Glosse Fliehkräfte
©Thomas Walloch
Glosse

Fliehkräfte

Bestseller-Autorin Constanze Kleis schlüpft für topeins in die Rolle von Hausmeisterin Conny. Sie betrachtet alltägliche Dinge der Arbeitswelt aus einem ganz speziellen Blickwinkel.

Neulich fragt mich Lisa vom Empfang, ob ich mir vorstellen könne, mit Kollegen ein paar Stunden in einem Raum eingesperrt zu sein. Ich erkundige mich, ob sie getrunken hat. Und dann, ob ich diese Frage etwas variieren dürfe – etwa so: ob ich mir vorstellen könne, mit George Clooney oder Orlando Bloom auf einer einsamen Insel zu sein. Aber Lisa besteht auf unser Team und einen „Raum“. Ich versuche zu verhandeln: „Kommt drauf an, was sich sonst noch in diesem Raum befindet.“

Wäre es zum Beispiel leckeres Essen, würde ich lieber nicht mit Frau Müller dort sein, weil die einem selbst die schönste Mahlzeit mit ihren Vorträgen über ungesunde und/oder unfaire Lebensmittel versauert. Mit Herrn Krause würde ich nur dann in einem Zimmer eingesperrt sein wollen, wenn ich dringend mal ein Koma bräuchte. Schließlich könnten seine Ausführungen über sein Hobby – die Aufzucht und Pflege von Guppys – auch als Vollnarkose durchgehen. Genau das sei der Grund, sagt Lisa, weshalb sie mich mit auf die Anmeldeliste für den „Escape Room“ gesetzt habe. Da könne man seine Kollegen nämlich mal von einer ganz anderen Seite kennen lernen. Man bekomme lustige und spannende Rätsel und bliebe so lange zusammen eingesperrt, bis man die gemeinsam gelöst habe. Zum Beispiel gelte es, in Teamwork eine Bombe zu entschärfen oder auf einem Raumschiff Aliens daran zu hindern, den Planeten zu kapern. Man könne auch einen Mord aufklären oder eine Zeitreise machen, um irgendwo in der Vergangenheit den Schlüssel zu finden, der einen wieder nach draußen bringt.

„Toll!“, sage ich und dass ich da eigentlich auch einiges beizutragen hätte. Ob man zum Beispiel nicht einfach meine Abstellkammer zum „Escape Room“ erklären und die Belegschaft so lange darin einsperren könne, bis sie die Bohrspitze gefunden haben, die ich schon seit Monaten suche. Auch der Kopierraum hätte das Zeug zum „Escape Room“. Allein habe es jedenfalls bislang niemand geschafft, dem neuen Kopierer das Geheimnis eines Tonerwechsels zu entlocken. Eigentlich, überlege ich weiter, wäre ja die ganze Firma ein einziger „Escape Room“, mit lauter tollen Aufgaben. Bloß, dass man nicht nur eine, sondern acht Stunden Zeit hätte, sie zu lösen.

Andererseits: Wann hat man schon mal die Gelegenheit, den Superhelden im Kollegen kennen zu lernen und abends auf dem Sofa zu sagen: „Schatz, wir haben heute die Welt gerettet!“ oder „Wenn ich nicht gewesen wäre, dann würde hier ein schleimiger Alien sitzen, der schon seine Flagge in den Couchtisch gerammt hätte!“. Deshalb sage ich voller Enthusiasmus zu Lisa: „Escape Room? Ich bin dabei!“

Autorin: Constanze Kleis

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