Erholung
Erholung

Lieber liegen lassen?

Erholte Beschäftigte sind nicht nur produktiver und besser gelaunt, sie sind auch gesünder als solche, die erschöpft und überarbeitet sind. Dr. Oliver Weigelt von der Universität Rostock erklärt im Interview, wie Führungskräfte die Erholung ihrer Beschäftigten unterstützen können und warum eine gute Arbeitsorganisation wichtig ist.

Herr Dr. Weigelt, wenn ich eine Aufgabe am Freitag nicht abschließen kann – soll ich sie dann bis zum Montag liegen lassen oder lieber am Wochenende erledigen? 

Das kommt drauf an. Generell sollte natürlich das Wochenende für die Erholung reserviert sein. Wenn ich dann aber zwei Tage lang über die nicht erledigte Aufgabe grübele, stört das meine Erholung. Unter diesen Umständen kann es gut sein, die Aufgabe zuhause zu erledigen und dann den Kopf frei zu haben. 

Sie haben zu diesem Thema eine Studie vorgestellt. Worum ging es? 

Wir wollten wissen, unter welchen Umständen sich die negativen und positiven Effekte von Freizeitarbeit die Waage halten und unter welchen Umständen es sogar besser sein kann, am Wochenende zu arbeiten. Wir haben dabei herausgefunden, dass es nicht immer schlecht ist, am Wochenende zu arbeiten. Freizeitarbeit wird von den meisten Beschäftigten grundsätzlich erst einmal negativ gesehen. Unerledigtes liegen zu lassen wird aber ebenso negativ empfunden. Wenn die Beschäftigten am Wochenende einen substanziellen Fortschritt erleben, indem sie eine Aufgabe beenden, hebt sich das negative Empfinden auf und die Erholung findet trotzdem statt. 

Welche Empfehlungen haben Sie an Führungskräfte und Betriebe, damit die Beschäftigten sich besser erholen können? 

Da gibt es vor allem strukturelle Hebel, besonders in der Arbeitsorganisation. Die Führungskraft sollte die Arbeitsmenge und die Ressourcen im Blick haben und gut verteilen. Außerdem ist es wichtig, die Beschäftigten besser für ihre oder zusätzliche Aufgaben zu qualifizieren. Auch das kann entlastend wirken. Außerdem sind Führungskräfte immer Vorbilder und sollten bei sich selbst anfangen. Wenn Sie freitagnachts um 23 Uhr die letzte E-Mail von Ihrer Führungskraft bekommen und am Samstagmorgen um 5 schon die nächste, erzeugt das natürlich einen gewissen Druck. 

Und was können Beschäftigte selbst tun?

Hilfreich, wenn man schlecht ins Wochenende kommt, sind zum Beispiel Übergangsrituale: Das kann ein gedanklicher oder sogar ein konkreter Schlussstrich sein. Die Person kann außerdem am Ende des Arbeitstages die unerledigten Aufgaben kurz aufschreiben und auch notieren, wie diese am nächsten Tag oder nach dem Wochenende gelöst werden können. Das macht den Kopf frei für das Wochenende. 

Und wenn Beschäftigte erreichbar sein müssen und dann gegebenenfalls am Wochenende arbeiten müssen? 

Freizeitarbeit und generell eine erhöhte Wochenarbeitszeit ziehen gesundheitliche Beeinträchtigungen nach sich – das haben viele Studien gezeigt. Deshalb ist es wichtig, am Wochenende oder in der Freizeit abzuschalten. Gleichzeitig beobachten wir aber eine zunehmende Entgrenzung der Arbeit, das heißt, dass sich Beschäftigte ihre Grenzen selbst setzen müssen. Die Anforderungen an die Selbstregulation steigen. Beschäftigte können sich zum Beispiel abgrenzen, indem sie ein räumlich abgetrenntes Arbeitszimmer einrichten oder sich Zeitzonen schaffen, außerhalb derer nicht gearbeitet werden darf.

Aber am Ende sollte doch die Arbeit so organisiert sein, dass Freizeitarbeit vermieden wird? 

Natürlich ist das der Idealzustand. Und auch hier sind die Führungskräfte wieder gefordert: Gute Personal- und Auftragsplanung, ein realistischer Überblick über die aktuellen Belastungen und eine gute Kommunikation mit den Beschäftigten sind wichtig.

Interview: Maren Zeidler

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