Fünf Beschäftigte halten Sterne hoch
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Anreizsysteme

Auszeichnungen fördern Prävention

Berufsgenossenschaften und Unfallkassen fördern aktiv die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Das Mittel der Wahl: sogenannte Anreizsysteme. Wer die Systeme kennt und nutzt, profitiert zweifach.

Als erster Handwerksbetrieb in Norddeutschland hat die GS-Gabelstapler Service GmbH die Anreizsysteme der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) für sich entdeckt. Inzwischen wurde sie zum vierten Mal in Folge mit deren Gütesiegel „Sicher mit System“ für ihren gut organisierten Arbeitsschutz ausgezeichnet. Für verbesserte Ergonomie beim Heben von Hubwagen kam ein Sicherheitspreis der BGHM hinzu. Die Betriebsleitung ist überzeugt, „dass es am ehesten zu erreichen ist, Arbeitsunfälle zu vermeiden und Mitarbeiter gesund zu erhalten, wenn Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz Teil des Betriebsmanagements sind und so zur Führungsaufgabe werden“. 

Mit allen geeigneten Mitteln

„Sicher mit System“ ist ein Managementsystem für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, das speziell für kleine und mittelständische Unternehmen entwickelt wurde. Ähnliche Arbeitsschutzmanagementsysteme (AMS) bieten auch alle anderen Berufsgenossenschaften (siehe Infokasten). Die Grundidee ist stets gleich: Wer sich engagiert, der profitiert – je nach Modell durch Prämiennachlässe, Gütesiegel oder Fördergelder. Anreizsysteme sind keine netten Gesten der Unfallversicherungsträger (UVT), sondern werden vom Sozialgesetzbuch VII (SGB VII) gefordert. Nach § 14 sollen die UVT „mit allen geeigneten Mitteln“ für das Verhüten von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren sorgen. Gemäß § 162 Abs. 2 SGB VII können sie ihren Mitgliedsbetrieben zudem Prämien gewähren. Dabei ist die Wirksamkeit der von den Unternehmen zu diesem Zweck getroffenen präventiven Maßnahmen zu berücksichtigen.

Materielle und ideelle Anreize

In der aktiven Präventionsarbeit nutzen die Unfallversicherungsträger unterschiedliche Verfahren, die auf materiellen und/oder ideellen Anreizen beruhen. Von finanziellen Vorteilen profitieren Unternehmen unter anderem durch:

  •    Beitragszuschläge oder -nachlässe, zum Beispiel für Betriebe, die bestimmte Präventionsmaßnahmen durchführen oder ein AMS implementieren
  •    Prämiensysteme mit Prämien in drei- bis sechsstelliger Höhe für Betriebe, deren Engagement für eine gesunde Belegschaft über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinausgeht
  •    Arbeitsschutz-Förderpreise, etwa den Förderpreis der BG RCI, mit 100.000 Euro der höchstdotierte Arbeitsschutzpreis in Deutschland

Nichtfinanzielle Belohnungen gibt es durch:

  •    Ideenwettbewerbe zu Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, mit öffentlichkeitswirksamen Preisvergaben, Pressearbeit und Ehrungen
  •    Gütesiegel, Urkunden oder andere Auszeichnungen als Anerkennung für Präventionsleistungen oder ein AMS

Ähnliche Bonus- oder Incentivesysteme werden auch von den Unfallkassen angeboten, etwa für Schulen oder für Feuerwehren.

Zuschüsse in Millionenhöhe

Für teilnehmende Betriebe zahlt sich Prävention also mehrfach aus. Zu geringeren Unfallraten kommen Anerkennung und finanzielle Boni. Betriebe der BG BAU zum Beispiel nutzen intensiv das breite Angebot im Prämienkatalog und erhalten Zuschüsse für Entstauber, Arbeitsbühnen oder Sonnenschutz. Dafür setzen die Berufsgenossenschaften hohe Beträge ein. So hat die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) im Jahr 2018 mehr als 2,5 Millionen Euro allein an Betriebe der Fleischwirtschaft ausgeschüttet.

Die Wirksamkeit eines AMS wird oft noch unterschätzt. Dabei sind spürbare Verbesserungen belegt – sowohl aus Sicht der Unternehmen als auch aus Sicht der Beschäftigten. Mehr als 3.700 Betriebe mit über 730.000 Beschäftigten nutzen in Deutschland bereits ein UVT-zertifiziertes Managementsystem für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Teilnehmende Betriebe nennen als häufigste Vorteile:

  •    klare Verantwortlichkeiten
  •    besser organisierte Abläufe im Arbeitsschutz 
  •    gut nachvollziehbare Dokumentation
  •    verbessertes Arbeitsschutzbewusstsein

Last, but not least: Die Zahl der Arbeitsunfälle und die dadurch bedingten Fehlzeiten sinken nachweislich. Zudem steigt die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Autor: Friedhelm Kring

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