Coronavirus: Was können Betriebe tun?
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Pandemieplanung

Corona: Für den Ernstfall gerüstet

Das Coronavirus beherrscht die Medien und beschäftigt die Menschen. Mit der offiziellen Erklärung von SARS-COV-2 zur Pandemie bedarf es einer betrieblichen Pandemieplanung, um die weitere Ausbreitung der Erkrankung Covid-19 einzudämmen. Eine Anleitung zur Planung und Aushänge für den Betrieb bietet topeins.

In der Straßenbahn morgens auf dem Weg zur Arbeit schon die Diskussion: Ist das neue Virus nun schlimmer oder weniger gefährlich als die „herkömmliche“ Grippe? Am Arbeitsplatz angekommen wartet im Postfach eine Mail der Arbeitgeberin mit dem Betreff „Covid-19“. Es ist nicht die Erste in dieser Woche, die die Mitarbeitenden beruhigen soll: alles unter Kontrolle. Im Drogeriemarkt sind währenddessen die Desinfektionsmittel ausverkauft. Durch die Sozialen Medien geistern Bilder von leeren Nudelregalen. Wenn die Menschen hin- und hergerissen sind zwischen Furcht und Gelassenheit, wenn selbst die Medien schwanken zwischen sachlicher Information und Panikmache, dann ist es für die Verantwortlichen in den Betrieben besonders wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren. Was dabei hilft: ein planvolles Vorgehen. Für den Ernstfall sollte daher generell eine betriebliche Pandemieplanung vorliegen. Doch auch, wenn es einen solchen Plan (noch) nicht gibt: Wer jetzt handelt, kann seine Mitarbeitenden schützen und sich gut aufstellen. Folgende Punkte helfen dabei. 

Kommunikation ist das A und O

Um Falschinformationen zu unterbinden, ist es wichtig, klar und ohne Panikmache zu kommunizieren. Deutliche Anweisungen von Seiten der Führungskraft und des Betriebs sorgen für Handlungssicherheit.

  • Kommunikation sollte zentral laufen und Informationen nicht von Ebene zu Ebene weitergereicht werden. 
  • Interne Ansprechpersonen (und Vertretungen), die Entscheidungen treffen können, sollten benannt werden. Alle im Betrieb sollten wissen, wer diese Personen sind. In größeren Betrieben kann es sinnvoll sein, einen Krisenstab zu bilden.
  • Festlegen, was wie kommuniziert wird. Die Informationen sollten sachlich, klar und aktuell sein. Ein funktionierender Informationsfluss wirkt Ängsten entgegen. Wichtige Impulse zu einer guten Kommunikation im Betrieb gibt auch die Kampagne kommmitmensch der DGUV. 
Individuelle Maßnahmen der Beschäftigten unterstützen

Durch Aushänge am Schwarzen Brett und in den Toilettenräumen oder Meldungen im Intranet sollten die Beschäftigten auf grundsätzliche Hygienemaßnahmen hingewiesen und diese auch ermöglicht werden. Das umfasst:

  • Hand- und Nieshygiene
  • Einmalgebrauch von Taschentüchern
  • Regelmäßiges Lüften
  • Bereitstellen von Desinfektionsmitteln, wo nötig

Aushänge zu korrektem Händewaschen und anderen Hygieneplänen zum Bestellen finden sich auf den Seiten der DGUV, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (siehe Infobox) oder beim jeweils zuständigen Unfallversicherungsträger.

Betriebliche Maßnahmen

Doch natürlich sollten nicht nur die einzelnen Beschäftigten individuell vorsorgen. Auch die Arbeitsumgebung spielt eine maßgebliche Rolle:

  • Vor Meetings sollte überlegt werden, ob diese not-        wendig sind – gibt es Alternativen?
  • Anweisungen zu Dienstreisen sollten klar und deutlich sein – Telefon- und Videokonferenzen sind, wenn möglich, vorzuziehen. Es sollte klare Handlungsanweisungen zum Umgang mit Rückkehrenden aus Risikogebieten geben. 
  • Im Fall (und auch im Vorfeld) einer Pandemie sollten Arbeitgebende über eine mögliche Verlagerung der Arbeitsplätze in den häuslichen Bereich nachdenken. Hierzu bedarf es der notwendigen Voraussetzungen, wie der Bereitstellung von Arbeitsgeräten und digitalen Fernzuugriff auf die IT-Systeme. Allerdings gilt auch im Pandemiefall: Arbeitnehmende haben nicht automatisch Anrecht auf das Arbeiten im Homeoffice. 
Geschäftsabläufe auch im Krisenfall aufrechterhalten

Sollte es zu größeren personellen Ausfällen kommen, zahlt sich eine gute Planung aus. Hierfür sollte folgendes vorgehalten werden

  • Eine Rangliste, welche Funktionen (nicht Personen) im Betrieb unbedingt erforderlich sind. Für jede der Funktionen – je nach Wichtigkeit – sollten eine oder mehrere Stellvertretungen benannt und Übergaben vorbereitet sein.
  • Verfahren, wie damit umgegangen wird, wenn Beschäftigte während der Arbeit Krankheitssymptome bekommen, die auf eine mögliche Erkrankung mit dem Coronavirus hinweisen. 
  • Einbeziehen von Betriebsärztin oder Betriebsarzt, zum Festlegen eventuell nötiger Maßnahmen.

All diese Maßnahmen können mit relativ wenig Zeitaufwand umgesetzt werden. Um in Zukunft für den Ernstfall gewappnet zu sein, hilft eine langfristige betriebliche Pandemieplanung. Anhand von Checklisten kann der Ernstfall vorbereitet werden. Pandemieplanung hilft nicht, die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern. Sie kann jedoch dazu beitragen, dass Betriebe handlungsfähig bleiben und volkswirtschaftliche Schäden reduziert werden. 

Wenn Sie mehr Informationen und Unterstützung benötigen, können Sie sich an Ihren zuständigen Unfallversicherungsträger wenden.   

Autorin: Maren Zeidler

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