BG Kliniken im Einsatz
©Jan Pauls Fotografie
BG Kliniken

Zurück in den Alltag

Gestürzt, geschnitten, auf dem Weg zur Arbeit verunfallt: Jeden Tag passieren in Deutschland im Schnitt 2.900 Arbeits- und Wegeunfälle. Viele Verletzte werden in Spezialkliniken der gesetzlichen Unfallversicherung nicht nur behandelt, sondern abgestimmt auf ihren Arbeitsplatz bis zur Rückkehr in den Beruf begleitet.

Der Ingenieur Felix Roth fuhr in seinem Auto zu einer seiner Baustellen, als vor ihm ein Unfall passierte. Zum Ausweichen blieb ihm keine Zeit. Der Aufprall verletzte Roth schwer: Er hatte innere Blutungen, Frakturen an der Wirbelsäule und mehrere Knochenbrüche. Per Rettungshubschrauber wurde er ins nächstgelegene BG Klinikum gebracht.  Ein Team aus Ärztinnen und Ärzten operierte ihn mehrfach, er überlebte. 

Spezialisierung auf mehrfach Schwerverletzte 

Für die Beschäftigten der BG Kliniken sind solche Fälle Alltag, denn sie sind auf die Behandlung von Schwerstverletzten spezialisiert. „Unsere Kliniken können auch komplizierte Fälle bestmöglich behandeln, da sie über moderne Technologien und neueste Verfahren verfügen“, erklärt Eike Jeske, Leiter der Unternehmenskommunikation der BG Kliniken. Doch die spezialisierten Institute übernehmen weit mehr als die Behandlung von Unfallopfern: Sie verfolgen ein ganzheitliches Konzept und begleiten Unfallopfer vom Unfallort über die akute Behandlung und die Rehabilitation bis hin zur Rückkehr in den Alltag. Pro Jahr behandeln mehr als 13.000 Beschäf tigte der Kliniken rund 560.000 Menschen.

„Rehabilitation vor Rente“

Im Mittelpunkt steht die nachhaltige Wiedereingliederung der Patientinnen und Patienten in das gesellschaftliche, soziale und berufl iche Umfeld. Eine besondere Rolle kommt dabei der Rehabilitation zu. Als Basis dient das sogenannte BG Heilverfahren: Es soll eine lückenlose Versorgung vom Unfall bis zum Abschluss der Rehabilitation garantieren. Die Arbeit der Behandelnden läuft dabei nach dem Prinzip „Rehabilitation vor Rente“. Je nach Art und Schwere der Erkrankungen oder Verletzungen kommen individuelle Reha-Maßnahmen zum Einsatz. Um die Rehabilitation stetig zu verbessern, stellen die Unfallversicherungsträger ihre Maßnahmen immer wieder auf die Probe. So wie in der BG Unfallklinik in Ludwigshafen: Dort überprüfen die Verantwortlichen aktuell die Wirksamkeit des Rehaverfahrens „Tätigkeitsorientierte Rehabilitation“ in einer Studie. 

Training von beruflichen Bewegungsabläufen 

So geschehen bei Süleyman Kayikci: Der Lkw-Fahrer verletzte sich beim Beladen eines Fahrzeugs schwer, eine Hebebühne zerquetschte seine Hand. Nach zahlreichen Operationen mussten ihm die Behandelnden letztlich eine Fingerkuppe amputieren. In der Reha der BG Klinik Ludwigshafen trainierte er, um wieder in seinen Beruf zurückkehren zu können. Gemeinsam mit seinem Ergotherapeuten Thilo Wendt übte Kayikci unter anderem den Umgang mit schwerer Ladung sowie das Ein- und Aussteigen an einem Lkw, der im Hof der Unfallklinik zur Verfügung steht.

Integrierte Versorgung bis zur Rückkehr in den Beruf

Die Arbeit mit den verletzten Menschen endet nicht mit der Entlassung, sondern erst, wenn diese vollständig in Alltag und Beruf zurückgekehrt sind. Das kann unter Umständen viele Jahre dauern: „Wir kümmern uns, wenn nötig, ein Leben lang um die betroffene Person“, sagt Eike Jeske. Damit das gelingt, müssen alle Fachbereiche der Kliniken und die Unfallversicherungsträger eng zusammenarbeiten und sicherstellen, dass die Behandlungsphasen nahtlos ineinander übergehen. Koordination und Planung werden von den Reha-Managerinnen und -Managern der Unfallversicherungsträger übernommen. 

Optimaler Wiedereinstieg in den Beruf

Auch für Führungskräfte sind schwere Unfälle von Beschäftigten eine große Herausforderung. Zur Sorge um die Mitarbeiterin oder den Mitarbeiter kommt, dass eine wichtige Arbeitskraft ausfällt. Deshalb arbeiten die Fachkräfte der Unfallversicherungsträger auch mit den Unternehmen zusammen, deren Beschäftige sie versorgen. „Das Reha-Management steht in engem Kontakt mit den Arbeitgebenden. So kann die Therapie so nah wie möglich an den berufl ichen Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten ausgerichtet und individuell abgestimmt werden“, sagt Jeske. Resultat der gut verzahnten Zusammenarbeit ist ein Therapieplan, der die Verletzten optimal auf einen Wiedereinstieg in den Beruf vorbereitet. So lernte Lkw-Fahrer Kayikci beispielsweise während seiner Therapie in Ludwigsburg ganz gezielt, schwere Gasflaschen zu rollen und sicher zu verladen, da 
dies seinen alltäglichen berufl ichen Anforderungen entspricht.

Die Reha-Managerin von Ingenieur Roth wiederum rief Monate vor dessen Wiedereingliederung bei seinem Arbeitgeber an, um die ersten Schritte zur Rückkehr in den Beruf zu besprechen und die Therapiemaßnahmen auf seine beruflichen Anforderungen abzustimmen. Nach vielen Monaten der Reha arbeitet Roth mittlerweile wieder als Ingenieur und steigt auf Leitern und Baustellengerüste. Der Fall von Ingenieur Felix Roth wurde auch in einer Doku der BG Kliniken aufgegriffen.

Autorin: Anna Friedrich

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Training mit einem Roboteranzug bei verletzter Wirbelsäule
Erfolgreiche Rehabilitation

Wieder laufen lernen im Roboteranzug

Verletzungen der Wirbelsäule führen meist zu einem Leben im Rollstuhl. Ein Training im Roboteranzug kann helfen, die Gehfähigkeit zu fördern. Weiterlesen

BEM

Zurückkommen und bleiben

Sechs Wochen ausfallen und dann voll durchstarten? Das geht selten gut. Mit einem Eingliederungsmanagement fahren Betriebe deutlich besser. Weiterlesen

Maschinenmanipulation

Null Toleranz bei Manipulation

Jedes Jahr passieren tausende Arbeitsunfälle, weil Produktionsmaschinen manipuliert werden. Für Unternehmen bedeutet das ein großes Risiko. Durch... Weiterlesen