Lichterketten das ganze Jahr über in ihren Kartons? Ich meine: Ich habe sie voriges Jahr ganz bestimmt sehr ordentlich zusammengelegt. Schon um dieses Jahr endlich einmal stressfrei den kleinen Tannenbaum in der Kantine schmücken zu können. Und dann macht man die Schachtel auf und es sieht aus, als hätten die 300 kleinen Glühlämpchen von Ende Dezember bis Mitte November durchgehend Orgien gefeiert.

Aber es geht ja um einen guten Zweck: etwas Weihnachtsatmosphäre in den Arbeitsalltag zu bringen. Damit bin ich nicht allein: Überall finden sich überdeutliche Hinweise darauf, in welcher Jahreszeit wir uns befinden und dass eine Vorweihnachtszeit ohne Deko zwar möglich, aber offenbar sinnlos ist. Vor allem die Kolleginnen schmücken, als bräuchte der Nikolaus für seinen Schlitten ein auch vom All aus sichtbares Leitfeuer aus Tannenzweigen, lustigen Plüschrentiergeweihen, aus Strohsternen und Schwibbogen, damit er nicht versehentlich an der Erde vorbeirast. Eigentlich könnte alles wunderbar entspannt sein. Würden es manche nicht wieder einmal übertreiben. Ich denke dabei nicht nur an Frau Krause, die mit ihrem Raumduft „Wintertime“ und dem neuen Klingelton „Jingle Bells“ offenbar plant, gleich den ganzen Planeten unbewohnbar zu machen.

Schlimmer noch unser Abteilungsleiter: Ausgerechnet er hat einen riesigen Adventskranz mit echten Wachskerzen in seinem Büro aufgestellt. „Selbstgemacht von meiner Frau!“, hat er stolz gesagt. Ich meine, nichts gegen Weihnachtsatmosphäre, gar nicht. Doch dass wir uns am Ende wie Maria und Josef auf die Suche nach einer neuen Herberge für mehr als 500 Schreibtische begeben müssen, weil es in der Firma brennt, geht deutlich zu weit. Das sieht der Abteilungsleiter nun auch so, nachdem ich seine Weihnachtsdekoration kurzerhand um drei Feuerlöscher, zwei Sandeimer und eine Löschdecke aufgestockt habe. Nun darf ich auch an seinem Adventskranz eine Lichterkette anbringen. Ehrlich, ich liebe Weihnachten. Aber irgendwie freue ich mich schon auf die Zeit nach dem Fest, wenn endlich die Ruhe einkehrt, von der vorher immer alle reden. Außer für die Lichterketten. Die werden irgendwie wieder dafür sorgen, dass ich auch im nächsten Jahr an ihnen verzweifle.

Autorin: Constanze Kleis

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