Link to header
Erreichbar im Urlaub?
Selbstbestimmt und uneingeschränkt: So dürfen Arbeitnehmende ihren Urlaub laut §1 Bundesurlaubsgesetz verbringen. © iStock/Getty Images Plus/IconicBestiary
Verantwortlich führen

Erreichbar im Urlaub?

Müssen Beschäftigte im Urlaub für den Betrieb erreichbar sein? Wissenschaftsjournalistin Sabine Hockling bringt es auf den Punkt.

Datum: 06.06.2019

Ist der Arbeitstag vorbei, haben viele Berufstätige dennoch das Smartphone immer griffbereit. Denn ob Anruf, SMS oder E-Mail – mittlerweile ist die Kontaktaufnahme außerhalb der Arbeitszeit in vielen Betrieben selbstverständlich. Doch was ist im Urlaub?

Ständige Erreichbarkeit stört die Erholung

Die Digitalisierung hat neben vielen Vorteilen auch den Nachteil der ständigen Erreichbarkeit. Diese kann krank machen, wie diverse Untersuchungen der vergangenen Jahre zeigen. Richtig stressig wird es für Beschäftigte, wenn sie nicht nur nach Feierabend, sondern auch während ihres Urlaubs kontaktiert werden. Doch dürfen Unternehmen das überhaupt und müssen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch im Urlaub erreichbar sein?

Das Gesetz regelt den Urlaubszweck

Klare Antwort: nein! Urlaub dient ausdrücklich der Erholung – das Bundesurlaubsgesetz verlangt es sogar. Ständiges Kontaktieren im Urlaub durch den Betrieb widerspricht dem Urlaubszweck. Daher dürfen Beschäftigte im Urlaub ihr Smartphone ausschalten beziehungsweise Anrufe, E-Mails und Kurznachrichten ignorieren: ohne arbeitsrechtliche Sanktionen wie eine Ermahnung oder gar Abmahnung befürchten zu müssen.

Selbstbestimmt und offline im Urlaub

Nach §1 des Bundesurlaubsgesetzes schulden Arbeitgebende ihren Beschäftigten Erholungsurlaub. Und dazu zählt, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihren Urlaub selbstbestimmt und uneingeschränkt verbringen können. Das wiederum ist nicht gewährleistet, wenn Unternehmen ihre Beschäftigten trotz Urlaubs ständig kontaktieren. Von der Arbeit durchgehend abzuschalten und sich umfassend zu erholen ist dann nicht möglich.

Auch der reguläre Feierabend ist geschützt

Übrigens, auch in ihrer Freizeit müssen Arbeitnehmende nicht an ihr dienstliches Smartphone gehen. Denn Arbeitszeit ist Arbeitszeit und Freizeit ist Freizeit. Laut Arbeitsschutzgesetz müssen zwischen dem Ende einer täglichen Arbeitszeit und dem Beginn einer neuen täglichen Arbeitszeit mindestens 11 Stunden ununterbrochene Ruhezeit liegen. Dienstliche Anrufe und das Beantworten von E-Mails unterbrechen die Ruhezeit und beeinträchtigen die Erholung.

Was sein muss und was sein darf – Sabine Hockling, Sachbuchautorin undWirtschaftsjournalistin (stern, Woche, Zeit online), bringt es auf den Punkt.

Veröffentlicht von: Redaktion