Unfallstatistik
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Unfallstatistik

Benchmark Unfallrisiko

Zahlen zu Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten sind ein wichtiger Indikator, um sich ein Bild von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zu machen. Wer wissen möchte, wo er steht, kann sich an der aktuellen Bilanz der gesetzlichen Unfallversicherung orientieren.

Der Blick in die eigene Unfallstatistik ist in vielen Unternehmen Standard, wenn über den Stand im Arbeitsschutz berichtet wird. Gab es mehr oder weniger Arbeitsunfälle? Gibt es Fälle von Berufskrankheiten? Die Entwicklung sagt bereits einiges darüber, ob Verbesserungen erzielt werden konnten oder nötig sind. Mitunter taucht aber auch die Frage auf, wie der eigene Betrieb im Vergleich zu anderen dasteht.

Eine Orientierung bieten die Statistiken der gesetzlichen Unfallversicherung. Dort finden sich unter anderem Zahlen zum Unfallrisiko bei der Arbeit, die einen möglichen Vergleichsmaßstab liefern. Wichtigste Kennzahl: das Unfallrisiko je 1.000 Vollarbeiter.

„Der Vollarbeiter ist eine statistische Rechengröße. Sie spiegelt wider, wie viele Arbeitsstunden Vollzeit-beschäftigte in einem Jahr durchschnittlich tatsächlich gearbeitet haben“, sagt Wolfram Schwabbacher vom Referat Statistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. „Mit dieser Rechengröße machen wir Unfallquoten vergleichbar.“ Die Zahl der Beschäftigten zu vergleichen, könne zu Verzerrungen führen. „Arbeiten in einer Branche beispielsweise viele Teilzeitbeschäftigte, könnte das ein schiefes Bild erzeugen, da die Zahl der Unfälle auf mehr Menschen umgelegt würde.“

Wie sah die Unfallquote im vergangenen Jahr aus? Mit 21,16 Unfällen pro 1.000 Vollarbeiter hat die über alle Branchen hinweg errechnete Durchschnittsquote einen neuen Tiefstand erreicht. Im Jahr 2016 lag sie noch bei 21,89. Ein Vergleich der Quote je Unfallversicherungsträger zeigt jedoch deutliche Abweichungen vom Durchschnitt: So lag das Unfallrisiko insgesamt im Bau- und Verkehrssektor deutlich darüber, im Gesundheitswesen, im öffentlichen Dienst und in der Verwaltung deutlich darunter.

Auf die Haut achten

Neben den Unfallzahlen sind die Zahlen der Unfallversicherung zu Berufskrankheiten ein weiterer Anhaltspunkt für mögliche Schwachstellen im Arbeitsschutz. „Unsere Zahlen zeigen beispielsweise, dass berufsbedingte Ekzeme ein Dauerbrenner bleiben“, sagt DGUV-Präventionsexpertin Jasmin Auf dem Berge. Im Vergleich zu 2016 seien die Fallzahlen 2017 zwar rückläufig gewesen, „die Zahl von über 18.000 Betroffenen spricht jedoch eine deutliche Sprache.“ Unternehmen, die diese Probleme angehen wollen, sollten insbesondere Arbeitsplätze genauer unter die Lupe nehmen, an denen die Beschäftigten viel mit Feuchtigkeit oder potenziellen Allergenen arbeiten.

Heller Hautkrebs ist vermeidbar

Darüber hinaus sei mehr zur Verhütung von berufsbedingtem Hautkrebs zu tun, so Auf dem Berge. „Heller Hautkrebs ist inzwischen die dritthäufigste Berufskrankheit. Gerade Beschäftigte, die viel an der frischen Luft arbeiten, brauchen mehr Schutz: nicht nur im Baugewerbe, auch im Zustelldienst, im Garten- und Landschaftsbau sowie in Bäderbetrieben.“ Die Kliniken der Berufsgenossenschaften meldeten inzwischen immer mehr Fälle von schwerem Sonnenbrand in den Sommermonaten. Zur Bilanz des Sommers gehöre vor diesem Hintergrund nicht nur die Frage, ob der betriebliche Schutz gegen UV-Strahlung für die Beschäftigten gut geregelt ist. Auch der eigene Umgang mit den Risiken der UV-Strahlung sei nicht außer Acht zu lassen.

Autorin: DGUV / CW Haarfeld

 

 

Weiteres Zahlenmaterial von der gesetzlichen Unfallversicherung:

dguv.de > Webcode d77

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