Delegieren Führung
©Thomas Walloch
Glosse

Delegieren für Anfänger

Bestseller-Autorin Constanze Kleis schlüpft für topeins in die Rolle von Hausmeisterin Conny. Sie betrachtet alltägliche Dinge der Arbeitswelt aus einem ganz speziellen Blickwinkel ...

Unter uns: Es gibt Dinge, die werde ich nie lernen. Skatspielen zum Beispiel oder mit Stäbchen zu essen, vor allem aber das Delegieren. Nicht, dass ich das Prinzip nicht verstehen würde. Und klar würde ich nur zu gern auch mal anderen ein paar meiner Hausmeister-Aufgaben anvertrauen. Selbstverständlich nicht aus Bequemlichkeit und Eigennutz. Oder weil eine Studie behauptet, dass Leute, die nicht delegieren können, an Selbstüberschätzung leiden. Nein, es ginge mir dabei ausschließlich um das Wohl der Firma im Allgemeinen und dem einzelner Kollegen im Besonderen.

Ganz so, wie ich es in einem der Karriereratgeber gelesen habe, die bei Herrn Schulz, unserem Abteilungsleiter, immer in Mengen herumliegen und auch gelesen werden. Nicht nur von mir. Da stand: Zu delegieren stärke die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden und ihre Motivation. Man lernt also fürs Leben und nicht bloß für die nächste Beförderung. Wäre ja auch nur nützlich für Frau Schmidt aus der Buchhaltung, wenn sie selbst mal eine Glühbirne erneuern oder die Spinnen, die sich regelmäßig in ihre Kentia-Palme verirren, selbst an die Luft setzen könnte, anstatt jedes Mal nach mir zu rufen. Zumal sie Single ist. Ich meine: Was macht sie zuhause? Zieht sie um, wenn sie so ein Tierchen in ihrem Schlafzimmer findet?

Oder sieht sie die Krabbeltiere gar nicht, weil sie im Dunkeln sitzt? Dann Herr Müller aus der IT. Der könnte nicht nur bei mir, sondern auch daheim bei seiner Frau geradezu Superhelden-Status erlangen, würde er endlich mal kapieren, dass Tassen und Teller nicht auf die Geschirrspülmaschine in unserer Kaffeeküche gehören, sondern möglichst ohne Porzellan-Massaker hineinzustellen sind, oder er könnte das knarrende Fenster reparieren. Sind ja bloß ein paar Handgriffe und schon hätten wir eine typische Delegieren-Win-Win-Situation. Aber irgendwie will von mir keiner Aufgaben übernehmen. Eher delegieren die Kollegen dauernd Neues an mich. Am liebsten würde ich das Delegieren an andere delegieren, sage ich erschöpft von all dem Herumgerenne zu Lisa am Empfang. Und weil wir so schön geplaudert haben, habe ich wohl den Anruf von Frau Schmidt überhört. Als ich endlich in ihr Büro komme ist die Spinne tot und die Glühbirne gewechselt.

‚Geht doch!’ denke ich und dass ich am Ende doch noch etwas ganz Wesentliches über das Delegieren gelernt habe: Man muss auch mal wegschauen und weghören können. Deshalb ignoriere ich auch den hilfesuchenden Blick von Herrn Müller in der Kaffeeküche. Ich habe schließlich jetzt Wichtigeres zu tun. Ich muss jemand suchen, der mir Skat beibringt und mit Stäbchen zu essen.

Autorin: Constanze Kleis

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