Glühbirne wird angemacht
Kreativität

Kreativität, klick!

Die neue Arbeitswelt verlangt nach ständiger Verbesserung oder gar Innovationen: also schnell ein Brainstorming! Doch da kommen oft nur halbgare Ideen zustande. Schade. Denn mit den richtigen Methoden zur richtigen Zeit können Führungskräfte die Kreativität ihrer Teams entfalten – und auf die Zielgerade bringen.

Wer kennt das nicht: Ist man gestresst, kann ein neuer Ticketautomat zur Herausforderung werden. Der übliche Ablauf führt nicht zum Ziel, also ist Umdenken gefordert. Ganz schön schwierig, wenn das Gehirn auf Routinen geeicht ist. Das gilt auch beim „Brainstorming“ zum Ende eines Meetings. Die Frage „Hat jemand eine gute Idee?“ reicht selten aus, um das Denken in andere Bahnen zu lenken.

„Wer von Belegschaften Kreativität fordert, sollte zunächst Wertschätzung für Ideen signalisieren“, erklärt Dr. Katrin Boege von der Abteilung Qualifizierung am Institut für Arbeit und Gesundheit der DGUV. Denn der Arbeitsalltag lässt kaum Raum für Kreativität. Also gilt es ihn zu schaffen. „Ideenfindung folgt bestimmten Mustern, die über Prozesse gesteuert werden können – fast auf Knopfdruck“, so der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Alexander Brem, der den Lehrstuhl für Technologiemanagement an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg innehat. 

Kreativität kann aktiviert werden

Die gute Nachricht lautet also: Kreativität kann sowohl gelernt als auch aktiviert werden. Die Zutat ist nicht etwa Chaos, vielmehr gedeihen auf der Basis von Wissen und Disziplin die besten Ergebnisse. Pablo Picasso ließ sich nicht nur inspirieren, sondern erlernte auch akribisch Maltechniken. Was ebenfalls hilft, ist ein entspanntes Gehirn. Bestseller-Autorin Joanne K. Rowling beispielsweise kamen die Einfälle für „Harry Potter“ auf Bahnreisen. Mit im Gepäck hatte sie Intelligenz und Gestaltungswillen. Dass eine Autorin kreativ sein muss, ist klar. Aber gilt das auch für die Abteilung Buchhaltung im eigenen Betrieb?

Ja, durchaus – je nach Aufgabe und Kreativitätsniveau. So unterscheiden James C. Kaufman und Ronald A. Beghetto in ihrem 4-C-Modell vier verschiedene Level: Unter Mini-C fallen persönliche Einsichten und Erkenntnisse, die nur dem Einzelnen bekannt sind und dabei helfen, alltägliche Probleme zu lösen. Die Stufe Little-C spiegelt ein Wachstum von Mini-C wider: Hier geht es um alltägliches kreatives Denken, das dazu beiträgt, Probleme zu lösen. Es geht aber auch um die Fortentwicklung kreativer Fertigkeiten wie Malen oder Schreiben sowie innovativer Denkprozesse, die von anderen Menschen wahrgenommen und geschätzt werden. Kreativität der Kategorie Pro-C erfordert Expertenwissen, jahrelange Praxis und ein herausragendes Niveau. Die kreative Tätigkeit wird zudem in einem professionellen Umfeld ausgeübt: beispielsweise als Chefentwicklerin oder Chefentwickler in einem Software-Haus oder als Chefkoch oder Chefköchin eines Restaurants. In die Kategorie Big-C fallen Werke oder Leistungen dann, wenn sie als genial oder weltverändernd gelten und noch nach Jahrzehnten als bedeutend anerkannt sind – wie die Musik Ludwig van Beethovens, die Bilder Vincent van Goghs oder das politische Erbe Martin Luther Kings.

Zwischen alltäglicher und außergewöhnlicher Kreativität gibt es durchaus Übergänge. Beide Formen entwickeln sich in einem Zusammenspiel von Begabungen, (Fach)Wissen/Können, regelmäßiger Praxis, intrinsischer Motivation, Persönlichkeitseigenschaften wie Fleiß, Disziplin, Mut, Offenheit, Eigensinnigkeit,  gepaart mit Anpassungsfähigkeit, sowie unterstützenden Umgebungsbedingungen. Vor allem aber entstehen ohne Kreativität weder Problemlösungen noch Verbesserungen. „Gute Arbeit braucht sowohl Routine als auch Kreativität“, betont Boege. „Je nach Beruf und Aufgabe in unterschiedlicher Gewichtung.“

Feste Auszeiten von der Routine

Wer Abläufe verbessern, gute Lösungen oder gar Innovationen will, braucht kreative Köpfe. Also neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rekrutieren? Oder Beratung von außen holen? Besser: das Wissen über Stärken und Schwächen, wie es nur die Beschäftigten haben, mit Kreativität aufmischen – durch eine geplante Auszeit von der Routine. Unternehmen, die auf Innovationen setzen, wie 3M oder Google, unterscheiden zwischen kreativen Phasen und Routineaufgaben: Ihr Personal soll knapp ein Viertel der Arbeitszeit explizit dem kreativen Denken und Arbeiten widmen. Über den Zeitpunkt entscheiden die Beschäftigten selbst. 

