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Schülerunfallversicherung: Prävention beginnt beim Bauen
Spielplätze auf dem Schulhof und dem Kita-Gelände zählen zu den Orten, an denen die Sicherheit immer weiter verbessert wird. © Getty Images/ gradyreese
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Schülerunfallversicherung: Prävention beginnt beim Bauen

Die Schülerunfallversicherung nimmt schon beim Bau von Kindertageseinrichtungen und Schule Gesundheitsrisiken in den Blick.

Datum: 04.03.2021

Wenn Kinder auf dem Spielplatz toben, Schülerinnen und Schüler auf dem Schulhof bolzen oder Studierende beim Unisport aktiv sind, passieren schon einmal Unfälle. Geschieht dies während des Besuchs einer Kindertagesbetreuungseinrichtung, Schule oder Hochschule, greift die gesetzliche Schülerunfallversicherung.

Der Versicherungsschutz für Kinder, Schülerinnen und Schüler sowie Studierende gilt seit nunmehr 50 Jahren. 2019 griff er bei insgesamt 1.176.664 Unfällen. Das war knapp ein Prozent mehr Unfälle als im Vorjahr. Insgesamt ist die Zahl der meldepflichtigen Unfälle seit 2014 aber rückläufig, die der Wegeunfälle sogar bereits seit 1998. Die Zahlen beziehen sich auf die Unfälle in Kindertageseinrichtungen, Schulen und Hochschulen.

Schülerunfallversicherung nimmt Gesundheit stärker in den Fokus

Damit sich die Zahl der Unfälle weiter reduziert, ist gute Prävention wichtig. Und zwar nicht reine Unfallprävention wie noch zu Beginn der Schülerunfallversicherung, sondern auch unter Berücksichtigung von Sicherheit und Gesundheit. Bei Bildungseinrichtungen bereits bei der baulichen Planung. „Bei Kindertageseinrichtungen spielen die räumlichen Bedingungen eine wichtige Rolle“, sagt Georg Nottelmann, Sachgebietsleiter Kindertageseinrichtungen der DGUV.

So müssten bei neuen Einrichtungen einerseits Unfallquellen für die betreuten Kinder bedacht und zum Beispiel Maßnahmen zur Vermeidung von Abstürzen, von Stoß- und Quetschgefahren und Gefahren durch elektrische Anlagen ergriffen werden.

Andererseits sei es aber genauso wichtig, gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten zu schaffen. Diese bräuchten Rückzugsräume, und die Raumakustik sei so zu gestalten, dass sowohl für die Kinder als auch die Beschäftigten keine erhöhte Lärmbelastung entstehe.

Gesundheitliche Belastungen verringern

Die gesundheitlichen Belastungen für das Personal haben die DGUV und die Unfallkassen in den vergangenen Jahren in mehreren Studien untersucht. „Neben der guten Raumakustik sind auch ergonomische Aspekte, insbesondere im Hinblick auf die Vermeidung von Muskel-Skelett-Belastungen, eine gute natürliche und künstliche Beleuchtung sowie eine hohe Luftqualität wichtig“, so Nottelmann. Generell sollten die Planer von Kindertageseinrichtungen eng mit dem späteren Träger der Einrichtung zusammenarbeiten, um schon in der Planung besondere Anforderungen, die sich aus dem pädagogischen Konzept ergeben können, einfließen zu lassen.

Auch in der Schulplanung hat sich das Präventionsverständnis über die Jahrzehnte verändert. „Neben der klassischen Unfallverhütung geht es inzwischen auch um einen ganzheitlichen Ansatz“, sagt Annette Michler-Hanneken, Leiterin des Fachbereichs Bildungseinrichtungen und des Sachgebiets Schulen der DGUV.

Bauplanung: Prävention stets mitdenken

Zielsetzung sei es, Sicherheit und Gesundheit sowohl der Schülerinnen und Schüler als auch der Beschäftigten bei jeder baulichen und organisatorischen Änderung in einer Schule mitzudenken. Da bei Schulen die Stadt oder Gemeinde für die Freiflächen, Gebäude und Ausstattung, die Landesregierung hingegen für die Organisation des Schulbetriebs und der Lernprozesse Verantwortung trägt, ist eine transparente Kommunikation und verstärkte Abstimmung der beiden Seiten erforderlich.

