Illustration: Thomas Walloch, flaticon.com
Glosse

Yes, I can

Bestseller-Autorin Constanze Kleis schlüpft für topeins in die Rolle von Hausmeisterin Conny. Sie betrachtet alltägliche Dinge der Arbeitswelt aus einem ganz speziellen Blickwinkel.

Nicht, dass ich es nicht sowieso gewusst hätte, aber gefreut hat es mich schon, als Herr Dr. Schulze mir letzte Woche sagte: „Ich weiß, Sie schaffen das!“ Fast hätte er mir noch wohlwollend auf die Schulter geklopft, aber dann fiel ihm ein, dass wir ja Corona haben. Also habe ich das Schulterklopfen draußen auf dem Flur gleich selbst erledigt und gemerkt, wie er schon wirkt, der Treibstoff, der Mitarbeitende in ungeahnte Leistungshöhen katapultieren soll: das belebende Gefühl von „Yes, I can“. EMPOWERMENT heißt es und meint so viel wie „Ermunterung zur Selbstständigkeit“. Auf keinen Fall zu verwechseln mit „Aufhalsen von noch mehr Arbeit ohne jede Möglichkeit der Anerkennung“, das sonst 90 Prozent meiner Jobbeschreibung ausmacht.

Herausfordern und ermutigen

Nein, diesmal sollte ich nicht selbst mal eben übers Wochenende die Einzelbüros der oberen Führungsriege neu streichen oder nebenbei einen Abteilungsumzug organisieren. Vielmehr sollte ich unsere Marketing- und Entwicklungsabteilung dabei unterstützen, ein Konzept zu entwickeln, mit dem sich ihre erst vor einem Jahr als absolut agil und förderlich für eine inspirierende und erfolgreiche Zusammenarbeit gepriesene Open-Space-Fläche in einen Arbeitsplatz umwandeln ließe, der auch un­ter dem Aspekt der Gesundheitsförderung wegweisend ist. Nachdem im Open Space, sprich Großraumbüro, aufgrund des erhöhten Lärmpegels weniger geistiger Austausch stattgefunden hatte als gedacht, dafür aber der Austausch von Krankheitskeimen umso reger war, hatte Dr. Schulze dann doch eingesehen – gerade jetzt in Zeiten von Corona –, dass je sechs aneinandergereihte Schreibtische und davon mehrere Reihen hintereinander nicht der Weisheit letzter Schluss sind. Die gehäuften Krankmeldungen der im Open Space Beschäftigten, die deutlich über dem Schnitt der übrigen Abteilungen mit Einzel- und Zweierbüros lagen, hatten Dr. Schulze umgestimmt. Vielleicht lag es auch an seiner jüngsten Schulung zum Thema „Gesund führen“.

Beteiligung hebt Ressourcen

Nun war von Beteiligung und Anerkennung der Beschäftigten die Rede. Und ich als Hausmeisterin sollte meine Kenntnisse im Schalldämmen von Räumen einbringen, die ich mir durch das Einrichten eines Musikzimmers meiner Schlagzeug spielenden Tochter erworben habe. Auch wenn diese Aufgabe eine Herausforderung war: Wir machten uns an die Arbeit und hatten dafür nicht nur weitgehend freie Hand, sondern auch die erforderliche Unterstützung. Unser Konzept kam bei Dr. Schulze sehr gut an. Vor allem aber erklärte es der TÜV für praktikabel und vorbildlich hinsichtlich Ergonomie und Gesundheitsschutz. Und nun muss ich mich entscheiden: Bleibe ich Hausmeisterin oder nehme ich die neue Position als Facility Managerin an? Dr. Schulze ermutigt mich zum Wechsel – nicht zuletzt als gutes Beispiel für sein gelungenes Empowerment.

Autorin: Constanze Kleis

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