An der Friedrich-Alexander-Universität sind Prof. Brem und Prof. Dr. Verena Utikal der Frage nachgegangen, wie man Arbeitszeiten für Kreativität planen kann. Das Ergebnis ihrer Forschung mit mehr als 230 Personen: Ein einheitliches Arbeitsmodell für Kreativität gibt es nicht. Welches Arbeitsmodell am besten funktioniert, hängt von der Impulsivität ab. Utikal erklärt: „Hoch impulsiven Personen kommt eine freie Zeiteinteilung zugute, niedrig impulsive Personen profitieren mehr von festen Vorgaben.“

Wichtig für Kreativität: Zeit und Techniken

Was können Unternehmen daraus ableiten? Ihren Beschäftigten passend zur individuellen Impulsivität und zur Tätigkeit einen angemessenen Zeitrahmen für Kreativität anbieten wie Google und Co. Oder sie laden Teammitglieder regelmäßig ein, gemeinsam kreativ zu werden, wie ein deutscher Pralinenhersteller es tut: In selbst organisierten und moderierten Workshops von kaum zwei Stunden pro Woche werden Ideen zur Lösung interner Problemstellungen gesucht oder neue Produkte geplant. Zum Einsatz kommen verschiedene Kreativitätstechniken, darunter das in den 1930er-Jahren entwickelte Brainstorming. Allen Kreativitätstechniken ist gemeinsam, dass anhand bestimmter Regeln und Prinzipien neue Ideen gefunden oder Probleme gelöst werden sollen. 

Ein solches Prinzip, das vielen Innovationen zugrunde liegt, ist die Analogiebildung. Nach einem bewährten Modell – oft aus der Natur – wird etwas Neues entwickelt. Beispiel Elefantenrüssel: Seine Eigenschaften der Flexibilität und des ebenso kraftvollen wie präzisen Zugreifens dient als Vorbild für Roboterarme, die von der Firma FESTO analog entwickelt wurden und heute erfolgreich im Einsatz sind. Auch der Klettverschluss entstand durch Analogiebildung nach dem Vorbild der Klette.

Alternativ oder in Kombination mit der Analogiebildung fördern Assoziationen das Finden kreativer Lösungen. Hier werden zu einem bestimmten Thema wie „Büro“ weitere Begriffe assoziiert – etwa Monitor, Telefon, Kaffeemaschine, Notebook, App. Anschließend sollen die Begriffe mit der eigentlich zu lösenden Aufgabe in Zusammenhang gebracht werden: Wie können der Monitor und die App zu neuartigen Produkten der Betrieblichen Gesundheitsförderung werden? Beispielsweise durch das Entwickeln von Apps, die an regelmäßige Bildschirmpausen erinnern oder zu Entspannungs- und Gymnastikübungen anleiten. 

Warum überhaupt Kreativität fördern?

Kreativität ist auch relevant für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Die Vorteile für Beschäftigte und Unternehmen sind vielfältig und machen deutlich, warum es mehr als relevant ist, Kreativitätsförderung auf die Agenda zu nehmen.

Vorteile für die Beschäftigten:

  • Abwechslung zum Alltagsgeschäft
  • Einbringen eigener Ideen
  • höhere Identifikation mit dem Unternehmen
  • Möglichkeiten eines finanziellen Bonus, wenn Ideen umgesetzt werden
  • Erlernen und Training von Methoden
  • Fördern sozialer Kompetenzen
  • Teamerleben

Vorteile für das Unternehmen:

  • Motivation der Beschäftigten
  • langfristige Förderung des kreativen Denkens
  • Förderung des Betriebsklimas
  • Imagewirkung nach außen
  • Sammlung und Generierung neuer Ideen
  • Steigerung des Unternehmenserfolgs

Führungskräfte sollten berücksichtigen: Ohne Kreativität gibt es weder Problemlösungen noch Verbesserungen. Deshalb: lieber nicht in der Routine versinken, sondern die Beschäftigten – entsprechend ihren Voraussetzungen – fördern, fordern und somit gemeinsam profitieren. 

Autorin: Miriam Becker

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