Fotomontage, Arbeit einer Aufsichtsperson
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Arbeits- & Gesundheitsschutz

Gut beraten

Die Aufsichtspersonen der gesetzlichen Unfallversicherung sind kompetente Partnerinnen und Partner von Unternehmen und Bildungseinrichtungen. Sie beraten und beaufsichtigen Unternehmen in Fragen der Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit.

Ein Anruf für Georg Nottelmann. „Können Sie bitte bei uns vorbeischauen? Wir planen ein neues Außengelände. Worauf müssen wir achten?“, fragt die Leiterin einer Kita am Telefon. „Wir vereinbaren am besten einen Beratungstermin“, sagt Nottelmann. Er arbeitet bei der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen als Aufsichtsperson und kümmert sich in deren Auftrag um Sicherheit und Gesundheit von Kindern und Beschäftigten in Kitas. Zum vereinbarten Termin trifft er den Träger der Einrichtung, die Leiterin und in diesem Fall auch den beauftragten Landschaftsarchitekten vor Ort. Gemeinsam besprechen sie den Entwurf. 

Spielen ohne Gefahr

Dabei gibt Nottelmann wichtige Tipps: Werden zum Beispiel die Anforderungen an sichere Spielplatzgeräte eingehalten und sind diese mit ausreichendem Abstand angeordnet, so dass keine Verletzungsgefahr besteht? Wurden Absturzsicherungen wie Stützmauern oder Geländer auf steilem Gelände vorgesehen? Ist die Einfriedung des Geländes hoch genug? Die Hinweise werden bei der weiteren Planung gerne aufgenommen, schließlich sind Unternehmen, Betreiberinnen und Betreiber von Einrichtungen verantwortlich für die Durchführung der Maßnahmen zur Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren sowie zur Sicherstellung einer wirksamen Ersten Hilfe nach §21 SGB VII. Dabei haben die gesetzlichen Unfallversicherungsträger nach § 17 Abs. 1 SGB VII durch ihre Aufsichtsperson die Unternehmen und die Versicherten zu beraten.

Weniger Lärm

Und weil Herr Nottelmann jetzt schon im Haus ist, nutzt die Kita die Gelegenheit, mit ihm einen Blick ins Gebäude zu werfen. „In der Regel treffen wir auf Offenheit und großes Sicherheitsbewusstsein – vor allem in Bezug auf die Kinder“, berichtet der Experte. Da treten manchmal eher die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten in den Hintergrund. Nicht so in der besuchten Kita. Hier wurden zahlreiche Maßnahmen ergriffen. Davon kann sich Nottelmann selbst überzeugen. Es gibt zum Beispiel Aufstiegshilfen an den Wickeltischen und im Gruppenraum höhenverstellbare Stühle, die an die Kindertischhöhe angepasst werden können. Bei der Überwachung stellt die Aufsichtsperson dann aber doch fest, dass es in der Einrichtung sehr laut ist. Es fehlen schallschluckende Flächen. „Das ist oft bei älteren Einrichtungen ein Problem“, weiß Nottelmann. Wurde dieses Defizit erkannt und sind Maßnahmen zur Verbesserung der Raumakustik geplant? Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Im weiteren Gespräch werden technische und flankierend mögliche organisatorische Maßnahmen angesprochen: „Haben Sie bereits eine Gefährdungsbeurteilung?“, hakt Nottelmmann nach und weist auf die Notwendigkeit und Verpflichtung zur systematischen Erfassung von Gefährdungen und Belastungen einschließlich der Ableitung von Maßnahmen hin. Da eine Gefährdungsbeurteilung noch nicht vorliegt, empfiehlt er die Handlungshilfe der Unfallkasse NRW für eine schnelle Umsetzung. Nach dem Besuch wird Nottelmann einen Besichtigungsbericht schreiben, in dem er um die Abstellung der erkannten Mängel bittet und Lösungsoptionen aufzeigt. „Wir bleiben auf jeden Fall in Kontakt, bis wir eine positive Rückmeldung haben. Das funktioniert in der Regel problemlos“, erklärt Nottelmann. Grundsätzlich haben Aufsichtspersonen nach § 19 Abs. 1 SGB VII aber auch die Möglichkeit, eine verbindliche Anordnung zu erlassen, die den Träger der Kita verpflichtet, Maßnahmen innerhalb einer bestimmten Frist umzusetzen.

Kompetente Ausbildung

Um Unternehmen und Einrichtungen in Fragen der Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zu beraten und zu überwachen, unterhalten die Unfallversicherungsträger eigene Präventionsdienste. Damit diese als kompetente Ansprechpartnerinnen und -partner wahrgenommen werden, sind sie in verschiedene Fachnetzwerke der Unfallversicherungsträger eingebunden und werden durch vielfältige Schulungsmaßnahmen kontinuierlich weiterqualifiziert. Die versicherten Einrichtungen profitieren von dem branchenspezifischen Wissen und der örtlichen Nähe. Aufsichtspersonen verfügen über ein (Fach-)Hochschulstudium und mehrjährige Berufserfahrung sowie eine zweijährige Ausbildung zur Aufsichtsperson nach SGB VII. Das lohnt sich. Denn dank der Kooperation mit Herrn Nottelmann können die Kinder heute auf dem neuen Außengelände gefahrlos spielen. Von der verbesserten Raumakustik in der Kita profitieren Kinder und Beschäftigte. Und im Kontext zur Gefährdungsbeurteilung werden nun auch psychische Belastungen der Beschäftigten ins Blickfeld gerückt.

Autorin: Christine Speckner

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