Arbeitshandschuh mit 3 gereckten Fingern
© Thomas Walloch
koordinierter Arbeitsschutz

Aller guten Dinge sind drei

Drei niedersächsische Gemeinden haben sich in einem Pilotprojekt zusammengetan, um sich gemeinsam um ihr Betriebliches Management für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zu kümmern. Das funktioniert so gut, dass andere Kommunen schon über ähnliche Kooperationen nachdenken.

Langelsheim, Liebenburg und Lutter liegen nicht nur räumlich nah beieinander. Die drei niedersächsischen Gemeinden teilen sich auch eine Fachkraft für Arbeitssicherheit und arbeiten beim Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) zusammen. „Wir haben einen Personenpool geschaffen, der jedem Beschäftigten offensteht und dem Mitarbeitende aus allen drei Gemeinden angehören“, sagt Ingo Henze, Bürgermeister von Langelsheim. So können Angestellte, die lange krank waren, frei wählen, ob sie mit einem Vertreter aus dem eigenen Haus oder lieber mit einem Ansprechpartner von außerhalb über gesundheitliche Fragen sprechen möchten. Und ob sie lieber mit einem Mann oder einer Frau reden. Seit knapp eineinhalb Jahren gehen Langelsheim, Liebenburg und Lutter viele Wege gemeinsam: Im Rahmen eines bislang einzigartigen Pilotprojekts kooperieren die Gemeinden beim Betrieblichen Management für Sicherheit und Gesundheit, einem Präventionsmodell des Braunschweigischen Gemeinde-Unfallversicherungsverbandes (BS GUV). Die 
Teilnehmenden kürzen ihr gemeinsames Projekt inzwischen liebevoll mit „LaLiLu“ ab.

Herausforderungen ähneln sich

Gemeinsam vorzugehen erschien den drei Gemeinden von vornherein sinnvoll, denn sie sind nicht nur Nachbarn. Als kommunale Arbeitgeber stehen sie auch vor den gleichen Herausforderungen – insbesondere in Zeiten des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels, sagt Langelsheims Bürgermeister Henze: „Meine Amtskollegen Alf Hesse in Liebenburg und Bodo Mahns in Lutter fragen sich genau wie ich immer wieder: Wie schaffen wir es, als Gemeinde eine gute Arbeitgeberin zu sein? Was können wir für unsere Mitarbeitenden tun?“ Es sei nicht leicht, als kleine Gemeinde ein Personalentwicklungskonzept zu erarbeiten, sagt Henze. Im kommenden Jahr werden Liebenburg und Lutter fusionieren – auch deshalb lag es aus Sicht der Kooperationsteilnehmer nahe, in wichtigen Themenfeldern schon jetzt zusammenzuarbeiten.

Schneller, unmittelbarer, hochwertiger 

Das Präventionsmodell des BS GUV umfasst vier Säulen: Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, BEM, Demografie und die Betriebliche Gesundheitsförderung. „Die vier Säulen stehen in enger Verbindung und Abhängigkeit“, sagt Carsten Koops, Geschäftsführer des BS GUV. „Wollte jede Gemeinde in allen Bereichen ganz allein die Herausforderungen meistern, wäre das – auch für den BS GUV – mit erheblich mehr Aufwand verbunden.“ Die Kooperation lasse Synergien entstehen, denn durch die vergleichbare Größe der Kommunen mit ähnlichen Problemlagen seien Lösungsansätze für alle drei schneller, unmittelbarer und qualitativ hochwertiger übertragbar, erklärt Koops. Neben den großen Säulen sind es auch kleine Dinge, die viel ausmachen. Sicherheitsschuhe für die angestellten Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter etwa kann das Gemeinde-Trio nun einfach gemeinsam anschaffen. Das spart Arbeitskraft und bei Mengenrabatten auch Geld.

Übertragbar auf andere

Im Präventionsmodell stecken sich die Kommunen gemeinsam mit dem BS GUV immer wieder neue Ziele. Gemeindeübergreifende Projektgruppen erarbeiten Handlungsvorschläge in Bereichen, in denen sie Verbesserungsbedarf sehen. Beispiel BEM: Dass es mehrere Ansprechpartner beider Geschlechter gibt, ist erst seit der Kooperation möglich. „Die Zusammenarbeit ist aber agil, Ziele werden also entlang des Weges definiert“, sagt Koops. Der BS GUV fungiert nicht nur im „LaLiLu“-Projekt bewusst weniger als klassische Aufsicht, sondern mehr als Berater. Das niedersächsische Projekt ist erfolgreich angelaufen. Zwar seien die Mitarbeitenden durchaus skeptisch gewesen, ob die Zusammenarbeit organisatorisch funktioniert, sagt Bürgermeister Henze. Mittlerweile habe sich aber gezeigt, dass die Kooperation allen Teilnehmenden nützt – allen voran den Beschäftigten. Außerdem hat sich das Modell herumgesprochen: „Es gibt viele interessierte Nachfragen aus anderen Gemeinden“, sagt Henze nicht ohne Stolz. „LaLiLu“ könnte über kurz oder lang zur Blaupause für Kooperationen anderer Gemeinden werden.

Autorin: Annika Janßen

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