Arbeitsmedizinische Vorsorge
Arbeitsmedizin

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt

„Arbeitsmedizinische Vorsorge? Das muss doch nicht sein. Und überhaupt – wer blickt bei Pflicht-, Wunsch- und Angebotsvorsorge eigentlich durch"? topeins verschafft den Überblick und erklärt zudem, warum neben den Beschäftigten auch Führungskräfte und Betriebe von den Vorsorgeuntersuchungen profitieren.

Die Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen der Beschäftigten sind für Unternehmen von hohem Wert. Fallen Arbeitskräfte aufgrund einer Erkrankung vorübergehend oder gar dauerhaft aus, ist das neben dem persönlichen Leid ein großer Verlust und stört, betriebswirtschaftlich gesehen, die Abläufe empfindlich. Es müssen Vertre-tungsregelungen getroffen, Aufgaben umverteilt, im Extremfall sogar Aufträge abgelehnt oder verschoben werden. Mit arbeitsmedizinischer Vorsorge (AMV) kön-nen Führungskräfte berufsbedingten Erkrankungen vorbeugen und die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten langfristig erhalten. 

Pflicht oder freie Wahl – die Tätigkeit entscheidet

Bei besonders gefährdenden Tätigkeiten müssen Arbeitgebende eine Pflichtvorsorge veranlassen – und zwar noch bevor die Beschäftigten eine entsprechende Stelle antreten. Faktisch ist diese Vorsorge damit für Beschäftigte verpflichtend. Wann sie stattzufinden hat, gibt die Arbeitsmedizinische Regel unter dem Punkt 2.1 „Fristen für die Veranlassung/das Angebot arbeitsmedizinischer Vorsorge“ vor. Veranlas-sen Betriebe diese nicht oder nicht rechtzeitig, droht ein Bußgeld. „Die erste Vorsorge muss innerhalb von dauerhaft aus, ist das neben dem persönlichen Leid ein großer Verlust und stört, betriebswirtschaftlich gesehen, die Abläufe empfindlich. Es müssen Vertre-tungsregelungen getroffen, Aufgaben umverteilt, im Extremfall sogar Aufträge abgelehnt oder verschoben werden. Mit arbeitsmedizinischer Vorsorge (AMV) können Führungskräfte berufsbedingten Erkrankungen vorbeugen und die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten langfristig erhalten. 
Anders als bei der Pflichtvorsorge besteht bei der Angebotsvorsorge die Wahl. Sie kann wahrgenommen werden, muss aber nicht. „Arbeitet eine Person beispielsweise im Bereich der Altenpflege und die Gefährdungsbeurteilung ergibt, dass sie durch Heben und Tragen starken Belastungen der Wirbelsäule ausgesetzt ist, hat sie in der Regel alle drei Jahre An-spruch auf eine Angebotsvorsorge“, so Dr. Steinmann.
Mit der Wunschvorsorge haben Beschäftigte das Recht, einen Vorsorgetermin wahrzunehmen. Etwa dann, wenn geklärt werden soll, ob ein gesundheitli-ches Problem in Zusammenhang mit der Tätigkeit steht.

Vorsorge ist keine Eignungsuntersuchung

Nicht zu verwechseln ist die arbeitsmedizinische Vorsorge mit einer Eignungsuntersuchung. Letztere hat das Ziel festzustellen, ob jemand die nötigen gesundheitlichen Voraussetzungen für eine bestimmte Tätigkeit mitbringt. Medizinisches Fachpersonal erfüllt hier eine Gutachterfunktion. Bei der AMV hingegen geht es um den individuellen Schutz der Beschäftigten vor Gesundheitsschäden. 

