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Kolumne: Knoten in der Leitung
Wer zusammenarbeitet, sollte auch räumlich nicht zu weit voneinander entfernt sein. © Adobe Stock/OneLineStock.com
Verantwortlich führen

Kolumne: Knoten in der Leitung

Wo sitzt die Führungskraft? Wo sitzt das Team? Und wie wirkt sich das aus? Unsere Kolumnistin Imke König regt Führungskräfte dazu an, einmal über Sitzordnung nachzudenken. Ein sensibles Thema!

Datum: 03.11.2021
Imke König ist Diplom-Psychologin, Psychotherapeutin und Coach. In ihrer top eins-Kolumne gibt sie Führungskräften Tipps für eine ausgewogene Work-Life-Balance und effizientes Stressmanagement, Illustration: Raufeld Medien
Imke König ist Diplom-Psychologin, Psycho
therapeutin und Coach.
 In ihrer top eins-Kolumne gibt sie Führungskräften Tipps für eine ausgewogene Work-Life-Balance und effizientes Stress
management. © Raufeld Medien

Wenn Sie in Ihrem Beruf mit viel Fachwissen zu tun haben, kennen Sie diesen Gedanken bestimmt: „Darüber müsste ich mal ein Buch schreiben“! So geht es mir mit dem Thema „Führungsarchitektur“, das ich in dieser Kolumne einmal anreißen möchte.

Das erste Mal begegnete mir dieses Thema, als ich mit Teams in Kitas zusammengearbeitet habe. Aus Neugierde ließ ich mir die Räumlichkeiten zeigen und bemerkte mit Erstaunen: Ständig geschlossene Feuerschutztüren befanden sich zwischen Kleinteams, die gar nicht miteinander in Kontakt kommen konnten – obwohl sie de facto zusammenarbeiteten.

Ähnliche Konstellation: Teams, die sich auf verschiedenen Stockwerken befanden, sahen sich aufgrund der räumlichen Trennung auch inhaltlich als getrennt an – und war die Treppe noch so kurz. Eigentlich ist es trivial, dass Treppen und geschlossene Türen Barrieren darstellen. Bei der Belegung der Räume schien sie jedoch keiner auf dem Schirm zu haben.

Ungehinderten Flurfunk ermöglichen

Noch spannender ist aber die Frage: Wo sitzt die Führungskraft? Feedback-Workshops, wie ich sie häufig moderiere, bringen interessante Effekte zum Vorschein. Erstes Beispiel: In einem Team fühlten sich diejenigen 
Beschäftigten, die eine Etage über der Führungskraft sowie ihren Kolleginnen und Kollegen saßen, benachteiligt. Das konnte leicht behoben werden, indem die Führungskraft damit begann, eine Morgenrunde zu drehen. Nicht nur, um allen einmal Hallo zu sagen, sondern auch, um Fragen zu beantworten. Mit der Morgenrunde wusste jeder: Morgen früh kommt sie und ich bekomme meine 
Frage beantwortet.

Zweites Beispiel: Ein Teil eines Teams befand sich in einem anderen Raum „um die Ecke“ UND auf einem Flurbereich, den man über eine kleine Stufe erreichte. 
Die „abgetrennten“ Beschäftigten fühlten sich deutlich weniger informiert als diejenigen, die entlang des langen Flurbereichs saßen, mit der Führungskraft mittendrin. Der Flurfunk wurde quasi von der Ecke abgebremst.

Das nicht so stille Örtchen

Dies alles vernahm ich mit Erstaunen. Ich erkannte, dass Teams sehr empfindlich sein können: „Gibt es etwas, was wir hier hinten, hier vorne, hier unten, hier oben nicht mitbekommen?“ Etwas zu sensitiv erschien mir jedoch ein Team, das sich bitter beklagte, dass sich die (Damen-)Toilette gegenüber dem Raum der Führungskraft befand. Sie hätten das Gefühl, dass man zähle, wie oft … Dies sind Momente einer Moderation, in denen Selbstbeherrschung gefragt ist.

Dabei hatte die Führungskraft es mit ihrer offenen Tür nur gut gemeint und schloss sie von nun an. Es wird Sie nicht wundern, dass dieses Team auch in anderen Dingen etwas auf Krawall gebürstet war und wir diese Beschwerde getrost als „(anderes) Thema hinter dem Thema (Toilettentür)“ betrachten dürfen.

Die „immer offene Tür“ ist meiner Ansicht nach sowieso überschätzt und wird viel zu häufig verwendet. Viele Führungskräfte erlauben sich leider keine stille Stunde und lassen sich permanent unterbrechen. Aber das wäre Thema 
eines anderen Buches.

Veröffentlicht von: Redaktion