Geharbeitsplatz
© DGUV / Dominik Buschardt
Bewegung am Arbeitsplatz

Beweg dich!

Den ganzen Tag an den Schreibtisch gefesselt? Da schmerzt nicht nur der Rücken, auch der Kopf arbeitet nicht so gut, wie er könnte. Dem Körper fehlt Bewegung. Um langfristigen Schäden durch Bewegungsmangel vorzubeugen, bringen dynamische Arbeitsplätze Körper und Geist in Schwung.

Von Geh-Arbeitsplätzen mit einem integrierten Laufband über Schreibtischergometer bis hin zu Fahrrad-Untertischgeräten gibt es eine Vielzahl von dynamischen Arbeitsplatzstationen, um Beschäftigte mit Schreibtischjobs in Bewegung zu bringen. Und das tut gut: den Beschäftigten, aber auch den Unternehmen, die von einer gesunden Belegschaft profitieren. Die unterschiedlichen Geräte haben Vor- und Nachteile und werden auch unterschiedlich gut angenommen. Dass es gesundheitlich sehr sinnvoll ist, dynamische Arbeitsplätze anzubieten, hat das Institut für Arbeitsschutz (IFA) der DGUV in mehreren Studien gezeigt. Dabei lohnt es sich, früh anzufangen, wie die Unibibliothek in Regensburg zeigt. 

Ein Laufband in der Bibliothek

Derzeit steht den Studierenden der Universität Regensburg für einige Monate ein Geh-Arbeitsplatz in der Bibliothek zur Verfügung. Dieser Geh-Arbeitsplatz besteht aus einem Laufband, das allein durch die eigene Bewegung angetrieben wird. Es ist nicht motorisiert und damit sehr leise. Zudem steuern die Nutzer selbst die Geschwindigkeit. Arbeiten lässt sich an einem höhenverstellbaren Schreibtisch, eine Anlehnstütze erlaubt es den Nutzern, zwischen verschiedenen Körperpositionen zu wechseln.

Noch gewöhnungsbedürftig

Aus der Universitätsbibliothek Regensburg berichtet die Diplom-Bibliothekarin Theresa Riedhammer: „Die Studierenden sind interessiert, probieren den Arbeitsplatz gerne aus und arbeiten auch durchaus längere Zeit daran. Sie integrieren ihn aber noch nicht selbstverständlich in ihren Lern- und Arbeitsalltag an der Uni.“ Genutzt werde der Geh-Arbeitsplatz etwa zum Lesen von gedruckter Literatur, gelegentlich auch zum Arbeiten am Laptop. „Zu gehen und gleichzeitig zu tippen, erfordert etwas Übung, ist aber dank des höhenverstellbaren Tisches gut machbar“, erklärt die Bibliothekarin. Besonders praktisch sei der Geh-Arbeitsplatz zum Auswendig­lernen. Denn beim Vokabelnlernen gehen viele automatisch im Raum auf und ab. Der Geh-Arbeitsplatz erfülle dieses Bedürfnis. „Andere verwenden ihn bewusst als Pause vom Sitzen und Lernen.“ 

„Weniger geeignet ist der Geh-Arbeitsplatz bei der

Ausführung konzentrierter Tätigkeiten mit der Maus, wie niederländische und deutsche Laboruntersuchungen gezeigt haben“, erklärt Professor Dr. Rolf Ellegast, stellvertretender Direktor des IFA, und empfiehlt: „Die Gehgeschwindigkeiten dürfen nicht zu hoch gewählt werden, da sonst die Unfallgefahr steigt. Wichtig ist es in jedem Fall, dass vor Nutzung von Geh-Arbeitsplätzen eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt wird.“

Alternativen zum Geh-Arbeitsplatz

Mangelnde Bewegung erhöht das Risiko für Muskel-Skelett- oder auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dass dynamische Arbeitsplätze, die während der Büroarbeit leichte physische Aktivität erlauben, dem entgegenwirken können, zeigen auch (Labor-)Studien des IFA. Bisher wurden allerdings Geh-Arbeitsplätze von den Beschäftigten und den Betrieben in den Umfragen des IFA nicht favorisiert. „Bevorzugt wurden Fahrradergometer oder elliptische Untertischgeräte“, so der Experte. 

Laufband und Sitzergometer im Test

Das IFA hat die Effekte der Nutzung eines (allerdings elektrischen) Laufbandes und eines Sitzergometers in einer Laborstudie getestet (IFA Report 4/2014). Zwölf Versuchspersonen führten dabei je fünf standardisierte Bürotätigkeiten aus. Als Referenz dienten konventionelle Sitz- und Steharbeitsplätze. Während sich Herzfrequenz, physische Aktivität und Energieumsatz an den dynamischen Arbeitsplätzen signifikant erhöhten, nahm die Muskelaktivität nur in wenigen Fällen signifikant zu. Keine positive Veränderung ließ sich bei der Körperhaltung im Vergleich zu den konventionellen Arbeitsplätzen feststellen. Obwohl die Arbeitsleistung – mit Ausnahme von Tätigkeiten mit der PC-Maus – objektiv an den dynamischen Arbeitsstationen nicht schlechter war als an den konventionellen, hatten die Teilnehmer subjektiv den Eindruck, dass ihre Arbeitsleistung an den dynamischen Arbeitsplätzen schlechter war. Auch deren Komfort beurteilten sie wenig positiv.

Deskbike und Untertischgerät kommen gut an 

In einer anderen Untersuchung testete das IFA zwei weitere Gerätetypen, die ebenfalls Bewegung während der Arbeit am Schreibtisch ermöglichen, diesmal unter realen Arbeitsplatzbedingungen (IFA Report 3/2018). Beschäftigte der Deutschen Telekom AG benutzten für 28 Tage das Schreibtischergometer „Deskbike“ sowie das Untertischergometer „activeLifeTrainer“. 30 Beschäftigten standen vier Geräte jedes Typs zur Verfügung, weitere 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dienten als Kontrollgruppe. Wann und wie häufig die Geräte innerhalb der Testphase zum Einsatz kamen, entschieden die Beschäftigten selbst. Die Ergebnisse zeigen: Die Mitarbeitenden verwendeten häufiger das Deskbike als das Untertischergometer, fühlten sich aber von beiden Geräten nicht bei ihrer Arbeit gestört und nutzten sie an 40 Prozent ihrer Anwesenheitstage für durchschnittlich eine knappe Stunde. Es zeigte sich eine Steigerung von Energieumsatz und Herzfrequenz im Vergleich zur sitzenden Tätigkeit. Fazit des IFA: Beide dynamischen Arbeitsstationen sind für den täglichen Einsatz im Büro geeignet und können empfohlen werden. Beim nicht motorisierten Laufband wird sich zeigen, ob sich die Technik durchsetzen kann und das Gerät angenommen wird.

Autorin: Yvonne Millar

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