Vertrauen
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Aus Wissenschaft und Forschung

Sicherheit ist auch Vertrauenssache

Vertrauen kann sich positiv auf Sicherheit und Gesundheit auswirken – und gilt als wichtiges Kriterium für ein gutes Betriebsklima. Doch nicht jede Form von Vertrauen ist nützlich. Das Institut für Arbeit und Gesundheit (IAG) in Dresden entwickelt in einer internationalen Studie ein Tool, um Vertrauen in Unternehmen und Organisationen zu analysieren.

Die Arbeitswelt wird komplexer – und es ist heute wichtiger denn je, auch in ungewissen Situationen handlungsfähig zu bleiben. Damit das gewährleistet ist, spielt Vertrauen eine große Rolle. Es geht zunächst einmal um das zwischenmenschliche Vertrauen in Vorgesetzte oder in die Kollegin oder den Kollegen. Es gibt aber, auf einer etwas abstrakteren Ebene, auch institutionelles Vertrauen: Kann ich der Organisation trauen, dem automatisierten System, dem Arbeitsschutzsystem?  

Vertrauen gilt als ein Faktor, den Teams und Unternehmen unbedingt brauchen, um erfolgreich handeln zu können. Doch will man Vertrauen fördern, stellen sich eine Reihe von Fragen: Welche Art von Vertrauen fördert überhaupt die Entwicklung einer guten Sicherheits- und Gesundheitskultur, welche verhindert diese eher? Wie wichtig ist im Unternehmen zum Beispiel ein regelbasiertes Vertrauen und woran lässt sich dies festmachen? Wie lässt sich feststellen, ob die zwischenmenschlichen Beziehungen im Unternehmen auf Wohlwollen und Integrität begründet und damit förderlich für Sicherheit und Gesundheit sind?

In einer internationalen Studie erforschen die Koreanische Arbeitsschutzagentur KOSHA (Korea Occupational Safety and Health Agency), das IAG und die Firma WissensImpuls die Rolle von Vertrauen für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Während der Studie werden ein Fragebogen und ein Vertrauens-Assessment entwickelt, die beide direkt im Unternehmen eingesetzt werden können.

Fünf Faktoren des Vertrauens

Vertrauen heißt: positive Erwartungen an andere zu haben. „Im Projekt wird auch zwischen funktionalem Vertrauen und sogenanntem echten Vertrauen unterschieden“, erklärt Dr. Ulrike Bollmann vom IAG. Funktionales Vertrauen bedeutet, sich begründet auf jemanden zu verlassen; echtes Vertrauen hingegen meint eine wohlwollende Grundannahme, dass jemand vertrauenswürdig ist.

Zu Beginn der Studie wurde eine ausführliche Literaturanalyse in der Republik Korea und in Deutschland durchgeführt. „Wir haben aus der Analyse Faktoren des Vertrauens abgeleitet“, berichtet Bollmann, „nämlich Zusammenarbeit, Vorhersehbarkeit, Kompetenz, soziale Unterstützung und Fairness“. Jeder dieser Faktoren ist nochmals mit konkreten vertrauensrelevanten Indikatoren unterlegt. Auf dieser Grundlage wird nun von koreanischer Seite ein standardisierter Fragebogen entwickelt. Ziel ist es zu messen, wie sich Vertrauen auf Sicherheit und Gesundheit im Unternehmen auswirkt. Von Seiten des IAG wird ein umfassendes Vertrauens-Assessment entwickelt, aus dem auch konkrete Handlungsoptionen erarbeitet werden können. 

Das Vertrauensprofil

Im Vertrauens-Assessment werden Gespräche und Workshops mit Führungskräften und Beschäftigten durchgeführt, Dokumente und Prozesse untersucht und Abläufe beobachtet. So entsteht ein umfassendes Vertrauensprofil. „Beispielsweise geht es beim Faktor Zusammenarbeit um die Frage, wie Informationen und Erfahrungen innerhalb und zwischen den Bereichen eines Unternehmens ausgetauscht werden“, erklärt Robert Gründler von WissensImpuls. Interessant ist zum Beispiel, ob sich die Beschäftigten gegenseitig unterstützen oder ob die Zusammenarbeit auf Augenhöhe stattfindet. Das Assessment wird nicht nur direkt im Unternehmen eingesetzt, sondern kann auch vom Unternehmen selbst durchgeführt werden.

Kulturübergreifend

Im kommenden Jahr sollen die Ergebnisse aus Korea und Deutschland unter kulturellen Aspekten miteinander verglichen werden. „Ziel der Studie ist es, den Fragebogen und das Assessment so weiterzuentwickeln, dass beide Instrumente in beiden Ländern eingesetzt werden können“, erklärt Dr. Kyungwoo Kim von KOSHA. Multinationale Unternehmen mit Standorten in Deutschland und der Republik Korea für die Testphase werden aktuell noch gesucht.
 

Autorin: Maren Zeidler

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