Die meisten Schulunfälle ereignen sich im Sportunterricht – und dort insbesondere bei Ballsportarten. Die DGUV Initiative „Sicherheit und Gesundheit im Schulsport“ beschäftigt sich in Kooperation mit der Kultusministerkonferenz mit den Rahmenbedingungen und evaluiert, ob diese zu Schulsportunfällen beitragen. In den kommenden Jahren sollen die Ergebnisse in konkreten Maßnahmen umgesetzt werden, um weiteren Unfällen vorzubeugen.

Unfallquellen rund ums Schulgebäude

Weitere potenzielle Gefahrenzonen birgt das Schulgebäude mit seinen Treppen, Fluren oder Klassenräumen. Beim Bau oder durch einen Umbau lassen sich jedoch viele Risiken bereits eindämmen. Das Internetportal sichere-schule.de, ein gemeinsames Projekt aller Unfallkassen, bietet eine detaillierte Übersicht zu Gefahrenquellen und nennt, worauf zu achten ist. Beim Beispiel der Treppen etwa bei Gestaltung, Belag und Beleuchtung.

Daneben gibt es noch viele andere Stellschrauben, sagt Annette Michler-Hanneken. Eine Herausforderung für die Prävention stelle das Platzangebot in Schulen dar: „Viele Schulgebäude sind beim Bau auf eine geringere Nutzerzahl ausgerichtet gewesen.“ Hinzu kämen der teilweise durch Ganztagsbetreuung und veränderte Unterrichtsmethoden gestiegene Platzbedarf. „Hier gilt es dann, kreative Lösungen für eine bessere Raumnutzung und mehr Rückzugsmöglichkeiten, auch für die Lehrkräfte, zu finden.“

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Beim Bau von Hochschulen spielt die technische Ausstattung für Sicherheit und Gesundheit eine große Rolle. © Getty Images/ollo

Psychische Gesundheit an Hochschulen

An Hochschulen spielt neben den klassischen Themen des Arbeitsschutzes seit einigen Jahren auch die psychische Gesundheit der Studierenden eine zunehmende Rolle. Im Gegensatz zu Angeboten von Krankenkassen, die auf die individuelle Stärkung und Qualifizierung der Studierenden setzen, gehe es bei den Angeboten der Unfallkassen vor allem darum, Organisation und Abläufe zu verbessern.

Ziel ist es, Bedingungen für Lehrende und Lernende zu verbessern, erklärt Dr. Hans-Joachim Grumbach, Leiter des Sachgebiets Hochschulen und Forschungseinrichtungen der DGUV. In der Unfallprävention stünden neben den praktischen Lehrveranstaltungen in Werkstätten, Laboratorien und in Außenbereichen sowohl der Hochschulsport als auch der Weg zur Hochschule und wieder zurück nach Hause im Fokus.

Spätere Installationen einplanen

So haben sich die Aufgabenfelder der Schülerunfallversicherung auch an Hochschulen in den vergangenen 50 Jahren stark weiterentwickelt. Ging es bis in die frühen 2000er-Jahre hauptsächlich um klassische Arbeitssicherheit, vor allem in den Praktika der natur- und ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge, kamen nach und nach immer mehr Bereiche des Gesundheitsschutzes zur Prävention hinzu.

Ein ständiger Begleiter ist das Thema Neubau und Sanierung von Hochschulgebäuden. „Lehre und Forschung unterliegen einem stetigen Wandel auch durch personelle Fluktuation“, erklärt Grumbach. Häufig seien die Gebäude beim Bau an den Bedarf einer bestimmten Professur angepasst worden – ein Problem, wenn diese neu besetzt wird und sich die Bedarfe dadurch ändern.

Nicht beim Bau sparen

An dieser Stelle lässt sich vorab nicht viel ausrichten, wohl aber an einem anderen Punkt der Planung: der sicherheits- und gesundheitsrelevanten Technik für Hochschulgebäude. Grumbach beobachtet immer wieder, dass schon bei der Planung einer Hochschuleinrichtung an solcher Technik – oder auch schlicht an der Fläche – gespart werde.

„Das ist schwer zu kompensieren. Betriebsabläufe werden unnötig verkompliziert und verteuert, was wiederum zu Belastungen und Frust bei allen Akteuren führt“, meint Grumbach. Fehlende Installationsreserven, zum Beispiel für notwendige Anpassungen der Lüftungstechnik, machten Umbauten dann so aufwendig, dass sie letztendlich nicht realisiert würden. „Hier wäre eine weitsichtigere Planung, nicht nur in Pandemiezeiten, hilfreich“, sagt Grumbach.

Veröffentlicht von: Julia Frese