Sommerkleidung
Glosse

Freikörperkultur

Bestseller-Autorin Constanze Kleis schlüpft für topeins in die Rolle von Hausmeisterin Conny. Sie betrachtet alltägliche Dinge der Arbeitswelt aus einem ganz speziellen Blickwinkel.

Bisweilen gräme ich mich ja ein wenig über meinen mausgrauen Arbeitskittel. Denn modisch liege ich damit ungefähr so weit vorne wie ein Sack Kartoffeln. Immerhin könnte ich unter dem Ein-Frau-Zelt total nackt sein, ohne dass es jemandem auffällt. Also theoretisch. Praktisch wäre das nur Notwehr. Schließlich hält sich der deutsche Sommer offenbar seit neuestem für mediterran und schwingt sich zu Temperaturen auf, die man bislang nur aus Urlauben im tiefen Süden kannte. Kein Wunder, wenn manche Kollegen da ähnlich geografisch verwirrt reagieren und mit Outfits zur Arbeit erscheinen, bei denen die Grenzen zwischen Büro und Ballermann schon mal sehr fließend sind. Seit draußen die Vierzig-Grad-Marke geknackt wird, muss man sich drinnen zwangsläufig etwas lockerer machen, um überhaupt noch einen klaren Gedanken zu fassen.

Unerwünschte Einsichten

Das führt zu Einblicken, die vorher textil verstellt blieben. Dank Klimaerwärmung weiß unser Team nun, dass ausgerechnet die so unscheinbare Frau Müller ein Tattoo auf der Schulter hat, das aussieht wie der Mitgliedsausweis der Hells Angels, und dass Herr Krause auf dem Kopf zwar komplett haarlos ist, dafür aber seine Brust jedem Wildschweinrücken Konkurrenz machen kann. Kurzärmelige Hemden, Träger-Tops, Bermudashorts und sogar Bade- oder Ökolatschen legen Körperteile frei, die jahrelang im Verborgenen blieben.

Und der Chef?

Der Chef sagt nichts dazu. Er hat ausnahmsweise sogar die Krawatte weggelassen und den obersten Hemdknopf geöffnet. Er war nämlich gerade in Japan und hat von dort den neuesten Trend „Super Cool Biz“ mitgebracht. Was den Dresscode im Büro anbelangt, denkt er ökonomisch: Je weniger die Beschäftigten im Sommer anhaben, umso größer die Einsparungen bei der Klimaanlage. Ist also nur eine Frage der Zeit, bis ich herausfinde, ob mein Augenstern, Herr Schulze, in Wirklichkeit so gut geformt ist, wie er im Anzug aussieht. Und Sie, wie ich ohne Kittel wirke. Obwohl ich darunter selbstverständlich nur rein theoretisch nackt bin. 

Autorin: Constanze Kleis

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