Umfragen : Passenden Umgang mit Mobbing gefunden?
Mobbingfälle am Arbeitsplatz sollten dringend verhindert werden, denn Betroffene erleiden häufig schwere psychische Folgen, die bis zur Arbeitsunfähigkeit führen können. Wie sieht die Lage unter Lesenden der top eins aus – kommt es in ihren Unternehmen zu Mobbing und wenn ja: Wie ist der Umgang mit Mobbing, können Fälle gelöst werden? Dazu wurde eine nicht repräsentative Onlineumfrage durchgeführt.
Ausgrenzen, ignorieren, links liegen lassen
Um einen Überblick zu erlangen, wie verbreitet Mobbing am Arbeitsplatz ist und ob das Thema mehr Aufmerksamkeit, Bearbeitung und Prävention benötigt, wurde zuerst gefragt, ob die Teilnehmenden selbst oder andere Mitarbeitende in ihrem Unternehmen/ihrer Einrichtung bereits von Mobbing am Arbeitsplatz betroffen waren. Von 268 Personen bejahten das 170 (63,4 % ).
Die am häufigsten erlebte Mobbinghandlung war „Ausgrenzen, Ignorieren, Links liegen gelassen“ (116 Mal genannt), gefolgt von „Einschüchtern, Drohungen, Schuldzuweisungen“ (83 Mal) und „Beleidigungen, Beschimpfungen, Lächerlichmachen“ (72 Mal). Auch Beleidigungen oder Bloßstellen über soziale Medien, Chats oder E-Mail nannten die Teilnehmenden (21 Mal). Sie konnten dabei mehrere Antworten auswählen.
Im Freifeld zu „anderen Ausprägungen“ wurden auch das Abschneiden von Informationen beschrieben, Denunzieren, Anschwärzen oder Gerüchte verbreiten – sowie das Zuschreiben von noch mehr Arbeit.
Besonders letzter Punkt lässt auf Mobbing durch Führungskräfte schließen – was in der Umfrage seltener der Fall war (44,9 % gaben an, Mobbing ging von Führungskräften und Vorgesetzten aus) als Mobbing von einzelnen Kolleginnen oder Kollegen und von Gruppen von ihnen (zusammen 55,1 %) – aber immer noch auffällig häufig vorkam.
Diverse Anlaufstellen
Bei der Frage, welche Anlaufstellen es im Unternehmen gibt, an die sich Betroffene bei Mobbing wenden können, fällt zuerst auf, dass es keine Angabe gibt, die von allen bestätigt wurde.
Für die meisten Teilnehmenden waren die Interessensvertretungen wichtige Anlaufstellen (41,1 %), außerdem die Personalabteilung (40,7 %) und Betriebsärztin oder -arzt und interne Beschwerdestellen (beide 34,1 %).
Als erste Stelle, an die sich Mitarbeitende wenden, nannten die Teilnehmenden mit 113 Nennungen (43,8 %) aber die Führungskraft. Übereinstimmend gaben 69,4 Prozent an, sie schätzen die Rolle von Führungskräften, um Mobbing zu verhindern, als „sehr wichtig“ ein, 20,3 Prozent stuften sie als „wichtig“ ein (auf einer Skala von 0 bis 5, wobei 0 = „völlig unwichtig“ bedeutet und 5 = „sehr wichtig“).
Umgang mit Mobbing: Lösungen finden
148 Teilnehmende machten Angaben dazu, welche Lösungen im Mobbingfall gefunden werden konnten. Leider war die mit Abstand häufigste Antwort „keine Lösung“. Ebenfalls wurde mehrfach geantwortet, dass Betroffene sich versetzen ließen, den Arbeitsplatz wechselten und krankheitsbedingt ausfielen. Auch dass Führungskräfte oder Anlaufstellen die Beschwerde ignorierten, wurde mehrfach genannt.
Als positive Lösungen wurden einzeln genannt:
- Vorgesetztenschulungen
- es einer passenden Person mitzuteilen
- Personalgespräch und Abmahnung der mobbenden Person
- Bearbeitung durch die interne AGG-Beschwerdestelle
- Meetings, klare Kommunikation, gemeinsame Ziele
- Gespräche mit Geschäftsführung
- Arbeitsrechtliche Konsequenzen für Mobbende
- Räumliche Trennung, Gespräche mit betreffenden Mitarbeitenden und Neugruppierung der Arbeitsplätze, Personalrat und Vorgesetzte von Maßnahmen in Kenntnis gesetzt
- Externe Mediation
- Hilfe des Betriebsrates
Mobbing am Arbeitsplatz stärker bekämpfen
Die Ergebnisse zeigen, dass das Thema Mobbing ernstgenommen werden sollte und besonders Führungskräfte eine tragende Rolle in der Prävention und Bearbeitung von Fällen spielen.
Allerdings sagten 67 (42,1 %) von 159 Führungskräften, die an der Umfrage teilnahmen, sie seien auf den Umgang mit Mobbingfällen im Team nicht vorbereitet. Verbesserungsbedarf gibt es also sowohl umfassend auf organisationaler Ebene (es müssen Lösungen gefunden werden), als auch auf personeller (bessere Schulung und Vorbereitung von verantwortlichen Führungskräften) Ebene.