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Interview: Empathisch führen beugt Mobbing vor
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Führungskultur : Interview: Empathisch führen beugt Mobbing vor

Mobbing am Arbeitsplatz zu verhindern, ist auch Aufgabe von Führungskräften. Dabei hilft es, wenn sie empathisch führen können, meint Carsten Burfeind.

Wie wichtig die Implementierung von Mobbingprävention im betrieblichen Gesundheitsmanagement ist und wie das gelingt, erklärt Autor Carsten Burfeind in seinem Buch „Mobbing am Arbeitsplatz erkennen und verstehen“. Für ihn zählt neben den Arbeitsbedingungen auch das Zwischenmenschliche: Vorgesetzte sollten empathisch führen und eine gute Selbst- und Fremdwahrnehmung haben.

Herr Burfeind, warum der Verweis auf Empathie und Selbstreflexion?

Mobbing wird durch Stress begünstigt. Etwa wegen häufiger Team- oder Führungswechsel, zu wenig Zeit für zu viele Aufgaben, fehlendem Einfluss auf die Arbeitsgestaltung – wegen psychisch belastender Faktoren. Das kann das Team genauso betreffen wie die Führungskraft, die von weiter oben Druck erlebt. Stress macht reizbar und wer gereizt ist, ist häufig impulsiver. Verstehen Führungskräfte die eigene emotionale Lage, können sie sich selbst hinterfragen: Habe ich mich gerade nicht unter Kontrolle und verhalte mich abwertend oder unprofessionell? Es fällt ihnen dann auch leichter, solches Verhalten in ihrem Team zu erkennen und einzusortieren.

Carsten Burfeind, Berater für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz
Carsten Burfeind, Berater für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz © privat

 

Was sollten sie dann tun?

Die entsprechenden Beschäftigten auf ihr Fehlverhalten ansprechen, um einen potenziellen Konflikt aufzulösen. Und im Zuge dessen belastende Arbeitsbedingungen, die dieses Verhalten begünstigen, möglichst anpassen. Das gilt natürlich auch, wenn sie eigenes negatives Sozialverhalten erkennen. In beiden Fällen halte ich zum Beispiel Schulungen in gewaltfreier Kommunikation für wertvoll.

Wie hilft gewaltfreie Kommunikation gegen Mobbing?

Einerseits in der Vermittlung zwischen den Konfliktparteien. Andererseits ist sie ein Mittel, um nicht selbst unfair oder verletzend zu kommunizieren. Niemand ist gefeit davor, von anderen Personen mal genervt zu sein oder mit deren Arbeitsweise nicht ganz übereinzustimmen. Dann hilft gewaltfreie Kommunikation, das zuerst mit sich selbst zu klären und erst danach, wenn überhaupt, konstruktiv anzusprechen.

Empathisch führen verhindert versehentliches Mobben

Damit Führungskräfte nicht aus Versehen selbst schikanieren?

Genau. Dazu gehört auch die richtige Reaktion, sollte ihnen doch mal eine unpassende Bemerkung rausrutschen. Dann haben sie sich für ihr Fehlverhalten sofort zu entschuldigen, und zwar vor allen, die Zeugin oder Zeuge waren. Damit nicht der Eindruck bleibt, das sei angebracht oder gar beabsichtigt gewesen, was wiederum dazu führen könnte, dass sich Voreingenommenheiten gegenüber der betreffenden Person festigen oder sogar verbreiten – ebenfalls ein Nährboden für Mobbing.

Führungskräfte sollten also immer zuerst vor der eigenen Tür kehren?

Ja, und damit können sie schon bei der Erfassung psychischer Belastung beginnen. Für die psychische Gefährdungsbeurteilung gibt es standardisierte Orientierungshilfen, aber wenn Führungskräfte die Mobbingprävention ernst meinen, sind sie auch offen für Kritik an sich selbst. Sie könnten etwa im Team konkret zum sozialen Miteinander nachfragen. Werdet ihr zu Unrecht kritisiert, bloßgestellt oder schikaniert und wenn ja, von wem und wie oft? So lassen sich auch Rückschlüsse auf den eigenen Führungsstil ziehen, die es dann zu bearbeiten gilt.