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Leiharbeit

Gleicher Schutz für alle

Zeitarbeitskräfte gehören genauso zur Belegschaft wie Festangestellte – der Arbeitsschutz gilt auch für sie. Dennoch ist manches mehr zu beachten.

Die Auftragslage ist hervorragend, die Produktion brummt, doch es sind einfach nicht genug Beschäftigte im Unternehmen, um die Arbeit zu stemmen. Dann können Zeitarbeitskräfte die Stammbelegschaft für eine Weile unterstützen. So wie Stefan Meyer – er springt bei der Post ein, wenn es eng wird. Für seine Sicherheit und Gesundheit sind sowohl das Zeitarbeitsunternehmen verantwortlich, bei dem er angestellt ist, als auch der Einsatzbetrieb, in dem er arbeitet. So schreibt es das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz vor.

Vorgehen wie bei jeder Neueinstellung

„Für die Zeitarbeitsbeschäftigten gelten die gleichen Regeln des Arbeitsschutzes wie für alle anderen Beschäftigten auch“, erklärt Carsten Zölck, Leiter des DGUV Sachgebiets Zeitarbeit und Präventionsexperte der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG). „Wie bei jeder Einstellung sind die entsprechenden Stellen im Einsatzbetrieb zu informieren. Dazu gehören neben dem Betriebsrat unter anderem Betriebsärztinnen und -ärzte, die Fachkräfte für Arbeitssicherheit und die Sicherheitsbeauftragten.“

Ein Tipp vom Experten: Eine Patin oder ein Pate aus der Stammbelegschaft kann die Integration von Zeitarbeitskräften in den Arbeitsschutz erleichtern. Stefan Meyer hat so einen direkten Ansprechpartner, wenn er Fragen hat.

Gleiches Recht für alle

Ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung, dass eine arbeitsmedizinische Pflicht- oder Angebotsvorsorge notwendig ist, muss diese natürlich auch bei Stefan Meyer vor Aufnahme der Tätigkeit erfolgen. Zudem sollte Zeitarbeitskräften auch die Teilnahme an Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung, wie einem Rückenkurs oder einer Ernährungsberatung, möglich sein.

Unterweisungen wenn nötig anpassen

Einsatzbetriebe müssen alle ihre Beschäftigen arbeitsplatzbezogen unterweisen – Zeitarbeitskräfte ebenso wie alle anderen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. „Es ist dabei zu berücksichtigen, dass die Zeitarbeitskräfte oft das erste Mal in der jeweiligen Branche tätig sind“, ergänzt Zölck. Führungskräfte sollten darum darauf achten, ob spezifische Fachbegriffe bekannt sind, und diese wenn nötig erläutern. „Ihr Einsatz im Betrieb muss sorgfältig vorbereitet und die Zeitarbeitskräfte müssen entsprechend unterwiesen und eingearbeitet werden – wie bei jedem neuen Beschäftigten“, betont der Experte.

Unfallgefährdung hängt vom Arbeitsplatz ab

„Es gibt keine Untersuchungen, die nachweisen, dass Zeitarbeitskräfte grundsätzlich stärker unfallgefährdet sind als andere Arbeitnehmende, weil sie als Zeitarbeitskräfte arbeiten“, erklärt der Experte Carsten Zölck. „Allerdings arbeiten in der Zeitarbeitsbranche im Vergleich zur Gesamtheit der Beschäftigten überproportional mehr Menschen mit dem Anforderungsniveau ‚Helfer‘. Sie üben häufig manuelle Tätigkeiten aus, etwa in der Produktion und der Logistik.“ Dort sei die Unfallgefahr generell höher als zum Beispiel bei Büroarbeit – ganz unabhängig von der Zeitarbeit.

Autorin: Yvonne Millar

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