Illustration der Glosse Mahlzeit im Magazin topeins
Illustration: CW Haarfeld GmbH
Glosse

Mahlzeit!

Bestseller-Autorin Constanze Kleis schlüpft für topeins in die Rolle von Hausmeisterin Conny. Sie betrachtet alltägliche Dinge der Arbeitswelt aus einem ganz speziellen Blickwinkel.

Waren Sie schon? Ich geh heute nicht. Ich brauche mal eine Auszeit vom Kantinen‑Stress. Den gab’s früher ja nicht. Da hatten wir nur Schweres und Warmgehaltenes. Man hatte gar keine Wahl. Man musste zwangsläufig zu Currywurst, Hackbraten und Schnitzel mit Pommes greifen. Ich meine: Unter 700 Kalorien pro Mittagspause ging gar nichts. Das einzig knackig frische Grün stand im Übertopf auf der Fensterbank und wenn man mal was Gesundes wollte, bestellte man sich eben Kräuterbutter zum Schweine­nacken­steak. Ich hätte vermutlich mehr Nährstoffe zu mir genommen, wenn ich mal über meine Stehleiter geleckt hätte. Nein, das war nicht schön. Deshalb haben ja alle beim Essen über nichts anderes gesprochen, als über das miese Essen und dass sie natürlich sofort zum Rohkost­teller greifen würden, wäre nur einer da.

Jetzt servieren die Betriebs­küchen, wovon wir immer geträumt haben, und nun haben wir den Salat. Und nicht nur den. Es gibt auch Puten­schnitzel OHNE Panade, Vollkornbrot, sogar frisches Obst. Ich habe gelesen, in praktisch allen 14.000 Kantinen hierzulande kann man sich jetzt für „gesund“ und sogar „bio“ entscheiden. Das muss man sich mal vorstellen: links der Schimanski‑Teller, Currywurst mit Pommes rotweiß, rechts der vegane Rote‑Beete‑Auflauf. Sofort fangen Gesundheitsbewusstsein und Versuchung doch an, sich so dermaßen zu kloppen, als wären wir wieder auf dem Schulhof und die eine hätte der anderen die Selfie-Stange weggenommen.

Und ehrlich, nicht wenigen wird da in der Schlange vor der Essensausgabe klar, dass selbst der Grünkohlsalat, den sie gerade für den Hackbraten verschmäht haben, deutlich vernünftiger sein könnte als sie selbst. Natürlich bin ich dankbar für die gigantische Auswahl und ja, das ist echt Wahnsinn. Morgen wieder. Heute gibt es bei mir Käsestullen mit Weintrauben, selbst mitgebracht. Irgendwann muss man sich ja auch mal erholen. Gerade in der Mittagspause und besonders von der Qual der Wahl.

Autorin: Constanze Kleis

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