5 Fragen an ...

Den Anstoß muss die Leitung geben

Roland Portuné, Leiter des Sachgebietes „Psyche und Gesundheit in der Arbeitswelt“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung über die Gefährungsbeurteilung psychischer Belastungen.

1. Wer ist für die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung zuständig?

Die Verantwortung liegt beim Arbeitgebenden, dem Unternehmer oder der Unternehmerin. In den meisten Betrieben bringen die Fachkraft für Arbeitssicherheit, Betriebsärztlicher Dienst, Personalund Betriebsräte, Personalabteilungen und Verantwortliche für das Betriebliche Gesundheitsmanagement den Prozess ins Rollen – oft ein erweiterter Kreis des Arbeitsschutzausschusses. Je nach Betriebsgröße sind das auch externe Kräft

2. Wie fängt man an?

Den Anstoß muss die Leitung geben. Bei der Gefährdungsbeurteilung Psyche eingespielte Abläufe, Kommunikationswege und Arbeitsgruppen zu nutzen, ist die halbe Miete. Eine externe Beratung in Sachen Arbeitspsychologie kann zu Beginn hilfreich sein, um Begrifflichkeiten zu klären und das passende Vorgehen festzulegen. Die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie schlägt unterschiedliche Wege für die Bestandsaufnahme vor: Mitarbeiterbefragung, moderierte Besprechung oder Beobachtungsverfahren. Die oben genannten Akteurinnen und Akteure legen das Verfahren für ihren Betrieb fes

3. Wie kommt man zu Maßnahmen?

Auch da gibt es mehrere Wege. Einige lassen eine Gruppe Maßnahmen „vordenken“ und „absegnen“. Andere beziehen Beschäftigte stark mit ein. Insbesondere in kleinen Betrieben und Verwaltungen empfiehlt es sich, direkt mit moderierten Besprechungsverfahren wie dem DGUV Ideen-Treffen zu beginnen. Auch wenn Beteiligung zunächst aufwendig erscheint, birgt sie große Vorteile: Zum einen nutzt sie das gesamte Wissen der Organisation, zum anderen sorgt sie für Unterstützung bei der Umsetzung. Einmal angestoßen, fügt sich die Gefährdungsbeurteilung Psyche als ständiger Verbesserungsprozess in die bestehende Organisation ein.

4. Was sind Fallstricke?

Zum einen die Begrifflichkeiten. Gefährdungsbeurteilung Psyche ist wie eine Blackbox, angefüllt mit Unsicherheit. Diese Ängste werden durch Begriffe abgebaut, die eher beschreiben, worum es geht: um die gemeinsamen Aufgaben, Teamarbeit, Ideen, aber auch Konflikte. Ein anderer Fallstrick ist, die Erwartungen der Beschäftigten nicht zu erfüllen, dass mit ihren Antworten aus Befragungen oder Ideen aus Workshops konstruktiv und fair umgegangen wird. Also wenn Befragungsergebnisse folgenlos bleiben, Maßnahmen nicht umgesetzt werden und seitens der Leitung kein echtes Interesse besteht.

5. Welche Rolle spielen die Führungskräfte?

Die entscheidende, denn die Führungskultur hat einen extrem hohen Einfluss auf die psychische Gesundheit von Belegschaften. Eine Gefährdungsbeurteilung Psyche macht aber niemand im Alleingang. Vielmehr geht es um einen Prozess, der die gesamte Organisation betrifft. Für betriebliche Vorgesetzte ist die Beurteilung der psychischen Belastung eine Hemmschwelle. Auf der einen Seite verantworten sie den Prozess in ihrem Bereich, auf der anderen ist ihr Führungsstil selbst Gegenstand der Beurteilung. Deshalb werden Ergebnisse von Befragungen und Workshops zuerst mit den Führungskräften besprochen und dann mit den Teams. Hier muss der Prozess sensibel und trotzdem konsequent begleitet werden. Auch bei der Umsetzung dürfen Vorgesetzte nicht alleingelassen werden. Die Schulung von Führungskräften, regelmäßiges Feedback zu ihrem Verhalten, ausreichende Ressourcen – das sind Faktoren, um gute Führung zu ermöglichen.

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