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Gesunde Luft in Kitas und Schulen
In der Regel reichen eine Steckdose und zwei Wandöffnungen am oder in der Nähe des Aufstellortes aus, um dezentrale RLT-Anlagen zu installieren. © DGUV/Ralph Glaubitt
Corona

Gesunde Luft in Kitas und Schulen

Fördergelder unterstützen Kitas und Schulen bei dem Erwerb von Raumlufttechnischen Anlagen (RLT-Anlagen) sowie mobilen Luftreinigern. Doch welche Anschaffung ist sinnvoll und nachhaltig?

Datum: 22.10.2021

In allen Bundesländern gehen Kinder wieder in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung (im Beitrag bezeichnet als „Kitas“) oder in die Schule. Bereits 2020 haben Kita- und Schulträger gute Lösungen entwickelt, um Innenräume mit gesundheitlich zuträglicher Atemluft zu versorgen.

Dafür stehen Kitas und Schulen spezielle Fördergelder zur Verfügung, die es gilt, nachhaltig einzusetzen. Für fest installierte RLT- Anlagen können noch bis Ende des Jahres 2021 Fördergelder des Bundes beantragt werden. Ebenso werden von den Ländern finanzielle Mittel zur Anschaffung von mobilen Luftreinigern zur Verfügung gestellt.

Interview: Nachhaltig für Luftaustausch sorgen

Dr. Carina Jehn, stellvertretende Leiterin des Sachgebietes „Innenraumklima“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) sowie Ralf Huihsen, Mitglied im DGUV -Sachgebiet „Schulen“ und Aufsichtsperson bei der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen beantworten in diesem Zusammenhang die wichtigsten Fragen rund um gesundheitlich zuträgliche Atemluft in Kitas und Schulen.

Warum ist es so wichtig, während der Corona-Pandemie, auf Luftaustausch zu achten?

Dr. Carina Jehn:

Neben den bekannten Maßnahmen, wie Abstand halten, Hygiene und dem Tragen von Masken (AHA) ist regelmäßiges Lüften ein wesentlicher Bestandteil zur Vermeidung einer Infektion. Bereits vor „Corona“ war Lüften ein essentieller Baustein im Hygieneplan von Schulen.

Das Thema „gesundheitlich zuträgliche Atemluft in der Kita und im Unterricht“ ist kein Neues. Der Kohlendioxidgehalt (CO2) in der Luft kann die Aufmerksamkeitsleistung negativ beeinflussen. Ein kontinuierlicher, effektiver Luftaustausch sorgt dafür, dass die im Raum befindlichen Schadstoffe wie beispielsweise CO2, Infektionserreger und Feuchtigkeit nach außen befördert werden.

Räume in denen nicht gelüftet werden kann, sind für den Schul- und Kitabetrieb ungeeignet. Die nach Technischer Regel für Arbeitsstätten A3.6 geforderte Lüftung kann durch das regelmäßige Öffnen von Fenstern oder die technische Zu- und Abfuhr von Außenluft erfolgen.

Wie können Kitas und Schulen Luft regelmäßig austauschen?

Ralf Huihsen:

Die einfachste und übliche Möglichkeit ist die Fensterlüftung, die durch Erziehende und Lehrende veranlasst wird. Dazu muss regelmäßig, etwa alle 20 Minuten, eine Stoßlüftung für etwa drei bis zehn Minuten – je nach Jahreszeit, Temperatur und Raumgröße – durchgeführt werden. Eine Querlüftung, zum Beispiel mit gegenüberliegenden Fenstern oder Türen, erhöht den Luftaustausch. Türen zu Fluren, die nicht lüftbar sind, sollten besser geschlossen bleiben.

Neben dem manuellen Lüften kann auch ein Luftaustausch über zentrale oder dezentrale RLT-Anlagen erfolgen. Mobile Luftreiniger können zwar die Virenlast reduzieren, nicht aber CO2 und Luftfeuchtigkeit.

Wie können Erziehende in Kitas oder Lehrkräfte in Schulen prüfen, ob sie ausreichend lüften?

Ralf Huihsen:

Fensterlüften setzt ein durch die Kita und Schule vorgegebenes strukturiertes personelles Lüftungsmanagement als Ergebnis des Hygienekonzeptes voraus. Die Beschäftigten in Kitas und Schulen müssen daran denken, regelmäßig zu lüften, und dies in ihren Alltag einplanen. Ein anerkanntes Maß für die Luftqualität ist ihr CO2-Gehalt. Steigt dieser über einen Wert von 1.000 Parts per Million (ppm), muss gelüftet werden.

