Inklusion am Arbeitsplatz - eine Sache der Einstellung
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Inklusion

Eine Sache der Einstellung

In manchen Branchen ist der Arbeitsmarkt leergefegt. Qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden händeringend gesucht – und doch sind viele Menschen mit Behinderungen auf der Suche nach einem Arbeitsplatz. Ein Grund mangelnder Wille zur inklusiven Arbeitsplatzgestaltung. Dabei geht es auch anders.

Ein Unternehmen, das auf eine vielfältige Belegschaft setzt, ist die Daimler AG. Nach eigenen Angaben sind dort mehr als 9.800 Menschen mit Behinderungen beschäftigt. Das sind etwa sechs Prozent der Belegschaft. Im Mercedes-Benz-Werk Bremen beispielsweise ermöglicht das Projekt „Warenkörbe Supermarkt“ inklusives Arbeiten für Menschen mit Behinderungen. Hier hat man den Kommissionierungsprozess umgestaltet und verwendet nun etwa leicht zu schiebende Wagen. Die Regale sind in optimaler Höhe angebracht. Eine automatische Anzeige gibt vor, wie der Wagen zu bestücken ist. 

Ganz unterschiedliche Anforderungen

Das Projekt zeigt eine Möglichkeit, wie sich Arbeitsplätze inklusiv gestalten lassen. Im Einzelfall hängt es aber immer vom jeweiligen Beschäftigten ab, welche Maßnahmen der Barrierefreiheit nötig sind. „Eine Person mit einer Sehbehinderung hat natürlich andere Bedürfnisse als ein Mensch im Rollstuhl“, erklärt Hans-Jürgen Penz, Leiter des Präventionsfelds „Barrierefreie Arbeitsgestaltung“ bei der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) und im DGUV Sachgebiet „Barrierefreie Arbeitsgestaltung“.

Finanzielle Hilfen

Abhängig von den örtlichen Gegebenheiten und den Bedürfnissen der Beschäftigten können dann Umbaumaßnahmen oder eine besondere Ausstattung nötig sein, die auch entsprechende Kosten mit sich bringen. „Davor scheuen sich leider viele Unternehmen“, so der Experte. „Dabei gibt es finanzielle Hilfen, etwa durch das Integrationsamt und die gesetzliche Rentenversicherung. Ist die Behinderung Folge eines Arbeitsunfalls, beteiligt sich auch die gesetzliche Unfallversicherung an den Kosten.“

Um- und Neubau nutzen

„Viele Unternehmen denken zudem erst an eine inklusive Arbeitsplatzgestaltung, wenn tatsächlich eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter mit Behinderung bei ihnen anfängt“, berichtet Hans-Jürgen Penz. Dabei könnten sie immens Kosten sparen, wenn sie bereits bei einem Um- oder Neubau entsprechende Vorkehrungen berücksichtigen würden, etwa durch ein universelles Design (siehe Kasten). Zu Möglichkeiten des Umbaus und der finanziellen Unterstützung, aber auch zu vielen anderen Fragen, die ein barrierefreier Arbeitsplatz mit sich bringen kann, beraten die Unfallversicherungsträger (siehe Tipp). 

Mehrwert nicht nur für Menschen mit Einschränkungen 

Eine inklusive Arbeitsplatzgestaltung lohnt in vielerlei Hinsicht, weil sie Personen mit den unterschiedlichsten Bedürfnissen entgegenkommt: Angestellten ebenso wie der Kundschaft oder den Geschäftspartnerinnen und  partnern. Ein Aufzug hilft nicht nur Menschen im Rollstuhl, sondern auch solchen, die Probleme mit Knie oder Hüfte haben oder mit einem Koffer unterwegs sind. Von einer behindertengerechten Toilette profitieren auch Angestellte, die für eine gewisse Zeit auf Krücken angewiesen sind. Automatisierte Türen öffnen sich für Menschen im Rollstuhl ebenso wie für diejenigen, die mit beiden Händen einen Stapel Unterlagen tragen. Ein universelles Design lohnt sich also, auch mit Blick auf den Fachkräftemangel und die positiven Auswirkungen einer vielfältigen Belegschaft. Im Mercedes-Benz-Werk in Bremen ist man überzeugt, dass vielfältige Teams bessere Ergebnisse erzielen. Dort starten jedes Jahr etwa acht Azubis mit einer Behinderung in ihr Berufsleben.

Autorin: Yvonne Millar

 

 

Weiteres Zahlenmaterial von der gesetzlichen Unfallversicherung:

dguv.de > Webcode d77

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