Link to header
Kolumne: Vom Katastrophisieren und Hypnotisieren
Geduld, Aufmerksamkeit und die Suche nach Alternativen: Krisenkommunikation verlangt dem Arbeitsteam einiges ab. © Adobe Stock/OneLineStock.com
Verantwortlich führen

Kolumne: Vom Katastrophisieren und Hypnotisieren

K wie Krise und K wie Kommunikation. Das kann kein Zufall sein! Imke König wundert sich über die Sprache in den Medien und gibt Tipps für eine gelungene Krisenkommunikation.

Datum: 24.06.2021
news image
Imke König ist Diplom-Psychologin, Psychotherapeutin und Coach. In ihrer top eins-Kolumne gibt sie Führungskräften Tipps für eine ausgewogene Work-Life-Balance und effizientes Stressmanagement. © Grafik: Raufeld Medien

Wenn ich momentan den Nachrichten lausche – täglich vertrage ich sie aufgrund vielfältiger Wiederholungen nicht –, bemerkt mein geneigtes Psychologinnenohr: Sprache wirkt. Gefühlt zehn bis fünfzehn Mal pro Woche höre und lese ich: „Eine Welle rollt auf uns zu“, „Das wird gewaltig wachsen“, „Angst“, „Ängste“, „Sorgen“.

In der Hypnotherapie bezeichnen wir solche ständigen Wiederholungen als Problemhypnose. Was läuft schlecht, was funktioniert nicht, wie schlecht geht es mir? Auf jeden Fall schlechter, wenn ich dies ständig wiederhole und ausführlich darlege! Geschwind zum „Stattdessen“, sonst macht mich dieser erste Kolumnenteil ganz übellaunig.

Die Suche nach alternativen Lösungen

Nach dem „Stattdessen“ zu fragen ist eine hochinteressante und lösungsorientierte Technik, die Sie sich bitte für diejenigen Kommunikationspartnerinnen und -partner merken, die Ihnen langatmig erläutern, warum sie dies und jenes nicht wollen oder nicht ausführen können.

Es soll ja Menschen geben, die grundsätzlich alles verneinen, ausschließen, abwehren und abwenden wollen – Sie fragen freundlich zurück: „Aha. Dies also nicht. Und was stattdessen?“ Haben Sie bitte Geduld, wenn Sie jetzt auf eine Antwort ohne Negation warten. Gegebenenfalls betreten die Gefragten gerade gedankliches Neuland. Wenn es nötig ist, wiederholen Sie Ihre „Stattdessen“-Frage.

Das Gehirn betritt Neuland äußerst ungern. Der Grund: Es bewegt sich schnell und daher dort am liebsten, wo Dinge bekannt sind, einsortiert sind und die eigenen Ansichten bestätigt werden. Das dauert. Lassen Sie Ihrem Gegenüber Zeit und schauen Sie derweil interessiert aus der Wäsche. Da ich persönlich zum Weitersprechen neige, zähle ich zuweilen innerlich bis zehn. Und staune, welche Antworten dann kommen, von Menschen, die sehr schnell dieses nicht wissen und jenes nicht wollen. Dies zur Mikro-Intervention mithilfe von „stattdessen“.

„Was klappt noch und was wird nicht hinhauen?“

Kommen wir zur größeren Bühne, also der Arbeit mit dem ganzen Team. Während einer Krise oder einer großen Veränderung (Krise versus Veränderung: Merken Sie’s?) ist es absolut notwendig, häufig in Kontakt zu sein, also Präsenz zu zeigen.

Dies geht natürlich auch digital, manchmal sogar einfacher. Krisenkommunikation fängt bei „Wie geht’s euch, wie geht’s mir heute?“ an und geht mit den großen Fragen weiter: „Wie kriegen wir das hin, auch unter schlechten Bedingungen? Was klappt noch, was wird nicht hinhauen und was versuchen wir stattdessen?“ Da ist es wieder, das Zauberwort.

Das Team auf Worst-Case-Szenarien vorbereiten

Aber damit kein Missverständnis aufkommt: Schönreden hilft nicht und verärgert Menschen, die in Not sind und unter Stress stehen. Nicht jedes Pro­blem ist nur eine Herausforderung und darf auch Problem genannt werden. Ein Team auf Worst-Case-Szenarien vorzubereiten, ist ein Teil von Krisen- und Change-Management.

Die Vorstellung, was im schlimmsten Fall getan werden könnte, kann relativieren und ein Gefühl von Handhabbarkeit (Manageability klingt irgendwie flotter) hinterlassen. Sie ist aber nur ein Teil der Krisenkommunikation. Stattdessen könnten Sie … jaja, jetzt reicht’s. Wiederholen ist halt auch ein Teil von Krisenkommunikation.

Veröffentlicht von: Redaktion