Illustration, Frau im Hausmeisterkittel hält sich die Nase zu.
Illustration: © Thomas Walloch
Glosse

Shalimar, die Leberwurst und ich

Bestseller-Autorin Constanze Kleis schlüpft für topeins in die Rolle von Hausmeisterin Conny. Sie betrachtet alltägliche Dinge der Arbeitswelt aus einem ganz speziellen Blickwinkel.

Als Hausmeisterin komme ich ganz schön rum. Und nicht nur ich. Auch meine Nase. Schließlich arbeite ich nicht bloß mit Herrn Müller aus der Buchhaltung und Frau Schulze von der IT zusammen, sondern auch mit Shalimar, Fichtennadel, Cool Water und Maiglöckchen. Düfte, an denen ich manche Kollegen auch bei totalem Stromausfall erkennen würde. Bisweilen wünscht man sich da schon diese kleinen Nasenklammern, die die immer beim Synchronschwimmen tragen, um wenigstens so lange die Luft anhalten zu können, wie es braucht, um bei Herrn Schmidt im Büro die Glühbirne zu wechseln. Weil der offenbar ausschließlich von Leberwurst mit Zwiebeln lebt. Aber man kann halt nicht nicht atmen.

Außerdem soll das Riechen die direkteste Sinneswahrnehmung sein, habe ich gelesen. Und dass das, was wir über unsere Nase empfangen, sofort in jene Hirnregionen gelangt, die für unsere Gefühle und Triebe zuständig sind. Deshalb entscheiden Düfte nicht nur darüber, ob wir jemand „riechen“ können. Sie können auch motivieren, die Kreativität fördern und - das war meine Lieblingsstelle in dem Artikel – schlank machen. Also, jedenfalls würde Orangenduft den Eindruck erwecken, man wäre sehr dünn, auch wenn man allenfalls so mittelgewichtig ist. Das erklärt vielleicht, weshalb Frau Schulze immer duftet, als hätte sie in 
einem Zitrusduftbäumchenwald gezeltet. Und wenn die neue Abteilungsleiterin so ein herber Duft von Männlichkeit begleitet, so von Boss oder Lagerfeld, soll der sie besonders kompetent wirken lassen, weil sie dann so ein bisschen der Hauch von Leitwolf umweht. Außerdem könnte man so eine Bürobelegschaft bloß mit ein wenig Eukalyptus-Geruch in ein ganzes Rudel hochmotivierter Duracell-Häschen verwandeln, die laufen und laufen und laufen. Um zu verstehen, was Maria, die Sekretärin, mit Shalimar erreichen will, braucht man allerdings nicht die Wissenschaftsseite der Zeitung bemühen. Es genügt, sie dabei zu beobachten, wie sie in der Kantine den Neuen anschmachtet.

Was aber bezweckt Herr Schmidt mit der Leberwurst-Zwiebel-Zumutung? „Ach, der wollte doch schon lange ein eigenes Büro“, raunt mir Emil, der Praktikant, zu. „Der hat vorher total unauffällige Schinkenbrote gegessen.“ Ah ja! In so einer Firma wird eben nicht nur gearbeitet. Da wehen einem immer auch Sehnsüchte, Leidenschaften und Wünsche um die Nase. Und nicht nur dort. „Mhm. Das riecht aber gut! Habe ich dir schon gesagt, dass du die beste Frau von allen bist?“, sagt mein Mann, als ich abends mit einem Pappkarton nach Hause komme. Mein Duft-Geheimnis? Der Geruch einer frischen Salami-Pizza.

Autorin: Constanze Kleis

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