Rechtliche Grundlagen

Die Anlässe einer arbeitsmedizinischen Vorsorge er-geben sich aus der Gefährdungsbeurteilung und sind in der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge geregelt. Deren Anhang listet auf, welche besonders gefährdenden Tätigkeiten eine Pflicht- oder Angebotsvorsorge bedingen. Dazu zählen unter anderem 

  • Tätigkeiten mit bestimmten Gefahrstoffen, wie Asbest oder Benzol, 
  • Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen,  wie Hepatitis A- oder B-Viren sowie
  • Tätigkeiten mit physikalischen Einwirkungen wie Hitze, Lärm und Muskel- und Skelett-Belastung.

Weiter konkretisiert wird die Verordnung zur arbeits-medizinischen Vorsorge durch Arbeitsmedizinische Regeln. Darin werden unter anderem die bereits genannten Vorsorgearten Pflicht-, Angebots- und Wunschvorsorge definiert. 

Vorsorge durchführen und dokumentieren

Die Teilnahme ihrer Beschäftigten an der arbeitsmedizinischen Vorsorge müssen Betriebe in einer Vorsorgekartei dokumentieren. Dazu erhalten sie eine Vorsorgebescheinigung, die darüber Auskunft gibt, wann und aus welchem Anlass ein Vorsorgetermin stattgefunden hat. Die Bescheinigung enthält jedoch keine Angaben zu Ergebnissen oder Befunden. Es gilt auch hier die ärztliche Schweigepflicht. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ist zu ermitteln, für welche Beschäftigten eine arbeitsmedizinische Vorsorge vorgeschrieben oder welchen Beschäftigten eine arbeitsmedizinische Vorsorge anzubieten ist. „In der Regel ist es die Aufgabe der Personalabteilung, die arbeitsmedizinische Vorsorge zu organisieren“, erklärt die Expertin. „Im Rahmen der Pflichtenübertragung von der Geschäftsleitung auf Führungskräfte kann sie auch in deren Verantwortungsbereich fallen.“

Arbeitsmedizinische Vorsorge als Führungsaufgabe 

Unabhängig davon, wer die AMV organisiert, profi-tieren Führungskräfte davon, wenn auch sie ein Auge darauf haben. Sie können Beschäftigte zum Beispiel darin bestärken, die Angebots- und Wunschvorsorge wahrzunehmen. 
Durchgeführt wird die arbeitsmedizinische Vorsorge meist von Betriebsärztinnen oder Betriebsärzten. Sie informieren Beschäftigte zu den Wechselwirkungen zwischen ihrer Arbeit und ihrer Gesundheit. Von Vorteil können auch körperliche und klinische Untersuchungen sein. Diese werden jedoch nur mit Einverständnis der jeweiligen Person durchgeführt.

AMV stärkt den betrieblichen Gesundheitsschutz 

Zeigt sich im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge, dass die bestehenden Arbeitsschutzmaßnahmen nicht ausreichen, müssen die Untersuchenden das den Betrieben mitteilen. Diese sind dann verpflichtet, die Gefährdungsbeurteilung zu überprüfen und die erforderlichen Arbeitsschutzmaßnahmen zu ergreifen. Eine rege in Anspruch genommene arbeitsmedizinische Vorsorge wirkt sich somit nicht nur auf die Gesundheit der jeweiligen Beschäftigten positiv aus. Der gesamte Betrieb profitiert davon.

Autorin: Yvonne Millar

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Imblick

Sitzen, die unterschätzte Gefahr

8 Stunden sitzen die Deutschen durchschnittlich am Tag. Langes Sitzen ist aber für den Körper ungesund, es macht müde und unproduktiv. Um den... Weiterlesen

Imblick

Erholung: Tipps und Wissenswertes

Erholung im Job kommt oft zu kurz - knapp 40% der Beschäftigten sind manchmal oder oft nach der Arbeit so erschöpft, dass sie sich nicht mehr gut um... Weiterlesen

Nüchtern bleiben
Alkohol am Arbeitsplatz

Nüchtern bleiben

Alkohol am Arbeitsplatz beeinträchtigt die Arbeitssicherheit, das Arbeitsklima und die Produktivität in Betrieben. Führungskräfte haben die Pflicht,... Weiterlesen