Fuhrpark erneuern und Verkehrssicherheit erhöhen
Die Berliner Stadtreinigung (BSR) macht es vor: Den Fuhrpark erneuern und dabei Verkehrssicherheit sowie den Umwelt- und Gesundheitsschutz stärken.
Geschrieben von: Ariana Mirza
Datum: 14.09.2026
Unternehmen und Einrichtungen, die neue Fahrzeuge anschaffen, eröffnet dies zugleich Chancen, Verkehrssicherheit sowie Umwelt- und Gesundheitsschutz zu stärken.
Wollen Unternehmen ihren Fuhrpark erneuern, müssen sie viele Faktoren beachten. Neben der Fahrzeugwahl geht es darum, Wissen zu vermitteln und die Verkehrssicherheit zu fördern. Führungskräfte sollten dafür Synergien im Unternehmen nutzen. Wie dies funktionieren kann, zeigt die Berliner Stadtreinigung (BSR). Sie hat ein Fuhrpark-Konzept entwickelt, das auf Kontinuität, Kooperation und eine gute Infrastruktur setzt.
„Als oberstes Ziel müssen wir natürlich die Fahrzeugverfügbarkeit für operative Bereiche wie Straßenreinigung und Müllabfuhr sicherstellen“, erklärt Wolfgang Wüllhorst, Leiter des BSR-Fuhrparkmanagements. Deshalb werden etwa zehn Prozent des rund 1.900 Fahrzeuge umfassenden BSR-Fuhrparks jährlich modernisiert. Die kontinuierliche Umrüstung gewährleistet, dass technische Entwicklungen, organisatorische Anforderungen und operative Bedürfnisse umgesetzt werden können, ohne Betriebsabläufe zu beeinträchtigen. Die BSR steuert die Fuhrparkerneuerung durch enge Abstimmung zwischen eigenen Werkstätten, Fahrpersonal und Führung, um Ausfälle zu vermeiden.

Fuhrpark erneuern: Technik muss im Alltag bestehen
Für Wolfgang Wüllhorst ist klar: Neue Fahrzeuge müssen sich im realen Betrieb bewähren, robust und zuverlässig sein. Entscheidend sei nicht die technische Innovation an sich, sondern ihre Alltagstauglichkeit unter den Bedingungen kommunaler Großbetriebe. „Neue Technik muss genauso leistungsfähig sein wie die bisher eingesetzte“, so der BSR-Fuhrparkverantwortliche. Das sei wichtig für die Akzeptanz seitens der Mitarbeitenden. So würden beispielsweise E-Fahrzeuge von den Fahrerinnen und Fahrern nur gut angenommen, wenn ihre Leistungsfähigkeit den bisherigen Dieselfahrzeugen in nichts nachstehe, so Wüllhorst.
Die Kommunikation mit den Beschäftigten nimmt aber nicht nur deshalb eine Schlüsselrolle im Prozess ein. „Alle Erfahrungswerte der Mitarbeitenden, etwa zur Bedienfreundlichkeit, zählen.“ Führungskräfte können solche Rückmeldungen aus der Praxis in Einzelgesprächen, digitalen Befragungen oder auch Informationsveranstaltungen im Unternehmen einholen. Ebenso wichtig wie der Dialog mit den Fahrerinnen und Fahrern sei jedoch der Austausch mit den Herstellern, so Wüllhorst. Er empfiehlt längerfristige Kooperationen, weil beispielsweise eigene technische Ansprüche der BSR im Dialog mit dem Hersteller besser kommuniziert werden könnten. Zudem gelingt der Umstieg auf neue Fahrzeuge mit weniger Schulungsaufwand, wenn die Modelle im Handling weitgehend konsistent sind. „Je einheitlicher die Bedienlogik, desto sicherer der Umgang mit den neuen Fahrzeugen im Alltag.“
Neue, umweltschonendere Fahrzeuge müssen genauso leistungsstark wie ihre Vorgängermodelle sein. Ohne Abstriche!
Optimale Vorbereitung der Mitarbeitenden
So innovativ und bedienungsfreundlich neu angeschaffte Fahrzeuge auch sein mögen. Eine Frage bleibt: Wie werden die Fahrerinnen und Fahrer am besten mit den Neuerungen vertraut gemacht? Martin Küppers, Experte für Prävention und Verkehrssicherheit der gesetzlichen Unfallversicherung, verweist darauf, dass der Umgang mit neuen Fahrzeugen eine strukturierte Einführung erfordert. Küppers empfiehlt das Lernen in kleinen Gruppen ohne Hierarchiegefälle. „In einer homogenen Gruppe, wenn beispielsweise nur der direkte Vorgesetzte und gleichgestellte Kolleginnen und Kollegen zugegen sind, fällt es Teilnehmenden leichter, ohne Scheu Fragen zu stellen und somit auch besser zu lernen.“
Zudem sei es sinnvoll, sich bei Einführungen auf die Neuerungen beim Fahrzeugmodell zu konzentrieren. „Wenn beispielsweise im neuen Fahrzeugtyp erstmals ein Display bedient werden muss, sollte dieser Aspekt im Fokus der Einführung stehen.“ Doch selbst die beste Schulung reiche allein nicht aus, so Küppers. „Besonders zu Anfang sollten Führungskräfte den Mitarbeitenden etwas mehr Zeit geben, um sich mit dem neuen Fahrzeug vertraut zu machen.“ Falls die Neuerungen komplex sind, können auch Wiederholungseinweisungen nach den ersten Praxiserfahrungen das Wissen festigen und so die Sicherheit erhöhen. Küppers verweist zudem darauf, dass sich der Einsatz von Multiplikatoren in der Praxis bewährt hat. „Sogenannte Master Driver, also sehr erfahrene Fahrerinnen oder Fahrer können die Eingewöhnungsphase besonders erfolgreich gestalten.“
ihres Fuhrparks erneuert die Berliner Stadtreinigung (BSR) in etwa pro Jahr. Kehrmaschinen müssen häufig etwas früher ersetzt werden als andere Fahrzeugtypen. Die Erneuerung wird dafür genutzt, den Mitarbeitenden leistungsstarke und zugleich umwelt- und gesundheitsfreundlichere Fahrzeuge zur Verfügung zu stellen.
