Verkehrssicherheit: nicht die Ruhe verlieren
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Verkehrssicherheit

Cool bleiben

Die Gefühle fahren immer mit. Umso wichtiger ist es, dass Verkehrsteilnehmende wissen, wie sie mit Wut, Stress, Frustration oder Angst am besten umgehen, wenn sie unterwegs sind. Führungskräfte können ihre Beschäftigten hierbei unterstützen.

Ein normaler Morgen unter der Woche: Die Straße ist voll und es steht gleich ein Termin an. Beim Frühstück gab es Stress mit den Kindern. Der Chef hat schon zweimal versucht, anzurufen und am Nachmittag muss auch noch der Opa zur Ärztin gefahren werden. Der Tag ist gerade mal zwei Stunden alt und bringt schon ein ganzes Bouquet an Emotionen mit: Frust, Ärger, Sorge, dazu der Stress. 

Wenn sich dann morgens noch ein Stau auftut, kann sich der Frust schon mal entladen. Dann wird gedrängelt, die Lichthupe benutzt, geschimpft und geflucht. Normal, oder? Mitnichten.

Herz über Kopf kann gefährlich werden

Wer emotional aufgeladen fährt, bringt sich und andere in Gefahr. „Das betrifft nicht nur Wut oder Ärger, sondern auch positiv wahrgenommene Emotionen wie Freude oder Zufriedenheit“, erklärt Marita Menzel vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). Wenn jemand ganz überschwänglich nach der Beförderung sofort ins Auto steigt, kann das schnell zur Selbstüberschätzung führen. Eines ist jedenfalls klar: Gefühle beeinflussen unser Verhalten. Wer sich ärgert, fährt möglicherweise aggressiver, wer trauert, ist abgelenkt und unaufmerksam, wer sich sehr freut, nach Hause zu kommen, unterschätzt schon mal die eigene Geschwindigkeit in der Kurve. Und das kann gravierende Folgen haben: Auch wenn man keine direkten Rückschlüsse vom Unfallgeschehen auf die Beteiligung von Emotionen ziehen kann, so ist doch klar, dass diese häufig eine Rolle spielen und durch das Verkehrsgeschehen oft auch noch verstärkt werden.

Die Kontrolle behalten

Wie kann verhindert werden, dass Wut, Ärger, Traurigkeit und Euphorie im Straßenverkehr das Steuer übernehmen? Zunächst einmal ist es wichtig, sich selbst gut zu kennen und zu analysieren. Bin ich gerade überhaupt in der Lage zu fahren? Kann ich mich beherrschen? Oder wird mich eine Kleinigkeit aus der Ruhe bringen? Wo bin ich mit meinen Gedanken? Wer sich seiner Gefühle und Reaktionen bewusst ist, kann sie auch besser regulieren. Oder sich, auch das ist eine Möglichkeit, entscheiden, erstmal „rechts ranzufahren, durchzuatmen, sich rauszunehmen“, so Menzel. Danach kann man ruhiger weiterfahren. 

Oft hilft auch ein Perspektivwechsel, um besser zu verstehen, was Stress, Wut und Co. im Verkehr auslösen können. Um ‚runterzukommen‘ hilft es, sich in den oder die andere Verkehrsteilnehmende hineinzuversetzen. Ist die Person vielleicht selbst gestresst und drängelt deshalb? Ist sie in Gedanken und fährt deshalb etwas langsamer? Wer sich in andere hineinversetzt reagiert milder und bleibt souverän. 

Perspektivwechsel erwünscht

Sich selbst gut einzuschätzen und anderen gegenüber gelassen zu bleiben fällt nicht immer leicht. Man kann es aber lernen. Der DVR bietet Seminare und Trainings an, die genau hier ansetzen: die eigene Einschätzung und die der anderen miteinander abzugleichen. In den Seminaren werden häufige Verkehrssituationen in kleinen Videos geschildert. Dann wird abgefragt, wer wie reagiert hätte. Da in den Seminaren häufig Verfechtende aller Arten von Verkehrsmitteln – also Auto, Fahrrad, Motorrad und der eigenen Füße – anwesend sind, entsteht schnell ein Austausch, der die Perspektiven von allen für alle begreifbar macht. Führungskräfte sind hier gefragt, geeignete Seminare und Trainings mit ihren Beschäftigten durchzuführen. Der DVR vermittelt auch speziell ausgebildete Trainerinnen und Trainer, die im Betrieb die Teams schulen. 

Zuhören, Taten folgen lassen

Die wichtigste Maßnahme, so betont Menzel, die Führungskräfte ergreifen könnten, sei aber: den Beschäftigten vermitteln, dass ihnen Sicherheit im Verkehr wichtig ist – wichtiger als der nächste Termin, als die ständige telefonische Erreichbarkeit und die pünktliche Lieferung. Dazu helfe es zunächst, mit allen Beteiligten zu sprechen, allen klarzumachen, dass sicheres und umsichtiges Fahren wichtig und erwünscht ist. Dann müssten den Worten jedoch auch Taten folgen: Termine nicht zu eng takten, Beschäftigten versichern, dass sie im Auto nicht ans Telefon gehen müssen, keine schwierigen Gespräche kurz vor einer Fahrt führen. Solche Regelsätze kann ein Unternehmen auch institutionalisieren: „Zum Beispiel kann der Betrieb in einer entsprechenden Dienstanweisung anordnen, dass Beschäftigte während der beruflichen Fahrt nicht telefonieren dürfen“, erklärt Menzel. 

Gefahren aufdecken mit Online Tool

Um überhaupt einen Bedarf an Trainings oder anderen Maßnahmen festzustellen, bietet der DVR ein Online-Tool zur Analyse, Beurteilung und Prävention von Mobilitätsgefahren. Das Tool nennt sich GUROM. Unternehmen und Beschäftigte können es nutzen, um die kritischen Punkte auf berufsbezogenen Wegen zu finden. Der DVR hat GUROM mit der Universität Jena entwickelt. GUROM bietet neben dem Assessment Hinweise, was verbessert werden könnte – diese werden für die Unternehmen direkt nach der Teilnahme von den Forschenden individuell erstellt. In der Analyse werden auch die Themen Stress, Ablenkung oder Überforderung berücksichtigt. Deshalb ist es eine gute Diskussions- und Handlungsgrundlage für Führungskräfte und Beschäftigte, die beruflich unterwegs sind. 
Außerdem ist es immer hilfreich, wenn die Führungskraft insgesamt dazu beiträgt, dass es den Beschäftigten gut geht – zumindest aus beruflicher Sicht kann sie das, denn, so Menzel: „Wir können nur dann bewusst gelassen und souverän im Straßenverkehr reagieren, wenn es uns beruflich, gesundheitlich und privat gut geht.“
 

Autorin: Maren Zeidler

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