© Thinkstock/gorodenkoff
Führungskultur

Wissen weitergeben

Die Belegschaft in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen wird immer älter. Das stellt Arbeitgebende vor Herausforderungen: Sie müssen dafür sorgen, dass wertvolles Wissen erhalten bleibt – auch wenn ältere Beschäftigte ausscheiden.

Als Heike Wilts vor einem Jahr die Leitung der Abteilung Konsortialfinanzierung Mittelstand der NRW Bank in Münster übernahm, trat sie in große Fußstapfen. Ihr Vorgänger ging nach mehr als 40 Jahren in Rente. „Er kannte alle Ecken und Winkel der Bank“, sagt Wilts. Als die NRW Bank im Jahr 2002 aus der ehemaligen Westdeutschen Landesbank Girozentrale hervorging, war er schon mehr als 20 Jahre im Bankgeschäft gewesen – und hatte Wissen gesammelt, das niemand sonst besaß. 

Um solches Wissen nicht zu verlieren, sorgt die NRW Bank vor: Alle Führungskräfte müssen ihre Prozesse und Entscheidungen akribisch dokumentieren. Für die Übergabe plant die Bank außerdem viel Zeit ein. Wilts beispielsweise arbeitete mehr als ein Jahr lang Seite an Seite mit ihrem Vorgänger. Ein Glück, wie sie rückblickend sagt: „So hatte ich genügend Zeit, mich intensiv mit den Prozessen zu befassen.“

Herausforderungen in Sicht

Die Förderbank steht beispielhaft für einen gesamtgesellschaftlichen Trend: Die Belegschaft in deutschen Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen wird immer älter. Im Jahr 2012 waren laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes bereits ein Drittel aller Erwerbstätigen älter als 50 Jahre. „Der Anteil älterer Beschäftigter wird weiter steigen“, sagt Tobias Belz, Leiter des Sachgebiets Beschäftigungsunfähigkeit im Fachbereich Gesundheit im Betrieb der DGUV. „Dazu kommt, dass viele Beschäftigte deutlich früher in Rente gehen, als es der Gesetzgeber mit dem Rentenalter von 67 Jahren vorgesehen hat.“ Das stellt Arbeitgebende vor zahlreiche Probleme: Sie müssen sich um Nachwuchs bemühen und gleichzeitig dafür sorgen, dass das Wissen der älteren Beschäftigten nicht verloren geht. Dabei gilt: Wer sich heute schon auf die anstehenden Herausforderungen vorbereitet, kann langfristig profitieren.

Lernen im Tandem

Eine Strategie, um Wissen zu bewahren, sind Lernpartnerschaften: Jung und Alt arbeiten hierbei Seite an Seite. „Jüngere profitieren vom Insider-Wissen und von den Erfahrungen der Älteren“, erklärt Belz. „Aber auch ältere Beschäftigte können vom Nachwuchs etwas lernen, beispielsweise über neue Technologien und Arbeitsverfahren.“

Lernen im Tandem hat sich beim Automobilkonzern Daimler bewährt: Die Stuttgarter setzen auf sogenannte „Senior Experts“, also ältere Beschäftigte, die jüngere mit ihrem Wissen unterstützen. Mehr als 600 von ihnen gibt es im gesamten Konzern, vor allem in produktionsnahen Bereichen sowie in der Forschung und Entwicklung.

Als weitere Strategie kommt ein unternehmensweit verankertes Wissensmanagement in Frage. Wenn Beschäftigte, wie bei der NRW Bank, ihre Prozesse dokumentieren, können andere später problemlos darauf zurückgreifen. Zudem können Datenbanken helfen, wichtige Informationen über Kunden zu notieren.

Auch das Plaudern aus dem Nähkästchen führt zum Ziel: Beiträge im Intranet über Erfolgsgeschichten des Unternehmens geben jüngeren Beschäftigten Einblicke in die Vergangenheit und helfen ihnen, Prozesse und Entscheidungen besser zu verstehen. Einige Unternehmen bitten ältere Führungskräfte außerdem, Vorträge über ihre Arbeit und ihre Erfahrungen zu halten. Egal für welche Strategie man sich am Ende entscheidet: Die Hauptsache ist, dass Unternehmen und öffentliche Einrichtungen sich um den Wissenstransfer frühzeitig bemühen – und nicht erst kurz bevor jemand in den Ruhestand geht.

Autorin: Anna Friedrich

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Illustration, Frau im Hausmeisterkittel hält sich die Nase zu.
Hausmeisterin Conny

Duftnoten

Bestseller-Autorin Constanze Kleis schlüpft für topeins in die Rolle von Hausmeisterin Conny. Sie betrachtet alltägliche Dinge der Arbeitswelt aus... Weiterlesen

Fotomontage Taunusstein, Rathaus in Stoppuhr

Eine Stadt startet durch

Der Bürgermeister von Taunusstein verordnet der Verwaltung einen Kulturwandel und stellt die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit in den... Weiterlesen

Crowdworking will versichert sein

Beschäftigte gesucht und gebucht im Internet – vermittelt von einer digitalen Plattform. Doch wer übernimmt die Beiträge zur Sozialversicherung? Dr.... Weiterlesen