Fuhrpark erneuern: Vorab Infrastruktur schaffen
Wolfgang Wüllhorst macht außerdem auf die zentrale Bedeutung der Infrastruktur für eine erfolgreiche Fuhrparkerneuerung aufmerksam: Ladepunkte, Stromversorgung, Betriebshöfe und Werkstätten müssen mit der Fahrzeugtechnik Schritt halten, insbesondere bei alternativen Antrieben. Hochvolttechnik und neue Systeme erfordern gezielte Qualifikation. Die BSR bildet ihre Mitarbeitenden kontinuierlich fort, ergänzt durch spezialisierte Fachreferenten, die den Wissenstransfer sichern. So wird der Fuhrpark nicht nur technisch laufend modernisiert, sondern auch organisatorisch.
Assistenzsysteme dienen – richtig genutzt – der Sicherheit. Deshalb sind neue Fahrzeuge zunehmend damit ausgerüstet. Aber Martin Küppers warnt zugleich: „Spurhalte- oder Bremsassistenten ersetzen nicht die Aufmerksamkeit der Fahrenden. Kein Assistenzsystem nimmt dem Menschen die Verantwortung ab.“ Im Unternehmen müsse daher eine Kultur der kontinuierlichen Lernbereitschaft gepflegt werden, in der alle Beteiligten Verantwortung für die sichere Nutzung tragen. Der BSR ist es gelungen, diese Unternehmenskultur zu etablieren. Auch hier spielen Kommunikation und Analyse eine entscheidende Rolle: Schäden, Beinaheunfälle und Rückmeldungen aus dem Betrieb liefern wertvolle Hinweise darauf, wo es noch hakt. Jeder Vorfall wird analysiert und führt zu Verbesserungen bei Prozessen, Technik und Schulung.
Gesundheitsschutz verbessern
Wenn es darum geht, die positiven Aspekte neuer Fahrzeuge hervorzuheben, steht oft der ökologische Vorteil von Elektroantrieben im Fokus. E-Fahrzeuge senken den CO2-Ausstoß und schonen Ressourcen. Diese Umweltfaktoren sind für kommunale Betriebe von hoher Bedeutung, zumal Gesetzesvorgaben zu erfüllen sind. Doch zugleich kann es zur Gesundheitsprävention beitragen, wenn der Fuhrpark erneuert wird. Denn neue Fahrzeuge reduzieren in der Regel Lärm und Vibrationen, verbessern Ergonomie und Bedienbarkeit. „Unsere Fahrerinnen und Fahrer freuen sich insbesondere über die geringere Lärmbelastung“, berichtet Wolfgang Wüllhorst von der BSR. Zudem könne das Stresslevel durch saubere, ordentliche Fahrzeugkabinen ohne störende Gerüche gesenkt werden, ergänzt Martin Küppers. „Auch dies wirkt sich positiv auf die Gesundheit und die Konzentrationsfähigkeit aus.“
Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) erweitert den Blick auf die Fuhrparkerneuerung um eine Perspektive, die Unternehmen und Einrichtungen immer im Blick behalten sollten: Der Fuhrpark ist ein entscheidender Teil der beruflichen Mobilität und damit zentral für die gesamte Verkehrssicherheit eines Unternehmens. Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Verkehrssicherheit müssen bei der Fuhrparkgestaltung deshalb systematisch betrachtet werden – für alle Wege, Aufgaben und Dienstfahrten. Für Führungskräfte bedeutet das: Fuhrparkerneuerung ist nicht nur Beschaffung, sondern auch Teil der Prävention und Organisationsentwicklung.
Der Erfolg einer Fuhrparkerneuerung hängt von vielen Faktoren ab:
- einheitliche Bedienkonzepte in der Fahrzeugflotte
- kontinuierliche Erneuerung und Wartung
- klare Prozesse und klare Kommunikation
- verlässliche und geeignete Infrastruktur
- Integration von Arbeitsschutz- und Verkehrssicherheitsaspekten beim Fahrzeugwechsel
- Einweisung direkt am Fahrzeug und Integration von Gewöhnungsphasen
- homogene, kleine Lerngruppen bei Einweisungen
- Schulungen mit Fokus auf neue Funktionen
- Wiederholungseinweisungen nach ersten Einsätzen bei
diffizilen Neuerungen - Multiplikatoren wie Master Driver oder Sicherheitsbeauftragte
begleiten Neueinsteigende - Erfahrungsaustausch und Rückmeldung unter zentraler Steuerung und Überwachung
- Assistenzsysteme als Unterstützung vermitteln, nicht als Ersatz für menschliche Aufmerksamkeit
Klicktipp: Einkaufsratgeber für gewerblich genutzte Fahrzeuge