Die kostenfreie App „CO2-Timer“ unterstützt bei der Festlegung der Lüftungsintervalle. Sie ist ein praktisches Hilfsmittel für alle, die an ihren Arbeitsplätzen nur über Fenster lüften können. Alternativ können auch CO2-Messgeräte oder -Ampeln zur Unterstützung eingesetzt werden.

Welche Vor- und Nachteile haben technische Anlagen im Vergleich zum Fensterlüften?

Dr. Carina Jehn:

Bei reinem oder überwiegenden Frischluftbetrieb führt der kontinuierliche Luftaustausch durch eine RLT-Anlage zu einer Verdünnung der schädlichen Stoffe in der Luft und damit auch zu einer Reduzierung von Viren in der Raumluft. Wesentliche Voraussetzung hierfür ist ein einwandfreier Betrieb der RLT-Anlage und die richtige Auslegung. Im Idealfall erreicht man mit der technischen Variante einen höheren und kontinuierlichen Luftaustausch als mit Fensterlüftung. Zudem entstehen keine weiteren störenden Belastungen, zum Beispiel durch Verkehrslärm.

Viele befürchten im Zusammenhang mit dem Nachrüsten von technischen Anlagen einen aufwendigen Einbau. Dies ist jedoch nicht zwangsläufig der Fall. Denn solche Anlagen gibt es sowohl zentral als auch dezentral. Bei Neubauten werden mittlerweile schon sehr oft zentrale RLT-Anlagen eingeplant. Bestehende Einrichtungen können mit dezentralen RLT-Anlagen ausgestattet werden um den baulichen und zeitlichen Aufwand geringer zu halten.

Würden Sie den Einsatz mobiler Luftreiniger empfehlen?

Dr. Carina Jehn:

Mobile Luftreiniger arbeiten im Umluftbetrieb und sorgen daher nicht für den nach Arbeitsstättenverordnung geforderten Luftaustausch. Das heißt, sie führen keine frische Luft in den Raum, und sie führen verbrauchte Luft nicht ab.

Je nach Raumsituation und vorhandenen Lüftungsmöglichkeiten im Raum kann ein ergänzender Einsatz sinnvoll sein. Empfehlen würde ich jedoch, nach nachhaltigeren Lösungen zu suchen, die zur Verbesserung der Lüftungssituation beitragen und auch nach der Pandemie zum Einsatz kommen. Neben SARS-CoV-2-Viren können auch andere schädliche Stoffe wirksam durch Lüften entfernt werden.

Mobile Luftreiniger stellen lediglich eine ergänzende Maßnahme dar – gelüftet werden muss trotzdem. Bei der Anschaffung und beim Einsatz sind zudem einige Aspekte zu berücksichtigen, damit mobile Luftreiniger wirksam arbeiten und den Lernprozess in den Bildungseinrichtungen nicht stören.

Auf was muss beim Einsatz von mobilen Luftfiltern geachtet werden?

  • Ausreichende Bemessung für das Raumvolumen und die Zahl der Anwesenden
  • Möglichst geringe Lautstärke
  • Geeigneter Aufstellort, damit es nicht zu „Lüftungskurzschlüssen“ kommt
  • Flucht- und Rettungswege müssen frei bleiben
  • Sicherheitstechnisch einwandfreier Betrieb durch regelmäßige Wartung

Welche Möglichkeiten haben Kitas und Schulen beim Umrüsten auf RLT-Anlagen?

Ralf Huihsen:

Für den Einbau einer dezentralen RLT-Anlage reichen in der Regel eine Steckdose und zwei Wandöffnungen am oder in der Nähe des Aufstellortes aus. Von selbstgebauten Anlagen raten wir ab. Den Trägern von Kitas und Schulen stehen für diese nachhaltige Investition Fördergelder des Bundes bis zu 80 Prozent zur Verfügung. Voraussetzung hierfür ist, dass die Kita- und Schulkinder, die diese Räume benutzen, nicht älter als zwölf Jahre sind. Darüber hinaus müssen die Fördermittel bis zum Ende dieses Jahres (2021) beantragt und in der Regel innerhalb von zwölf Monaten abgerechnet werden.

Die Träger von Kitas und Schulen sollten diese Gelegenheit nutzen und die Fördergelder für RLT-Anlagen abrufen. Zum einen stellt man damit die Kitas und Schulen nachhaltig in Sachen Lüften für die Zukunft auf. Zum anderen dienen RLT-Anlagen dazu, den Energieverbrauch durch bedarfsgerechte und zielgerichtete Lüftung deutlich zu reduzieren.

Hygienisch einwandfreie Luft wird eine langfristige Aufgabe sein, die es auch nach der Pandemie zu meistern gilt.

Informationen zur Verwendung von mobilen Luftreinigern:

Veröffentlicht von: Redaktion