Fotomontage, Schildkröte mit PSA
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Neue PSA-Verordnung

Besser geschützt

Die Europäische Verordnung über Persönliche Schutzausrüstungen bringt eine Reihe von Veränderungen. Dr. Martin Liedtke vom Institut für Arbeitsschutz der DGUV erklärt, worauf es ankommt.

Was regelt die PSA-Verordnung (EU) 2016/425?

Persönliche Schutzausrüstungen (PSA) tragen oder benutzen Beschäftigte, um sich gegen eine aus den konkreten Bedingungen an ihrem Arbeitsplatz ergebende Gefährdung für ihre Sicherheit und Gesundheit zu schützen. Das kann zum Beispiel ein Kopf- oder Augenschutz, eine Atemschutzmaske oder ein Gehörschützer sein. Die PSA werden in drei Kategorien eingeteilt. In die erste werden Ausrüstungen eingruppiert, bei denen von einer potenziell geringen Verletzungsschwere ausgegangen wird, etwa leichtes Schuhwerk. Kategorie II beschreibt Schutzausrüstungen gegen mittlere Risiken. Dazu zählen unter anderem Arbeitsschutzhelme oder Handschuhe (außer zum Beispiel Spül- oder Gartenhandschuhe). Gegen tödliche Risiken oder ernste, irreversible Gesundheitsschäden sollen PSA der Kategorie III absichern – zum Beispiel eine Ausrüstung zum Schutz gegen Absturz. 

Wie werden PSA im Verhältnis zu anderen Schutzmaßnahmen eingestuft?

Dies ist eine wichtiger Aspekt: PSA sind als individuelle Schutzmaßnahmen nach dem Arbeitsschutzgesetz nachrangig zu anderen Schutzmaßnahmen wie „Gefährdung für Leben und Gesundheit vermeiden“ oder „verbleibende Gefährdung möglichst gering halten“. Sie sind kein Ersatz für den grundlegenden Arbeitsschutz.

Die Verordnung ist vom 21. April an verpflichtend anzuwenden. Was sind die wichtigsten Änderungen?

Für die Nutzer ist die Einordnung einiger PSA in höhere Kategorien wichtig. Zum Beispiel werden Gehörschutz und PSA gegen Ertrinken von Kategorie II in Kategorie III gehoben. Händler und Importeure haben zudem bestimmte Überprüfungen an der PSA vorzunehmen und gegebenenfalls dafür zu sorgen, dass Korrekturmaßnahmen ergriffen werden.

Wie wirken sich die neuen Bestimmungen auf die Unterweisungen aus?

Nach DGUV Vorschrift 1, § 31, hat der Unternehmer für PSA der Kategorie III den Versicherten die Benutzungsinformation im Rahmen von Unterweisungen mit Übungen zu vermitteln. Bei Unterweisungen zu PSA gegen Ertrinken wurden sie auch zuvor in Kategorie II schon nach DGUV Information 212-515 durchgeführt. Für Gehörschutz müssen sie eventuell noch aufgenommen werden.

Welche Produkte sind neu hinzugekommen?

Die Verordnung enthält keine abgeschlossene Liste von PSA. Sie zählt die Risiken auf, vor denen die PSA die Nutzer schützen sollen, und legt grundlegende Gesundheitsschutz- und Sicherheitsanforderungen für PSA fest. Einzig „PSA für die private Verwendung gegen Hitze“ (Ofen-/Backhandschuhe) sind neu aufgenommen worden und als solche explizit benannt.

Was müssen Produkte nach der neuen PSA-V erfüllen?

Die Anforderungen für die meisten PSA bleiben unverändert. Im Allgemeinen sind zu den schon genannten noch formale Aspekte zu nennen. So muss der PSA nun ein Exemplar der EU-Konformitätserklärung oder die Internet-Adresse, über die sie zugänglich ist, beiliegen.

Können Produkte nach der vorherigen Verordnung weiterverwendet werden?

Ja, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • Das Produkt entsprach den Anforderungen der Verordnung zum Zeitpunkt seines Inverkehrbringens. 
  • Es wurden keine Rückruf- oder Rücknahme-Aktionen durchgeführt.
  • Es liegen keine die Sicherheit betreffenden signifikanten Änderungen des Standes der Technik oder der angewendeten harmonisierten Normen vor. 

Wo sind Informationen über etwaige Rückrufe zu finden?

Bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in der Datenbank „Gefährliche Produkte in Deutschland“ sowie in einer Übersicht über weitere behördliche Portale, die Rückrufe und Produktwarnungen veröffentlichen. Dazu zählt auch das EU-Schnellwarnsystem RAPEX.

Autor: David Schahinian

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