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Corona-Regeln: Was gilt jetzt für die innerbetriebliche Kommunikation?
Führungskräfte sollten Konflikte, die sich aus der Pandemie oder den Regeln ergeben, ansprechen. Tun sie das nicht, kann sich viel Ärger aufstaue, der irgendwann in einer unangemessenen Form zum Vorschein kommt. © Getty Images/bojanstory
Interviews

Corona-Regeln: Was gilt jetzt für die innerbetriebliche Kommunikation?

In Organisationen kommen unterschiedliche Ansichten und Sicherheitsbedürfnisse zusammen. So gelingt die Kommunikation zwischen Führungskraft und Belegschaft.

Datum: 07.01.2022

Vierte Welle und kein Ende in Sicht: Deshalb ist es wichtig, sich jetzt impfen zu lassen und sich weiterhin an die Regeln zum Infektionsschutz zu halten. Diese Tatsache kann unter Geimpften und Ungeimpften zu Debatten führen. Auch unterschiedliche Sicherheitsbedürfnisse in der Belegschaft gilt es zu berücksichtigen.

Professor Dr. Dirk Windemuth, Direktor des Instituts für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG), gibt Tipps, wie Führungskräfte die Regeln in der Organisation durchsetzen und bei Konflikten zwischen Beschäftigten vermitteln können.

Prof. Dr. Dirk Windemuth vom Institut für Arbeit und Gesundheit (IAG) der DGUV.
Professor Dr. Dirk Windemuth, Direktor des Instituts für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG) © DGUV

Worin liegt derzeit das Konfliktpotenzial von Beschäftigten mit unterschiedlichen Ansichten und Bedürfnissen?

Wären alle geimpft, wäre die Situation sehr viel besser. Was wir jetzt erleben, geht auch darauf zurück, dass einige Menschen Regeln missachten. Im Moment müssen Geimpfte mitunter die Arbeit Ungeimpfter mit erledigen, weil letztere aufgrund der 2G- oder 2G+-Regel viele Tätigkeiten nicht ausüben dürfen. Und das ist natürlich ungerecht.

Darüber hinaus erhalten Ungeimpfte sehr viel Aufmerksamkeit durch Politik, Medien und Gesellschaft. Alle diejenigen, die sich nicht anstecken, die sich an alles halten und wie gewohnt weiterarbeiten, stehen viel weniger im Fokus als diejenigen, die weniger Verantwortung übernehmen – das lässt sich auch im Privaten und in anderen Zusammenhängen beobachten.

Wie können Arbeitgeber auf Konflikte im Betrieb reagieren, die aufgrund unterschiedlicher Sicherheitsbedürfnissen in der Belegschaft entstehen?

Klare Regelungen vonseiten der Leitung sind sehr wichtig. Dazu gehört es, deutlich zu machen, dass diese Regeln grundsätzlich Rücksicht auf die sogenannten Schwächeren nehmen. Das können Beschäftigte sein, die ein hohes Sicherheitsbedürfnis haben, weil Ältere oder Kinder in ihrem Haushalt wohnen. Ebenfalls ist es wichtig, Konflikte anzusprechen, die sich aus der Pandemie oder den Regeln ergeben. Tun Führungskräfte das nicht, kann sich viel aufstauen und irgendwann äußert sich der Ärger in einer unangemessenen Form.

Wie sollten Führungskräfte Konflikte ansprechen?

Grundsätzlich gilt, dass Führungskräfte kritische Gespräche mit den Beteiligten in kleinem Kreis führen, also nur mit den unmittelbar Betroffenen. Gemeinsam können sie versuchen, Lösungen zu finden, wie man die unterschiedlichen Wünsche in der Belegschaft unter einen Hut bekommt. Zum Beispiel könnten Führungskräfte Ungeimpften anbieten, an Meetings virtuell teilzunehmen. Das würde auch den Einschluss Ungeimpfter und nicht Genesener an Besprechungen unter den Bedingungen 2G oder 2G+ ermöglichen.

Wenn sich Beschäftigte nicht an Vorgaben halten – beispielsweise den Mund-Nasen-Schutz nicht korrekt tragen oder keinen Abstand halten: Was sollte die Führungskraft dann tun?

Freundlich, aber deutlich auf die sofortige Einhaltung der Regeln bestehen – und gemeinsam mit der Leitungsebene abstecken, welche – beispielsweise arbeitsrechtliche – Maßnahmen angewendet werden dürfen und sollen, wenn sich Beschäftigte wiederholt nicht an Regeln halten. So können sich Vorgesetzte auch sicher sein, dass angedrohte Konsequenzen von der Organisation mitgetragen werden.

Doch Führungskräfte sollten nicht gleich beim ersten Gespräch eine Ermahnung oder Abmahnung aussprechen. Stattdessen sollten sie zunächst nachfragen, ob und wie die Organisation die Person unterstützen kann, um die Regeln einzuhalten – etwa, indem sie passende Masken bereitstellt. Es könnte ja auch sein, dass jemand wirklich nur vergessen hat, in einem Moment die Maske zu tragen. Das ist mir natürlich auch schon passiert.

Die Betriebe sollen das Impfen mit innerbetrieblichen Kampagnen unterstützen. Wie können sie das effektiv tun?

Der erste Schritt ist herauszufinden, warum sich Beschäftigte möglicherweise nicht impfen lassen wollen. Wenn sie keine Zeit haben, sich um einen Impftermin zu kümmern, kann die Organisation anbieten, sie über den betriebsärztlichen Dienst impfen zu lassen, vielleicht sogar direkt an der Arbeitsstätte, also nach dem Motto „Wir bringen die Impfung zu euch. Das kostet euch keine Zeit und auch kein Geld“. Das sind wichtige Botschaften und es schafft Anreize für die Impfung.

Was können Organisationen noch tun, um Beschäftigte zum Impfen zu bewegen?

Organisationen müssen je nach Beschäftigtengruppe möglicherweise unterschiedlich kommunizieren. Ebenfalls sind regelmäßige Maßnahmen wichtig. Eine E-Mail reicht nicht aus. Wiederkehrende Aktionen, Aushänge und Nachrichten bringen das Thema immer wieder ins Gedächtnis der Beschäftigten.

Grundsätzlich ist es bei der Kommunikation von Gesundheitsthemen essenziell, die Relevanz für jede einzelne Person herzustellen. Menschen müssen überzeugt werden, dass sie selbst vom Virus bedroht sind und umgekehrt, dass sie es selbst in der Hand haben, sich und andere zu schützen.

Veröffentlicht von: Isabelle Rondinone