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Kolumne: Das viel gesungene Lied vom Dialog der Generationen
Wie ist es nun mit den Alten und den Jungen bei der Arbeit? Um Konflikte zwischen Generationen zu lösen, ist Fingerspitzengefühl gefragt. © raufeld

Verantwortlich führen : Kolumne: Das viel gesungene Lied vom Dialog der Generationen

Was denn nun: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ oder „Man lernt nie aus“? Imke König über lebenslanges Lernen, Voneinanderlernen.

Der Volksmund hat zwar viele schlaue Sprüche zu bieten. Nicht selten lassen sie uns aber leider irritiert zurück. Wie ist es nun mit den Alten und den Jungen bei der Arbeit? In letzter Zeit erstaunte mich doch sehr, dass zunehmend ältere Führungskräfte darüber klagten, dass jüngere Mitarbeitende … ja, was denn?

Zum Beispiel gar nicht mehr so hart arbeiten wollten: „Die schreiben sich häufiger mal krank, also wenn wir das damals gemacht hätten, nein, das wäre uns ja gar nicht in den Sinn gekommen!“ Oder: „Die fühlen viel mehr in sich hinein!“ Da könnte ich jetzt frech antworten: Na, fein, dann sparen sich die Jungen ja viele Achtsamkeitsseminare, Kur-Aufenthalte und fortgeschrittene Erschöpfungs­zustände.

Imke König ist Diplom-Psychologin, Psychotherapeutin und Coach. In ihrer top eins-Kolumne gibt sie Führungskräften Tipps für eine ausgewogene Work-Life-Balance und effizientes Stressmanagement, Illustration: Raufeld Medien
Imke König ist Diplom-Psychologin, Psychotherapeutin und Coach. In ihrer top eins-Kolumne gibt sie Führungskräften Tipps für eine ausge­wogene Work-Life-Balance und effizientes Stressmanagement. © raufeld

Ich habe mir daraufhin erlaubt, eine nicht repräsentative Umfrage unter jungen Berufstätigen durchzuführen. Meine Frage: „Was erlebt ihr denn mit den älteren Kolleginnen und Kollegen?“ Überraschenderweise kam als Erstes die Antwort, sie würden von den Älteren entgegengehalten bekommen, dass sie ja diejenigen wären, die den Klimawandel jetzt verhindern müssten. „Ihr habt’s ja in der Hand, wir können nichts mehr machen!“

Das schien sogar bei der Arbeit ein vorherrschendes Thema zu sein – und eine bewundernswerte Art, die Verantwortung für so einiges, auch selbst Verzapftes, an die nächste Generation weiterzugeben. Wie praktisch das doch ist – unbedingt merken!

Die Jüngeren wollen immer alles auf einmal

Ich hake nach: „Was noch – auf die Arbeit bezogen?“ – „Die Jungen wollen immer viel und alles auf einmal, besonders beim Digitalen. Für uns Älteren lohnt sich das doch nicht mehr!“ So hatten es die Jüngeren im Projekt mehrfach gehört. Gerne gepaart mit der pauschalen Behauptung: „Das hat ja vorher auch funktioniert.“ Und schließlich bekam jemand zu hören: „Powerpoint lerne ich nicht mehr, das lohnt sich nicht mehr nach 15 Jahren im Beruf.“ Dies sagte eine Kollegin von 34 Lenzen.

Das alles schien mir kein harmonisches Bild vom Miteinander der Generationen zu zeichnen. Die jüngeren Interviewten brachten sogar mehr Verständnis als die Älteren auf: „Wie viele Jahre habe ich noch und was will ich mir noch antun?“, das dürfe sich jemand nach vielen Arbeitsjahren durchaus fragen. Mit vielen Arbeitsjahren waren aber eher drei Jahrzehnte aufwärts gemeint.

Die Schablonen passen nicht

Nun habe ich fitte Ältere, schlaue Jüngere, schwerfällige Ältere, lahme Jüngere, Faule, Fleißige, Engagierte und Desillusionierte jeden Alters getroffen. Handydaddelnde 20-Jährige und friedlich im Bürosessel schlummernde 60-Jährige. Irgendwie konnten diese Schablonen nicht stimmen.

Die weiseste Zusammenfassung steuerte eine junge Frau Mitte 30 bei: „Ich kann es nie am Alter festmachen, sondern nur an der Perspektive des Einzelnen.“ Da bleibt uns allen wohl doch nur, in jedem Alter die Augen, Ohren und das Herz für die Kolleginnen und Kollegen ganz weit offen zu halten: „Wie siehst du das eigentlich?