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Ruhig und entspannt arbeiten
Akustik, Farben und Raumaufteilung: Mit der Gestaltung ihrer Innenräume können Arbeitgebende eine angenehme Arbeitsatmosphäre schaffen. © Brigida Gonzalez
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Ruhig und entspannt arbeiten

Innenarchitektur bietet viele Möglichkeiten, Stress im Büro entgegenzuwirken. Farben und Materialien spielen dabei eine große Rolle.

Datum: 06.09.2021

Trübe Beleuchtung, grelle Wandfarbe, hellhörige Räume: Sind Büros schlecht gestaltet, kann sich das negativ auf die Stimmung und die Produktivität der Beschäftigten aus­wirken. Lärm beispielsweise verringert nachweislich die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit.

Wie schwer das Problem wiegt, zeigt eine aktuelle Befragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): Mehr als ein Viertel der befragten Vollzeitbeschäftigten gab an, sich häufig von Geräuschen am Arbeitsplatz gestört zu fühlen. Die Folge: Erschöpfung, Reizbarkeit und Nervosität.

Neues Finanzamt Karlsruhe liefert Anregungen

Wie eine gute Raumakustik stilvoll gelingen kann, demonstriert das kürzlich neu gebaute Finanzamt in Karlsruhe: Die Wände der Flure und Besprechungsnischen hat das Architekturbüro mit Akustikplatten verkleidet, an deren Außenseite sich Lamellen aus Ahorn befinden. Dahinter verbirgt sich ein spezielles Material, das den Schall absorbiert.

„Dies soll auch die Kommunikation unter den Mitarbeitenden fördern. Die Platten schlucken den Schall, wodurch man sich dort sehr ungestört fühlt“, erklärt Ursula Orth, die Leiterin des Amts Vermögen und Bau Baden-Württemberg. Sie beaufsichtigte den Bau des Finanzamts. Verstärkt werde dieser Effekt durch den Teppichboden, der auf den Fluren und in den Loungebereichen ebenfalls Geräusche dämmt.

Kombibüros schaffen Begegnungsräume

Den kollegialen Austausch zu fördern, ist ebenfalls ein wichtiges Ziel der Innenarchitektur des Finanzamts. Ist die Pandemie einmal vorbei, sollen großzügig gestaltete Kombibüros mit offenen Aufenthaltsbereichen eine gute, persönliche Kommunikation zwischen Kolleginnen und Kollegen gewährleisten.

„Die Idee war, Orte zu schaffen, an denen man sich auch mal zufällig begegnen und ins Gespräch kommen kann. Daher war es wichtig, dass diese Kommunikationsbereiche einfach und im Vorbeilaufen erreichbar sind, also sich zum Beispiel nicht am Ende eines Flures befinden“, so Orth.

Raumakustik mit Absorbern verbessern

In Büros können vor allem Gespräche der Kolleginnen und Kollegen stören. Organisationen sollten daher in Räumlichkeiten, in denen viele Menschen zusammenarbeiten, schalldämmende Materialien verwenden. Sogenannte Absorber können mit wenig Aufwand auch in bestehenden Bürogebäuden an Decken oder Wänden angebracht werden.

Von einer Decke hängen graue, zylinderförmige Elemente, die mit Stoff bezogen sind.
Schallabsorber aus Schaumstoff und Textilien verringern den Lärm. Sie lassen sich leicht an Wand und Decke anbringen. © Marco Leiter

Weitere Informationen

Mehr Informationen über die Akustik in Büroräumen finden Sie bei der DGUV.

Mit Farben Leistungsfähigkeit steigern

Farben spielen ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Gestaltung einer Arbeitsumgebung. „Eine farbliche Umgebung, die als angenehm empfunden wird, kann die Leistungsfähigkeit von Beschäftigten um bis zu 25 Prozent steigern“, weiß Farbforscher Prof. Dr. Axel Buether.

Auch in Bestandsgebäuden lassen sich Räume mit Wandfarbe und farbigen Accessoires auffrischen. Vereinfachende Regeln wie „Gelb sorgt für Fröhlichkeit“ oder „Blau fördert die Konzentration“ seien dabei jedoch mit Vorsicht zu genießen.

„Farben können ganz unterschiedliche und gegensätzliche Wirkungen haben“, erläutert der Experte. „Gelb kann zum Beispiel sonnig und freundlich wirken. Mit einer unpassenden zweiten Farbe wie Grün wird Gelb jedoch als kränklich oder schmutzig empfunden.“

Holz sparsam einsetzen

Wichtig sei daher, Farben immer im Gesamtkontext des Raums zu betrachten – wie auch dieses Beispiel zeigt: Braun kann für Gemütlichkeit sorgen. Sind jedoch sowohl Wände als auch der Boden in dieser Farbe gehalten, wirke es schnell bedrückend.

Buether rät in Büros daher zu einem Holzanteil von etwa 30 Prozent. Auch die Funktion des Raums sollte bei der Farbwahl bedacht werden. Für konzentriertes Arbeiten empfiehlt Buether eine kühlere Atmosphäre. „Abgetönte und helle Grautöne an der Wand kombiniert mit einer weiß abgetönten Decke sind ideal.“

Ein Mann sitzt in einem dunkelgrauen Sessel im Flur eines Bürogebäudes. Die Wände sind mit Holz verkleidet, eine Tür ist ebenfalls aus hellem Holz. Der Mann trägt einen hellen Anzug, eine Brille und schaut gerade auf sein Smartphone.
Mit gemütlichen Sitzecken können Organisationen Orte schaffen, an denen Mitarbeitende neue Impulse erhalten und frische Ideen entwickeln. © GettyImages/Tempura

Zwischen warmen und kalten Farben wechseln

Durch den Einsatz anderer Farben – etwa einem hellen Erdton oder zarten Violett – werden warme Kontraste gesetzt. Diese Akzente ließen sich leicht durch Stühle oder Sofakissen setzen wie in den Besprechungsnischen des Finanzamts Karlsruhe. Pausenräume hingegen sollten behaglich und in frischen Farben wie etwa Zitronen- oder Limonentönen gestaltet sein, so der Farbexperte. Auf diese Weise können Beschäftigte in der Pause schneller regenerieren.

Nicht vergessen: Licht

Eine angehme Farbgestaltung bringt letztlich jedoch nichts, wenn es an Tageslicht mangelt. In Karlsruhe etwa lassen bodentiefe Fenster reichlich Licht ins gesamte Gebäude. Zudem sollten Arbeitsplätze möglichst nah an Fenstern im rechten Winkel angeordnet sein. „Es ist wichtig, dass Menschen beim Arbeiten nach draußen schauen können“, bestätigt Buether. Vor allem Personen, die viel vor dem Computer sitzen, entspannen sich bei einem Blick ins Grüne.

Veröffentlicht von: Julien Hoffmann