Hausmeisterin Conny
Glosse

Prima Klima!

Bestseller-Autorin Constanze Kleis schlüpft für topeins in die Rolle von Hausmeisterin Conny. Sie betrachtet alltägliche Dinge der Arbeitswelt aus einem ganz speziellen Blickwinkel.

Alle reden vom Wetter. Ich auch. Gerade wehte nämlich eine ausgewachsene Kaltfront an mir vorbei. Sie kam allerdings nicht aus Island, sondern aus dem Konferenzraum und sie konnte sprechen. Herr Krause, der Neue aus der IT, sagte nämlich: „Sie haben wohl so gar nichts zu tun?! Bevor Sie hier weiter untätig herumstehen, könnten Sie sich nützlich machen und mir einen Kaffee holen.“ Es war eindrücklich zu spüren, wie die gefühlte Temperatur sofort in Bereiche absackte, in denen selbst Pinguine Probleme mit dem Überleben hätten.

Ja, auch Firmen haben ein Klima und das ist mindestens so sensibel wie Veronica Ferres. Schon ein einziges Sturmtief in Gestalt eines cholerisch-herrischen Kollegen kann eine an sich milde Wetterlage in einen Eissturm verwandeln, in dem Teamgeist, Fairness und Respekt wie Fischstäbchen in kürzester Zeit zu Permafrost schockgefroren sind. Was ein Mangel an Lob und konstruktivem Feedback anrichtet, wenn Führungskräfte den Dieter Bohlen geben und Kritik als öffentliches Auspeitschen inszenieren, illustrieren Bilder der Atacama- Wüste, des trockensten Orts der Welt, wo es nie regnet und nichts wächst. Und wenn eine Tratschtante wie Frau Müller mal wieder über Kolleginnen herzieht – O-Ton: „Wenn die weiter so isst, braucht sie bald eine eigene Postleitzahl!“, – ist förmlich zu spüren, wie die Atmosphäre von einem dichten Wolkenband aus Häme eingetrübt wird.

Umgekehrt können Wertschätzung, Vertrauen, Freundlichkeit für ein derart mentales Azorenhoch sorgen, dass Badeanzug und Sonnenbrille als passende Arbeitskleidung erscheinen – so hell strahlt die Arbeitszufriedenheitssonne auf ein fröhlich werkelndes Team. Zum Glück bin ich Hausmeisterin und also Expertin für Temperaturregulierung, nicht nur an Heizungen. Ich weiß auch, wie man an der innerbetrieblichen Klimaanlage dreht. Deshalb habe ich Herrn Krause zwar keinen Kaffee gebracht, ihm aber unter der Hand einen neuen Schreibtischstuhl besorgt, der besser zu seinen Bandscheibenproblemen passt und Frau Müller nicht erzählt, dass ihm gerade die Ehefrau abhandengekommen ist, wie er mir mit neu erwachter Zutraulichkeit anvertraute. Am Ende bin ich ja nicht nur Hausmeisterin, sondern auch Wettergott.

Trotzdem dürfen Sie natürlich weiterhin ‚Du’ und ‚Conny’ zu mir sagen. Aber fragen sie mich nie, wirklich nie, ob ich nichts zu tun habe. Es sei denn, Sie möchten erleben, wie auch in Mitteleuropa und in geschlossenen Räumen ein Tropensturm entsteht.

Autorin: Constanze Kleis

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