Illustration, Frau im Hausmeisterkittel wird von einem Hund an der Leine geführt.
Illustration: © Thomas Walloch
Glosse

WORK- DOG- BALANCE

Bestseller-Autorin Constanze Kleis schlüpft für topeins in die Rolle von Hausmeisterin Conny. Sie betrachtet alltägliche Dinge der Arbeitswelt aus einem ganz speziellen Blickwinkel.

Als Hausmeisterin gehört es praktisch zur Arbeitsplatzbeschreibung, Hunde nicht zu mögen. Also wenigstens fünf Tage die Woche, jeweils zwischen 8 und 17 Uhr. Ich meine: Wer muss am Ende die zerbissene Auslegeware ersetzen? Die angenagte Schreibtischplatte? Die Erde aus dem Büropalmentopf? Weil Rocky oder Luna oder Rüdiger sie mit ihrer Hundewiese verwechselten? Wer?

Aber dann bin ich Franz begegnet und der hat mich mit seinen schönen großen braunen Augen glatt um den Finger gewickelt. Obwohl sein Herz längst Frau Schmidt, seinem Frauchen, gehört. Die darf den Golden-Retriever-Mischling seit neuestem ins Büro mitbringen, weil so ein Vierbeiner – behaupten Studien – praktisch sofort den Blutdruck einer ganzen Abteilung senkt und mehr zur Entspannung beiträgt als die Aussicht auf einen Brückentag. Demnach ist Franz jetzt schon Mitarbeiter dieses Jahres, weil er als soziales und emotionales Nutztier gleichzeitig als Entspannungshilfe, Motivationscoach und auch Heiler arbeitet. Denn angeblich lässt so ein Hund wegen seiner stimmungsaufhellenden Wirkung auch den Krankenstand schrumpfen. Und das alles für lau oder sagen wir: bloß für ein paar Leckerli und dafür, dass man gelegentlich länger die Luft anhalten muss als ein Perlentaucher. Weil Franz gelegentlich doch sehr unter Blähungen leidet. Insgesamt aber muss man wohl sagen: Wo ein Hund ist, da ist gut arbeiten. Und umgekehrt, dass dort, wo der Vierbeiner fehlt, man nicht bloß auf Biss-Spuren in Lederhandtaschen verzichten muss.

Schließlich sollte es einem zu denken geben, dass Donald Trump als erster Präsident der USA überhaupt kein Haustier hat. Im Unterschied zu seinem Vorgänger Obama, der mit Bo und Sunny zwei reizende Portugiesische Wasserhunde beherbergte, eine Rasse, die besonders intelligent und gelehrig sein soll. Vermutlich fürchtet Trump nicht nur, dass sogar ein Vierbeiner die Weltpolitik besser versteht als er, sondern auch, dass man ihm die Show stehlen könnte. So wie es Nemo, von Beruf französischer Präsidentenhund, kürzlich tat, als er vor laufender Kamera und also der Weltöffentlichkeit in den Kamin von Emmanuel Macrons Büro pinkelte. Ja, so ein Tier bringt auch Leben in den drögen Arbeitsalltag. Und zwar in ganz großem Maßstab. Allein bei Google sollen mittlerweile 1.500 Mitarbeiter ihren Liebling mit zur Arbeit bringen. Alles für die Work-Dog-Balance. Nur gut, dass Franz so eine beruhigende Wirkung hat, sonst wäre mein Blutdruck bei diesen Aussichten schon wieder in schwindelerregenden Höhen. 

Autorin: Constanze Kleis

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