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Nachhaltig auf dem Weg
In immer mehr Kommunen sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ordnungsamts auf Fahrrädern unterwegs – statt mit dem Auto. © Picture Alliance/Jan Woitas

Verantwortlich führen : Nachhaltig auf dem Weg

Die Stadtverwaltung von Berlin Treptow-Köpenick setzt sich für mehr Nachhaltigkeit ein. Ein wichtiger Hebel: emissionsfreie Mobilität.

Dienstbeginn beim Ordnungsamt des Berliner Bezirks Treptow-Köpenick. Früher hieß das: ins Auto mit Verbrennungsmotor steigen und losfahren. Heute greifen einige Dienstkräfte zu Fahrradhelm und Warnweste und schwingen sich auf ihre Räder.

Beitrag zum Klimaschutz

Das Amt hat die Fahrradstaffel bereits 2018 eingerichtet. Sie ist eine von vielen Maßnahmen des Berliner Bezirks, um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. „Wir haben in einem breiten Beteiligungsprozess eine kommunale Nachhaltigkeitsstrategie mit 69 Maßnahmen erarbeitet“, erklärt Dennis Lumme, Koordinator für kommunale Entwicklungspolitik. „Sie sind für alle Verwaltungen im Bezirk bindend, nicht nur für das Ordnungamt.“

Sich vernetzen und Synergien nutzen

Maßgebend für die Nachhaltigkeitsstrategie des Bezirks sind die 17 Ziele, denen sich die Vereinten Nationen 2015 im Rahmen der „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ verpflichtet haben.

Die Ziele sind ehrgeizig: Unter anderem sollen alle Menschen Zugang zu sicheren, bezahlbaren und nachhaltigen Verkehrssystemen haben, die Belastung der Luft soll gesenkt und eine globale Treibhausgas-Neutralität erreicht werden. Der nachhaltigen Mobilität kommt eine Schlüsselrolle zu. Die gesamte Gesellschaft soll auf umweltfreundliche Verkehrsmittel umsteigen. Viele Behörden wollen daran mitwirken.

Städte sollen grüner werden

In Treptow-Köpenick konnte das Bezirksamt in der Belegschaft schon viele für eine nachhaltige Fortbewegung gewinnen. „Die Leitung schafft dafür Anreize, zum Beispiel eine Pauschale, wenn Beschäftigte das eigene Rad nutzen, um Dienstgeschäfte zu erledigen“, erklärt Jana Herschelmann, die Klimaschutzbeauftragte des Bezirks.

Zudem hat das Amt eine Lastenrad-Flotte angeschafft, die Bürgerinnen und Bürger kostenfrei zur Verfügung steht. Die Umsetzung solcher Projekte ist Teamarbeit. „Die Prozesse liegen größtenteils in der Hand von Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeitern. Engagierte und dem Thema verbundene Führungskräfte packen mit an“, beschreibt Lumme das Vorgehen im Bezirk.

Er hat außerdem gute Erfahrungen damit gemacht, bundesweiten Netzwerken beizutreten. „Essbare Stadt“ oder „Kommunen für eine biologische Vielfalt“ beispielsweise unterstützen Gemeinden und Städte dabei, städtische Flächen nachhaltiger zu nutzen. Kirchengemeinden, Jugendclubs oder andere kommunale Begegnungsstätten mit ins Boot zu holen, ist laut Lumme ebenfalls empfehlenswert.

Drei Ideen für mehr Nachhaltigkeit

Aufklären
Im Unternehmen Vorträge über Nachhaltigkeitsthemen organisieren, von Fachleuten aus der Wissenschaft oder von Umweltverbänden.

Belohnen
Beschäftigte, die im Urlaub auf Flugreisen verzichten, erhalten einen Extraurlaubstag oder Zuschuss zum Zugticket.

Spielen
Wer radelt am meisten? Zurückgelegte Kilometer auf Dienst- und Arbeitswegen dokumentieren. Die ersten drei Plätze erhalten ein passendes Geschenk, zum Beispiel einen Fahrradhelm.

Immer mehr Beschäftige für Nachhaltigkeit

Auch in vielen anderen Städten haben sich Verwaltungen und Behörden Nachhaltigkeitsziele gesetzt. Corporate Social Responsibility, kurz CSR, heißt das freiwillige Engagement von Unternehmen, sich für soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeitsziele einzusetzen. Das ist nicht nur gut fürs Klima, sondern fördert auch ein menschenwürdiges Zusammenleben.

Unternehmen werden zudem attraktiv für Arbeitsuchende. Denn immer mehr Menschen achten bei der Jobsuche auf CSR-Maßnahmen. So gaben bei einer Befragung der Königsteiner Gruppe aus dem Jahr 2020 mehr als die Hälfte der Befragten an, dass eine ausgeprägte Haltung zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit für sie zu den wichtigsten drei Anreizen gehören, sich für einen Arbeitgebenden zu interessieren.

Interesse für Klimaschutz

Ein ähnliches Bild zeichnet die Universum Student Survey, an der zuletzt 47.000 Studierende teilnahmen. Jede vierte befragte Person gab an, künftige Arbeitgebende vor allem nach der CSR auszuwählen. Nur neun Prozent war die Option auf eine schnelle Beförderung wichtig.

Um sich im Wettbewerb um Arbeitskräfte zu behaupten, ist nachhaltiges Handeln also für Behörden ein wichtiger Hebel. Erfreulich sei laut Lumme vor allem, dass sich der Prozess zu mehr Nachhaltigkeit immer weiter verselbstständige, wenn der Anfang erst einmal gemacht ist.

„Zunächst gilt es, Personen dafür zu gewinnen, weil ein ,zusätzliches‘ Thema vorerst einen Mehraufwand bedeutet. Nach nunmehr fünf Jahren kommunaler Entwicklungspolitik haben jedoch viele den Mehrwert erkannt. Alle Bereiche der Stadtverwaltung handeln dementsprechend und eigenständig.“

Nachhaltigkeit umfasst mehr als Umweltschutz

Wichtig ist es, bei allen Maßnahmen die Sicherheit der Beschäftigten nicht zu vernachlässigen. Wer auf dem Fahrrad ungeübt ist, sollte zunächst für die Unfallgefahr sensibilisiert werden. Führungskräfte können Sicherheitstrainings anbieten. Kommen Lastenräder zum Einsatz, sollten Beschäftigte zudem darin geschult werden, wie sie Ladung gleichmäßig verteilen und sichern.

Faires Arbeiten

Für die Stadtverwaltung bedeutet Nachhaltigkeit nicht nur Umweltschutz, sondern grundsätzlich fairer und widerstandsfähiger zu werden. „Widerstandsfähiger werden die Kommune, die Stadtverwaltung und die Menschen, die hier leben und arbeiten, wenn sie das Zepter des Handelns selbst in die Hand nehmen und aktiv in alle Belange eingreifen können. Das gilt lokal und global“, so Herschelmann.

Eine diversifizierte und starke Demokratie sei dafür der Grundstein. „Letztlich bedeutet Nachhaltigkeit, unsere Lebensgrundlage zu erhalten. Dabei sollte die Verwaltungsebene Vorbild sein.“