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Gute Führung

Gute Führung schafft gutes Klima

Der Reinigungsmittelhersteller Dr. Schnell aus München legt Wert auf gesunde Führung. Vorgesetzte achten ganz auf Wertschätzung sowie Respekt und wollen gute Vorbilder sein. Das zahlt sich offenbar aus.

Eine wichtige Handlungsweise bei Dr. Schnell ist die Beschäftigten zu Wort kommen zu lassen, ihnen zuzuhören und ernst zu nehmen, was sie stört, was ihnen gut gefällt und was sie gerne ändern oder verbessern möchten. 

Ideenbox stärkt Gemeinschaftsgefühl

Nicht immer haben die Vorgesetzten im Alltag Zeit, die Vorschläge in Ruhe auszuwerten. Deshalb gibt es eine Ideenbox: Beschäftigte aus der Produktion, die nicht am Rechner sitzen, notieren Verbesserungsvorschläge auf Zetteln und werfen sie in einen Briefkasten, andere schicken ihre Vorschläge per Mail an die Verwaltung. Regelmäßig sichtet die Geschäftsführung mit dem Management-Team alle Ideen, überlegt gemeinsam Lösungen und bespricht mit der Urheberin oder dem Urheber der Idee, wie eine Umsetzung funktionieren könnte. Dabei wurden schon ganz verschiedene Vorschläge realisiert.

Anregungen ernst nehmen heißt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ernst nehmen

„Manche wünschen sich ein bestimmtes Firmenevent, andere bemängeln Energieverschwendung. „Manche Vorschläge wirken banal, sind den Beschäftigten aber wichtig“, sagt Führungskraft Franz Felbermeir. „So wurde einmal kritisiert, dass in unserem Archiv das Licht ständig brennt. Wir haben dann einen Bewegungsmelder eingebaut.“ Andere Vorschläge betreffen die Arbeitsorganisation: So können Beschäftigte in der Produktion am Fließband ihre Positionen wechseln. Seitdem stieg die Produktivität, die Stimmung ist besser und die Fehlzeiten sind gesunken. „Wir engagieren uns nicht nur, weil es sich für uns lohnt, sondern auch, weil wir wirklich wollen, dass sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier wohlfühlen“, sagt Felbermeir. Vielleicht ist es vor allem diese Haltung, die Dr. Schnell letztendlich erfolgreich werden lässt. 

Das Unternehmen ist ein klassischer Familienbetrieb, der im 19. Jahrhundert in München gegründet wurde.   In den 1950er Jahren legte der heutige Vorsitzende des Aufsichtsrats, Wolfgang Schnell, den Grundstein für das heutige Geschäftsmodell. Seitdem hat sich das Unternehmen vor allem auf den professionellen Reinigungsbedarf spezialisiert. Geführt wird das wachsende Unternehmen heute von seinem Sohn Dr. Thomas Schnell. Inzwischen vertreibt Dr. Schnell Reinigungs- und Desinfektionsmittel an Krankenhäuser, Arztpraxen, Gebäudereiniger, Hotels und Restaurants. 

Great Place to Work

Das Unternehmen ist 2017 zum dritten Mal als Great Place to Work ausgezeichnet worden: Es ist vor allem die Unternehmenskultur, die Jury und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überzeugt. In Unternehmen, in denen solche Ansätze funktionieren, in denen Beschäftigte morgens gerne zur Arbeit kommen, in denen sie das Gefühl haben, dass sich ihre Vorgesetzen um sie kümmern und für sie da sind, ist der Krankenstand deutlich geringer als in anderen Unternehmen. Das ist das Ergebnis vieler wissenschaftlicher Studien. Führungskräfte haben einen wesentlichen Anteil daran: Eine aktuelle Untersuchung der Universität St. Gallen kam zu dem Ergebnis, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter etwa 30 Prozent engagierter sind, die allgemeine Unternehmensleistung um ​
15 Prozent steigt und die Kündigungsabsichten um 75 Prozent sinken, wenn Führungskräfte das Prinzip einer „gesunden Führung“ verinnerlicht haben. Dazu gehört, dass mittleres und hohes Management ihre Vorbildfunktion bewusst ausfüllen und auch auf die eigene Gesundheit achten.

Wertschätzung ist wichtig

Feste Vorgaben gibt es dafür nicht: „Wir haben kein Regelwerk, in dem genau steht, wie wir uns verhalten sollen, damit sich unsere Beschäftigten bei uns wohlfühlen und gerne zur Arbeit kommen“, sagt Franz Felbermeir. „Alles, was wir dafür tun, ist für uns selbstverständlich.“ So legt das Unternehmen Wert auf flache Hierarchien, auf Wertschätzung, Ehrlichkeit und die eigene Vorbildfunktion. Ein Teil der Vorgesetzten kommt morgens mit dem Fahrrad zur Arbeit. Es gibt für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung Yoga und es wurden bereits Kurse für Rückenschule angeboten. In der Kantine wird frisch gekocht – von fertig angelieferten Speisen hält Juniorchef Thomas Schnell nichts. Auch er isst mittags dort, zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. 

Unternehmenskultur braucht ein Vorbild

 „Unsere Unternehmenskultur lebt in erster Linie davon, dass sie vorgelebt wird“, sagt Felbermeir. „Führungskräfte gehen miteinander und mit ihrem Team wertschätzend um und erwarten, dass die Beschäftigten das auch untereinander tun.“ Damit das im turbulenten Arbeitsalltag funktioniert, gibt es für Führungskräfte regelmäßige Seminare und Workshops. Wer neu in eine Führungsposition aufgestiegen ist, wird intensiv auf seine neue Stellung vorbereitet und in mehrtägigen Seminaren geschult. Später gibt es dann zwei Termine pro Jahr. In den Schulungen geht es unter anderem um Work-Life-Balance, bewusstes Leben, Stressabbau und die Frage, wie Wertschätzung im Arbeitsalltag am besten ausgedrückt wird. „Oft ist es so, dass jeder primär in seinem Bereich aktiv ist und kaum darüber hinausschaut“, sagt Felbermeir. „Manchmal schreiben wir eine E-Mail und setzen ganz viele Leute aus anderen Abteilungen in CC, dabei interessiert der Inhalt gar nicht alle. Das kostet dann wieder Zeit, weil andere sich einarbeiten müssen. Das Stresslevel und die tägliche Anspannung steigen so unnötig.“

Onboarding-Programm hilft beim guten Start

In den Workshops haben die Führungskräfte auch Onboarding-Programme entwickelt, also festgelegt, wie sie mit neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umgehen wollen und was sie tun wollen, damit sich neue Kolleginnen und Kollegen im Team wohl fühlen. Seitdem gilt: Ab dem ersten Tag wird jeder stets mit Namen, gerne auch mit Vornamen angesprochen. Bei Ausflügen, beispielsweise zum Klettern, Rafting oder Kanu-Fahren, sollen sich die Beschäftigten besser kennenlernen und gleichzeitig auch besser zusammenarbeiten. Außerdem bekommt jedes Team ein Budget zur Verfügung gestellt, kann dann selbst entscheiden, wofür das Geld genau eingesetzt wird. „Wir schreiben niemandem vor, was genau passieren soll“, sagt Franz Felbermeir. „Erfahrungsgemäß ist es aber so, dass die meisten Beschäftigten gemeinsame Ausflüge planen, also etwas machen, das allen gefällt.“

Autorin: Josefine Pabst

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