Interview Süß
© Marika Kleinhesseling
Arbeiten 4.0

Die wichtigste Eigenschaft der Führungskraft 4.0

Tilman Süss, Unternehmensberater und Lehrbeauftragter, beschäftigt sich mit den Chancen und Herausforderungen von Arbeiten 4.0

Herr Süss, arbeiten die Pioniere des Arbeitens 4.0 anders als etablierte Betriebe und Verwaltungen?

Ja, sie entwickeln neue Produkte und digitalisieren etablierte Ansätze. Dabei sind sie die größten Nutzer ihrer eigenen Werkzeuge und brechen viele Konventionen. Großen Einfluss auf den Erfolg hat der Stellenwert, den der Einzelne seiner Arbeit einräumt. Die Selbstbestimmung des Individuums zählt zu den großen Chancen der Industrie 4.0. Wir leben die modernen Formen der Zusammenarbeit. Jeder fühlt sich mitverantwortlich, jeder möchte effizient sein.

Sie sagten einmal, dass in der Start-up-

Szene die individuelle Freiheit wichtiger sei als Sicherheit. Zugleich haben Sie vor potenzieller Überforderung gewarnt. Wie schätzen Sie das inzwischen ein?
Ein Großteil der Generation Y stellt heute Selbstbestimmung und Lebensqualität vor die Jobsicherheit. Die beruflichen Chancen von sehr vielen gut ausgebildeten Menschen sind so positiv, dass kaum noch Ängste vor der Arbeitslosigkeit bestehen. Dies wird eine immer größere Herausforderung für alle Arbeitgebenden werden.

Was ist die wichtigste Eigenschaft einer Führungskraft 4.0?

Empathie. Wer die Generationen Y und Z (siehe Kasten) führen will, muss die eigenen Konventionen hinterfragen und sich in andere Menschen hineinversetzen können.

Wie gelingt etablierten Führungskräften der Wandel?

Neben der eben genannten mit einer generellen Managementeigenschaft: sich nicht in Details verlieren, sondern Systeme von außen steuern. Nur wer Ziele setzt und zugleich Gestaltungsspielräume lässt, kann erfolgreich ein heterogenes Team führen und halten. 

Sollten Führungskräfte bei sich selbst in fachliche Kompetenz investieren oder eher an ihren emotionalen Fähigkeiten arbeiten?

Sich als Mensch weiterzuentwickeln, war und ist immer wichtig. Nur wer neugierig ist, bleibt erfolgreich. Die „aktuelle“ Generation wird die Digitalisierung fachlich nicht mehr voll beherrschen können. Um die Denkweise von jungen Beschäftigten, von Digital Natives zu verstehen, ist es eine gute Idee, sich auf einem digitalen Gebiet fachlich fit zu machen, das einem persönlich liegt, und dann im Austausch zu bleiben. Ich kenne beispielsweise einen etablierten Verleger, der sich regelmäßig mit einem jungen Start-up-Manager zum Mittagessen trifft. Das ist für beide Seiten ein Kompetenzgewinn.
 

Autorin: Miriam Becker

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