Ampel zur Förderung betrieblicher Inklusion steht auf grün
Fotos: Thinkstock/Hopfphotography; Universität St. Gallen
Inklusion

Nationale Förderung für betriebliche Inklusion

„Das Budget für Arbeit” trat mit Jahresbeginn bundesweit in Kraft. Ziel: mehr Menschen aus den Behinderten­werk­stätten den Einstieg in den ersten Arbeits­markt zu erleichtern.

Mit dem Budget für Arbeit wird ab 2018 im Rahmen des Bundesteilhabegesetzes ein weiterer Baustein der zweiten Reformstufe greifen, der schon in einigen Bundesländern erprobt wurde.

Künftig sollen wesentlich mehr Menschen mit Behinderung dahingehend unterstützt werden, aus einer Behindertenwerkstatt auf den ersten Arbeitsmarkt zu wechseln. Finanzielle und personelle Unterstützung durch Ämter und Jobcenter soll Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern die Einstellung und dauerhafte Beschäftigung von Menschen mit Behinderung erleichtern.

Finanzielle Unterstützung auf zwei Ebenen

Auf zwei Ebenen soll die Unterstützung erfolgen: Zum einen gibt es einen finanziellen Zuschuss, der bis zu 75 Prozent des gezahlten Arbeitsentgelts ausmachen kann. Zum anderen werden entstehende Kosten für eine personelle Begleitung, einen Jobcoach, von den verschiedenen Leistungsträgern übernommen.

Finanzielle und personelle Hilfe des Budgets für Arbeit sind die notwendigen staatlichen Rahmenbedingungen. Doch gelebte Inklusion ist weit mehr als ein neues Gesetz. Inklusion beginnt im Kopf. Prof. Dr. Nils Jent, Direktor für angewandte Forschung am Center for (Dis)ability and Integration der Universität St. Gallen, beschreibt es folgendermaßen:

„Zu oft werden Diskussionen zum Thema Inklusion ohne die tatsächlich Betroffenen geführt. Wertschätzung und Achtung lässt sich daran erkennen, dass nicht über eine Gruppe von Menschen entschieden wird, sondern dass gemeinsam mit den betroffenen Menschen an Lösungen gearbeitet wird. Nur der Betroffene selbst kann seine Bedürfnisse realistisch einschätzen und wiedergeben.“

„Zu oft werden Diskussionen zum Thema Inklusion ohne die tatsächlich Betroffenen geführt.“

Für Jent ist es wichtig, Menschen mit Behinderung als Teil einer vielfältigen Gesellschaft zu sehen. Die Zusammenarbeit von Menschen mit und ohne Behinderung kann gerade durch die unterschiedlichen Fähigkeiten nicht nur menschlich funktionieren, sondern auch wirtschaftliche Vorteile bringen:

Das Management der Vielfalt – auch bekannt als „Diversity Management“ - zielt auf den konstruktiven Umgang mit der Vielfalt und Verschiedenartigkeit von Menschen ab. So lässt sich beispielsweise ein gemeinsam von Sehenden und sehbehinderten Entwicklerinnen und Entwicklern durchgestaltetes Induktionskochfeld von mehr Menschen gut nutzen. Unterschiedliche Ansprüche werden von Entwicklungsbeginn an mit komplementären Erfahrungshintergründen mitgedacht.

Einbindung in den ersten Arbeitsmarkt gestiegen

Wenn auch langsam, die Inklusion am Arbeitsmarkt macht laut dem Inklusionsbarometer der Aktion Mensch und des Handelsblatt Research Institute (HRI) Fortschritte. Danach sank die Zahl der Arbeitslosen mit Behinderung 2016 auf 170.508 (Vorjahr: 178.809). Die Arbeitslosenquote verbesserte sich gegenüber 2015 von 13,4 auf 12,4 Prozent. Damit verringert sich auch erstmals seit Erhebung der Zahlen vor fünf Jahren der Abstand zur Arbeitslosenquote von Menschen ohne Beeinträchtigung (6,1 Prozent). „Mit einer Verzögerung kommt der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt damit auch bei den Menschen mit Handicap an“, sagt Professor Bert Rürup, Präsident des HRI, der Ende 2017 die neuen Zahlen vorstellte.

Nach Aussage der Aktion Mensch scheut ein Viertel der Unternehmen immer noch den bürokratischen Aufwand, die staatliche Förderung in Anspruch zu nehmen. Auch hier setzt das Budget für Arbeit an. Außer finanzieller und personeller Hilfe innerhalb der Betriebe bieten die Bundesagentur für Arbeit und die Integrationsämter der Bundesländer sowohl eine Beratung vor Ort an, welche Fördermittel beantragt werden können, als auch Unterstützung bei der Antragstellung.

Entscheidend ist, dass Inklusion nur gelingen kann, wenn sie auch wirklich gelebt wird. Das bedeutet einen gewissen Aufwand für das Unternehmen. Sie darf auch nicht nur auf dem Papier als Unternehmensziel festgehalten werden, weil es gut klingt und marketingtechnisch das Unternehmensimage fördert.

Autorin: Katharina Münster

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